Sammeln kann zur Leidenschaft werden. Wer wüsste das besser als der Leiter eines Museums. Udo Leidner-Haber kennt Geschichten und Hintergründe zu zahlreichen Sammlungen, die heute in den Archiven des Museums der Deutschen Spielzeugindustrie schlummern. In einer Sonderausstellung zeigt das Museum zurzeit Stücke, die aus privater Hand ihren Weg nach Neustadt fanden.
"Oft wurde so eine Sammlung ein Leben lang aufbewahrt und behütet", sagt Udo Leidner-Haber. Dann kommt vielleicht ein Umzug oder jemand möchte zu Lebzeiten sicher sein, dass seine Sammlung nach dem Tode sorgsam weiter aufbewahrt wird. So stehen für den Museumsleiter bei dieser Ausstellung die Stifter der Objekte fast mehr im Mittelpunkt als die Objekte selbst.
Die Bandbreite der Exponate ist groß. Puppen, Blechspielzeug, Eisenbahnen, Modellautos und Spielfiguren, füllen die Vitrinen im großen Saal des Museums.Hummelfiguren sind darunter und ungewöhnliche Dinge wie
eine sogenannte Tee-Puppe. "In den zwanziger Jahren war das mal eine Mode, Damen trafen sich zum Tee oder Kaffee und bastelten solche Puppen", erklärt Leidner-Haber. Wer die Puppe, die um 1925 entstanden sein dürfte, gemacht hat, ja selbst wer sie 1935 an das damalige Völker- und Trachtenmuseum übergab, ist unbekannt. Von besonderem Wert ist sie vor allem, weil solche Puppen nur über eine kurze Zeitspanne Mode waren. Die meisten wurden wenig später weggeworfen.

Spielzeug von Max Carl

Genau bekannt ist dagegen der Stifter einer umfangreichen Sammlung von Funktionsspielzeug. Kleine Trommler und Affen, die Rasseln schwingen, wurden um 1952 von der Firma Max Carl KG in Creidlitz gefertigt. Als die Produktion aufgegeben wurde, blieb der Firma der Inhalt des Musterzimmers erhalten. Diesen stiftete Helmut Carl 2002 dem Museum. Bemerkenswert sind auch die Originalverpackungen, die zu den Figuren ausgestellt werden. Sie wären eine eigene Sammlung wert, so kunstvoll wie sie gestaltet sind. "Sammler würden für diese Stücke beachtliche Preise zahlen. Aber sie bekommen sie natürlich nicht", sagt Udo Leidner-Haber. Das Museum der Deutschen Spielzeugindustrie trägt seine Bestimmung im Namen. Daher kann nicht alles angenommen werden, was Stifer anbieten. "Wir versuchen, so zusammeln, dass das Museum sinnvoll weiter entwickelt werden kann", betont sein Leiter. Trotzdem hat sich der Bestand an Exponaten von der Anfangszeit mit etwa 3000 bis 4000 Stücken auf heute an die 30 000 Stücke vergrößert. Die nicht alle gezeigt werden können.
Daher sucht Udo Leidner-Haber immer wieder nach Themen, stellt dazu passende Exponate zu einer Ausstellung zusammen. Besucher bekommen so immer wieder einen Blick auf das, was da in den Regalen des Museums schlummert.
Fast schon ein Stück Literatur- und Industriegeschichte wartet in einer eigenen Vitrine auf die Besucher. Harry Potter steht da mit geklebter Brille und seinem Nimbus 2000 Besen. Gemacht von der Firma Götz in Rödental um 2002. Gestiftet wurde er erst im vergangenen Jahr von Stephania Kirsch aus Stuttgart. Hermine, Ron und andere Figuren aus den Romanen liegen brav im Archiv.
Oft hängen ganz persönliche Erlebnisse des früheren Besitzers an so einem Ausstellungsobjekt. So wie bei einem "Mädchen in Tracht", einer großen Puppe. "Die war mal der erste Preis bei einem Tanzwettbewerb in Coburg", erzählt Udo Leidner-Haber. Sie wurde 1948 von der Sonneberger Pozellanfabrik hergestellt und erst 2012 von Karin Grosch aus Grub am Forst gestiftet.
So steckt hinter Spielzeugloks Schuko-Blechspielzeugen oder den Meckis, die in den 60ern bliebte Figürchen waren, immer eine Geschichte, die zu erzählen lohnt. Noch bis April können Besucher auf Spurensuche in der Geschichte der Spielzeugsammlungen gehen. Dann wird für das Puppenfestival die Ausstellung "Auslotung" vorbereitet.