Die letzte Sitzung des Rödentaler Stadtrats, die von Gerhard Preß als Bürgermeister geleitet wurde, ist vorüber. Heute wird er verabschiedet und zieht eine beeindruckende Bilanz.
Da sind zunächst die reinen Zahlen. Wie die Protokolle belegen, leitete Gerhard Preß in seiner 30-jährigen Amtszeit 466 Sitzungen des Stadtrats, bei denen insgesamt 8183 Tagesordnungspunkte behandelt wurden. Dazu kamen noch 887 Senats- und Ausschusssitzungen mit 8036 Punkten. In 536 Bürgerversammlungen ließ er sich die Sorgen und Nöte der Rödentaler vortragen und informierte über die Arbeit der Verwaltung und des Stadtrats. Und schließlich nahm er an 996 Amtsleiterbesprechungen teil.

Viele viele Höhepunkte

Selbst wenn sich Gerhard Preß auf die Höhepunkte während seiner Amtszeit beschränkt, will die Aufzählung kein Ende nehmen.
Sie reicht von der Sanierung der Domäne Oeslau über die Einweihung des Froschgrundsees mit einer Bundesratssitzung im Rödentaler Rathaus unter Leitung von Franz Josef Strauß bis zur Stadterhebung. Der Neubau der Grundschule Mitte steht ebenso auf der Liste wie die Aufstufung der Stadt zum Mittelzentrum, der Bau von ICE-Strecke und Autobahn oder Ortsumgehung.

Preß erinnert an Dorferneuerungen, die Ausweisung zahlreicher Baugebiete, die Ansiedlung von Handel und Gewerbe und vieles mehr, das Rödentals Entwicklung prägte, während er Bürgermeister war.
Modellvorhaben lagen Gerhard Preß stets am Herzen, bringen sie doch in aller Regel viele Vorteile für die Bürger und werden besonders hoch gefördert. Der Stadtbus für Rödental war so ein Projekt, auch die Holzhaussiedlung, Wohnen in allen Lebensphasen in der Schlesierstraße, Innovative Altenhilfekonzepte und präventive Hausbesuche bei Hochbetagten gehören in diese Reihe. Zahlreiche Preise konnte die Stadt für solche Vorhaben einheimsen.

Rückschläge

Den Strukturwandel, den die Stadt erleben musste, verschweigt der Bürgermeister nicht. In der Puppenindustrie, dem Annawerk und bei Goebel gingen vor allem Frauenarbeitsplätze verloren, bedauert Preß.
Und dann ist da noch eine alte Wunde. "Eines hat mich in diesen 30 Jahren besonders geschmerzt: die politisch motivierte Entscheidung, die bereits für Rödental zugesagte und mit hohem Aufwand betriebene Planung der kleinen Landesgartenschau 1996 durch eine knappe Mehrheitsentscheidung rückgängig zu machen", sagt Preß. Er ist der Überzeugung, dass hier eine große Chance für die Gestaltung und den Ausbau der Freizeitbereiche in Rödental vergeben wurde.

Doch im Wesentlichen fallen ihm die Höhepunkte seiner Zeit als Bürgermeister ein, wenn er zurückblickt. Einer der größten: der Fall der innerdeutschen Grenze, der unter anderem zur Städtepartnerschaft mit Schalkau in Thüringen führte.

Stets ist Gerhard Preß gern Gastgeber für "hohen Besuch" gewesen, fühlte sich und Rödental geehrt, wenn hohe Amts- und Würdenträger die Stadt besuchten. Die Bundespräsidenten Karl Carstens und Richard von Weizsäcker begrüßte er und alle bayerischen Ministerpräsidenten, die gleichzeitig mit ihm im Amt waren. Manche davon mehrmals. Seit 1984 trugen sich 241 Persönlichkeiten in das Goldene Buch der Stadt ein.

Schwarze Madonna

Aber auch er durfte hohe Persönlichkeiten besuchen. Herausragend unter allen Papst Benedikt Benedikt XVI., dem Gerhard Preß eine schwarze Madonna überreichte, die bei Saint Gobain in Rödental hergestellt wurde.