Musik und Mystik - wie nahe liegen sie bisweilen. Wenn das "Angelicus Ensemble" singt, muss kein Priester Weihrauchkessel schwingen, um die Zuhörer in Bann zu ziehen. Das schafft allein die Macht der Musik, die Macht sakralen Gesangs, der scheinbar mühelos die Grenzen von Jahrhunderten überwinden kann.


Denn die geistliche Musik längst vergangener Jahrhunderte steht im Mittelpunkt bei Konzerten des "Angelicus Ensembles". Die Sänger aus Bulgarien haben sich der Tradition der Ostkirche verschrieben, die eine ganz eigene Aura auszeichnet.


Kennzeichnend dafür: der unbegleitete Gesang, der im Zentrum der sakralen Musik steht. Wer das "Angelicus Ensemble" erlebt wie beim Auftritt in der Coburger Pfarrkirche St. Augustin, denkt unwillkürlich an den Gesang von Mönchen in Klöstern.
Das beginnt schon rein äußerlich bei der Kleidung: schwarze Gewänder mit breiter weißer Schärpe, dazu ein offen getragener weißer Talar.


Musik kann Glauben und Geschichte ganz einfach in Klang verwandeln. Das beweist das "Angelicus Ensemble", das bereits mehrfach erfolgreich in Coburg gastierte. Im Gepäck hat dieses Ensemble Vokalmusik vom Mittelalter bis zur Romantik aus Russland, Bulgarien und Griechenland.


Inbrunst - das ist der gemeinsame Nenner dieser Musik jenseits der Frage nach Epochen und nach Komponistennamen. Die Faszination entsteht dabei nicht durch raffinierte kompositorische Kunst, durch komplexe Vielstimmigkeit, durch polyphone Verflechtungen etwa, sondern ganz unmittelbar aus dem Klang heraus.
Die Zuhörer in St. Augustin erleben die suggestive Macht des A-cappella-Gesangs, der immer wieder vom Kontrast der unterschiedlichen Stimmcharaktere lebt. Den oft sehr hoch aufsteigenden Tenorstimmen steht die orgelnde Kraft machtvoll tiefer Bässe gegenüber.

Weite melodische Bögen

Dabei beweist das "Angelicus Ensemble" seine Fähigkeit, die ausgewählten Werke dynamisch fein differenziert zu interpretieren. Intensität der Gestaltung ist nicht gleichzusetzen mit blanker Lautstärke.
Das "Angelicus Ensemble" weiß ganz genau, wie diese Musik stilsicher zu singen ist. Der Vortrag setzt nicht auf vokale Kraftmeierei wie allzu oft bei den Gastspielen reisender Kosaken-Chöre zu hören, die oftmals auch Musik der Ostkirche im Repertoire führen.
Beim "Angelicus Ensemble" verliert sich die Musik nicht im Fortissimo-Überschwang. Vielmehr beweist dieses Ensemble sein Gespür, weit ausschwingende melodische Bögen mit großer Intensität zu formen.