Eine Wahl, bei der es nur einen Kandidaten gibt, ist keine Wahl, findet Gerold Gebhard.
Ausgerechnet in seiner Heimatgemeinde Dörfles-Esbach stand so eine Wahl ins Haus. Am Sonntag wählen die Bürger nicht nur den nächsten Bundestag, sondern auch ein neues Gemeindeoberhaupt. Schon als Bürgermeister Udo Döhler bei der vergangenen Abstimmung im Amt bestätigt wurde, trat niemand gegen ihn an. Dass Parteien wie CSU und SPD keinen Kandidaten ins Rennen schickten, verstand Gebhard damals schon nicht. "Man kann nicht lamentieren und selbst nichts tun", ist seine Devise. Daher entschloss er sich, diesmal seinen Hut in den Ring zu werfen. Dass er das für die FDP tut, liegt daran, dass diese Partei es war, die ihm die dafür nötige Unterstützung zugesagt hat.
Nun tritt er also als Bewerber um den Bürgermeistersessel an. Das allerdings wäre ein fragwürdiges Unterfangen, wenn er nicht überzeugt wäre, dass er das Amt auch ausüben kann - und es haben will. Beides kann Gerold Gebhard aus Überzeugung bejahen.


Erfahrener Berater

Der Mann, der künftig an der Spitze der Bürger von Dörfles-Esbach stehen möchte, kann einiges vorweisen. Geboren ist er nicht in Dörfles-Esbach. Er ist ein Oberbayer. Aber schon als Kind kam er nach Franken. In Coburg besuchte er die Heimatringschule und später das Gymnasium Ernestinum. Jura studierte er in Bayreuth. Es folgten berufliche Stationen wie in der Rechtsabteilung von Sony Deutschland oder bei einem Computerhersteller in Aachen. Doch zog es Gerold Gebhard irgendwann wieder ins Coburger Land, das ihm zur lieb gewonnenen Heimat geworden war. Im Jahr 2000 begann er eine Tätigkeit in der Rechtsabteilung der IHK zu Coburg. 2006 wurde er deren Hauptgeschäftsführer. Bis 2010 füllte er diesen Posten aus, durch den er viele Kontakte knüpfen und ein dichtes Netzwerk aufbauen konnte, wie er rückblickend feststellt. Es nützt ihm bis heute.
Inzwischen ist Gerold Gebhard selbstständig als Rechtsanwalt tätig und führt eine Kanzlei für Wirtschafts- und Baurecht. Qualifikationen, die ihn zuversichtlich stimmen, den fachlichen Anforderungen im Bürgermeisteramt gerecht werden zu können. Doch er weiß, dass dazu mehr gehört - und zwar aus erster Hand. Hans Lotter, der langjährige Bürgermeister der Gemeinde Dörfles-Esbach ist Gerold Gebhards Schwiegervater. "Er ist mein engster Berater und größter Unterstützer", sagt er. "Wenn ich mit ihm durch den Ort gehe, dann kann er mir auf Schritt und Tritt etwas erklären, wann, was, wie gemacht wurde und warum", sagt er. Im Fall eines Wahlsieges, könne er auf das umfangreiche Wissen und die Erfahrung von Hans Lotter bauen.
Doch das allein wäre nicht genug für eine Amtsführung. Das weiß Gerold Gebhard. Und er weiß, wie er die Aufgabe angehen will. Er werde es halten wie Bundespräsident Horst Köhler es bei seinem Amtsantritt gesagt hat: "Ich werde erst einmal sehr viel zuhören, dann das Gehörte durchdenken, meine Schlüsse ziehen und diese dann umsetzen."
Zuhören, das heißt bei Gerold Gebhard auch: "Ich möchte ein Bürgermeister für alle sein, mit den Leuten ins Gespräch kommen und erfahren, was sie bewegt. Eben ein Kümmerer sein" Kurz bringt er es auf den Punkt: "Ich möchte gestalten, nicht nur verwalten."
Sein ehrenamtliches Engagement lässt den Bewerber um das höchste Amt in der Gemeinde über den Tellerrand des Juristenberufs hinaus blicken. Wer eine der Aufführungen von "Albert und Victoria" in der Ehrenburg besucht, der trifft den Bürgermeisterkandidaten vielleicht als Platzanweiser. Er ist nämlich Zweiter Vorsitzender des Fördervereins Kleinkunst und Varieté im Raum Coburg. Er engagiert sich bei den Wirtschaftsjunioren, im Pfadfinder Förderkreis und in der Altpfadfindergilde "Weiße Eulen". Im Sportland, dem Fitnesscenter vor Ort, trifft man ihn beim Badminton, und als begeisterter Motorradfahrer kennt er nicht nur Dörfles-Esbach, sondern den Landkreis und die Umgebung des Coburger Landes aus dem Effeff.


Pläne für die Kommune

Interesse am Amt ist aber nicht alles. Gerold Gebhard hat durchaus Vorstellungen, wie er die Zukunft von Dörfles-Esbach gestalten möchte. Wenn er weiß, was die Bürger wollen, gelte es festzulegen: "Was wollen wir, was können wir und was ist finanzierbar." Denn schuldenfrei soll der Ort schon bleiben. Die Leerstände im Gewerbegebiet Ziegelei anzugehen und die Standortbedingungen für die ansässigen Unternehmen so gut es geht verbessern, das sind Ziele für die der Jurist seine Verbindungen aus IHK-Tagen gern nutzen würde. "In eine Bewerbung würde ich schreiben, dass ich bereit bin, die Ärmel hoch zu krempeln", sagt er und lacht.
Dass er keine Mehrheitspartei im Gemeinderat hinter sich hätte, ist ihm klar. Doch das müsse nicht von Nachteil sein, findet er. So gehört er schließlich zu keiner Gruppe und kann auch im Gremium das sein, was er vor allem sein möchte: ein Bürgermeister für alle.

Gerold Gebhard Person Gerold Gebhard ist 49 Jahre alt. Der Jurist arbeitete nach dem Studium zunächst für große Unternehmen, dann in der Rechtsabteilung der IHK, deren Hauptgeschäftsführer er von 2006 bis 2010 wurde. Zurzeit ist er als Rechtsanwalt selbstständig und auf Wirtschafts- und Baurecht spezialisiert. Er engagiert sich für Kultur und bei den Pfadfindern, spielt Badminton und fährt Motorrad. Als Bürgermeister möchte er zuerst hören, was die Bürger wollen und dann das umsetzen, was machbar und finanzierbar ist.