Mit Tante Ottilie ist es so eine Sache. Eigentlich gibt es sie nicht, oder doch? Genau genommen gibt es sie sogar zweimal. Aber das ist eine längere und auch etwas komplizierte Geschichte. Wer sie hören möchte, sollte sich Karten für eine Vorstellung der Theatergruppe des FC Oberwohlsbach besorgen. Wie jedes Jahr präsentiert die Truppe zum Jahresauftakt einen Dreiakter. Diesmal: "Tante Ottilies Pokerrunde".
Der Schwank aus der Feder von Karl-Michael Kehler und Maria Warmuth wird gerade vom Ensemble der FCO-Bühne einstudiert. Wie immer sickert dabei ein wenig Lokales mit in Text und Handlung. Künstlerische Freiheit, die das Publikum seit Jahren zu schätzen weiß.
So wird aus der ehrwürdigen Adelsfamilie derer von Vogelsberg in Oberwohlsbach die Familie von Rosenau, die nach außen untadelig wirkt nach innen aber eher unartig. Jeder hat vor jedem Geheimnisse, die sich so nach und nach dem Publikum offenbaren.
Graf Eduard (Ulrich Kaiser) beispielsweise ist dem Glücksspiel arg zugetan. Damit droht er den Familienbesitz glatt zu verzocken. Gräfin Henriette ahnt davon nichts. Frustriert, weil oft allein, bucht sie eine wilde Nacht mit dem käuflichen Liebhaber Rudolpho Valentino (Bernd Langbein). Tochter Charlotte (Astrid Langbein) hat eine Liebschaft von der wiederum Graf und Gräfin nichts ahnen - und die ihnen auch gewiss nicht recht wäre. Das liegt nicht nur am Sprachfehler des guten Philipp (Wolfgang Finzel).
Dass im Familienclan der Rosenauer nicht alles aus dem Ruder läuft, ist dem Geschick von Butler Johann (Andreas Lutz) zu verdanken. Listig, ein wenig durchtrieben und stets auf den eigenen Vorteil bedacht, balanciert er das Leben seiner Herrschaft ganz gut aus. Natürlich muss das schief gehen.
Um seinem Herrn ein Alibi zu verschaffen, erfindet er die Erbtante Ottilie, die der Graf angeblich besucht, wenn er in Wirklichkeit im Spielcasino sitzt. Als wieder einmal alles aufzufliegen droht, und Johann aktiv wird, gibt es plötzlich zwei Tanten. Dass da noch ein Gerichtsvollziher auftaucht, eine Krankenschwester einen entlaufenen Patienten sucht und gewisse Getränke verwechselt werden, lässt ahnen, wie turbulent es auch diesmal wieder auf der FCO-Bühne zugehen wird.
Bis zur Premiere hat Regisseur Franz Wohlleben noch ein wenig Arbeit mit seiner Truppe vor sich, der im Augenblick noch ziemlich oft die hinter dem Vorhang versteckte Soufleuse Beate Sommer rethorischen Beistand leisten muss.