Nach Berlin will Udo Döhler (UBV) nicht. Daher ließ er ein großes NEIN auf sein Wahlplakat drucken. Ein Hingucker, eine klare und - wie er findet notwendige - Abgrenzung zu den vielen anderen Wahlplakaten, die überall in Dörfles-Esbach hängen. Die meisten werben für Kandidaten, die tatsächlich nach Berlin wollen, in den Bundestag. Udo Döhler, das erklärt sein Plakat, will viel lieber Bürgermeister von Dörfles-Esbach bleiben.
Das ist er schon seit 2005. Damals legte Hans Lotter aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder. Udo Döhler war geschäftsführender Beamter, stellte sich zur Wahl und bekam das Vertrauen der Bürger. Rechnet man seine Dienstzeit auf diesem Posten dazu, steht er inzwischen seit 32 Jahren in Diensten der Gemeinde. "Damit bin ich inzwischen der Dienstälteste", sagt er und fügt hinzu: "Aber das Feuer brennt noch". Udo Döhler brennt für seine Aufgabe an der Spitze der Bürger und möchte keinen anderen Beruf haben. "Einen abwechslungsreicheren Beruf kann man sich nicht vorstellen", schwärmt er.


Probleme mit Großprojekten

Auch wenn in der Verwaltung die Mitarbeiter nur 6,5 Planstellen ausfüllen, zu denen noch der Bürgermeister dazu gerechnet werden muss, steht für ihn fest: "Es gibt alles, was es in einer Großstadt auch gibt, nur, dass wir es mit 6,5 Arbeitskräften und dem Bürgermeister bewältigen müssen. Und Großstadt, das wollte Udo Döhler noch nie. Als er am Anfang seines Berufslebens als Staatsbeamter am Landratsamt Lichtenfels nach München sollte, bewarb er sich lieber auf den Posten des geschäftsleitenden Beamten in Dörfles-Esbach.
Natürlich macht auch die Arbeit eines Bürgermeisters nicht immer Spaß. Beispiel: Straßenausbaubeitragssatzung. "Es gibt eine höchstrichterliche Entscheidung, die wir umzusetzen haben", stellt Udo Döhler klar. Also bleibe nur, die Satzung für die eigenen Bürger so schonend wie möglich zu gestalten. Sich zu widersetzen sei zwecklos.
Schon als er noch geschäftsführender Beamter war, begann in Dörfles-Esbach das Ringen, um nicht durch große Infrastrukturprojekte in der kommunalen Entwicklung völlig beschnitten zu werden. "Wir haben damals Stellungnahme um Stellungnahme zu ICE und Autobahn geschrieben und heute geht es um große Stromtrassen", sagt er. Aber der Verkehr ist auch im Kleinen ein Thema.
"Die Verkehrsbelastung ist hoch, obwohl es leistungsfähige Umgehungsmöglichkeiten gibt", sagt der Bürgermeister. Es soll unattraktiv werden, den Ort als Transitstrecke zu nutzen. Das Einkaufsgebiet Lauterer Höhe ziehe den Verkehr sogar schon bis in die Wohngebiete. Viel Entwicklungsspielraum hat der Ort nicht. Trotzdem wird gerade noch ein Gewerbegebiet ausgewiesen. Zusammen mit Rödental soll ein weiteres entstehen. Leerstände in der Ziegelei werden immer, wenn sie auftreten, zu einer Herausforderung. Die Entwicklung des ehemaligen Kasernengeländes, gehört noch zu den Zielen, die Udo Döhler gern in der neuen Amtszeit angehen möchte. Natürlich möchte er auch angefangene Projekt gern zu einem Abschluss bringen. So wie die Schule, die zurzeit in Arbeit ist.
Obwohl die Gemeinde in den vergangenen zehn Jahren weiter an Einwohnern verloren hat, gibt es kaum Leerstände und es wird dringend Wohnraum benötigt. Wie in vielen ländlichen Kommunen leben oft nur noch ältere Paare oder Einzelpersonen in großen Einfamilienhäusern. Hier könne die Gemeinde helfen, eventuell leer werdende Häuser möglichst an junge Familien zu vermitteln.
Durch den hohen Anteil an Geschosswohnungsbau ist Dörfles-Esbach eher städtisch als dörflich geprägt. Damit geht allerdings einher, dass die Menschen weniger Kontakte pflegen. Verstärkt möchte der Bürgermeister hier für mehr Gemeinschaftsgefühl sorgen. Ein Bürgerhaus, in dem sich Generationen begegnen können, das keine Zugehörigkeit zu einem Verein oder einer Konfession erfordert, das könne da hilfreich sein, findet er. Schließlich leben in Dörfles-Esbach auch 370 Mitbürger aus 38 Ländern, die möglichst integriert werden sollen.


Suche nach Standortbestimmung

Udo Döhler will Bürgermeister von Dörfles-Esbach bleiben. Dennoch hat er sich einen Gegenkandidaten gewünscht. Bei der letzten Wiederwahl bekam er zwar fast 98 Prozent der Stimmen. Aber kaum ein Drittel der Berechtigten ging zur Wahl. "Das ist dann keine echte Standortbestimmung", sagt er.
Die Wahlbeteiligung sollte diesmal höher ausfallen. Erstens gibt es ja einen Gegenkandidaten. Zweitens fällt sie diesmal zusammen mit der Bundestagswahl. Da besteht zumindest die Hoffnung, dass mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten in die Wahllokale kommt. Schon jetzt zeichnet sich zumindest eine große Zahl von Briefwählern ab, wie im Rathaus registriert wurde.
"Man muss sich die Anerkennung der Bürger auch erarbeiten", das weiß Udo Döhler. Am Sonntag hofft er daher auf ein Ergebnis, das ihm zeigt, dass die Wähler von Dörfles-Esbach wollen, dass er weiter für sie arbeitet.

Udo Döhler Person Udo Döhler ist 55 Jahre alt. Der gelernte Verwaltungsbeamte begann seine Laufbahn am Landratsamt Lichtenfels. Seit 32 Jahren steht er im Dienst der Gemeinde Dörfles-Esbach, zunächst als geschäftsführender Beamter, seit 2005 als Bürgermeister. Er ist naturverbunden und viel auf den Rad- und Wanderwegen des Coburger Landes unterwegs. Er hofft auf eine Wiederwahl, um angefangene Projekte zu einem guten Abschluss zu führen und neue anzugehen, um die Entwicklung der Gemeinde weiter zu gestalten.