Die CSU-Fraktion möchte Bad Rodach "noch weiter beleben", wie Fraktionsvorsitzender Christoph Herold in der Sitzung des Stadtrats am Montag betonte. Dafür setze seine Fraktion auf die Errichtung eines Thermenhotels hinter dem bestehenden Thermalbad, kurz vor dem Medical Park, sagte Herold. Den entsprechenden Antrag, die Kosten für eine Machbarkeitsstudie zu ermitteln und eventuelle Fördermöglichkeiten auszuloten, billigte der Stadtrat am Montag einstimmig.


Zu wenig Betten für die Gäste

Wie Herold erläuterte, sei dies als Schlüsselprojekt 4 bereits Teil des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts vom Mai 2011. Die Stadt Bad Rodach gehöre neben der Stadt Coburg zu den wenigen Kommunen im Landkreis, in der die Beherbergung einer größeren Zahl von Touristen möglich sei. Leider wiesen die Übernachtungszahlen der vergangenen Jahre tendenziell nach unten.
Dies liege aber auch daran, dass zu wenig Betten vorhanden seien. Herold verwies auf den erwarteten Anstieg der Besucherzahlen mit der Eröffnung der Veste Heldburg als Deutsches Burgenmuseum.

Wichtiges Ziel in Bad Rodach müsse deshalb sein, den Tourismus zu fördern und den im Umfeld tätigen Akteuren Unterstützung zu geben. Um dies mit entsprechendem Komfort für die Gäste zu gewährleisten, sei ein weiteres Hotel mit direkter Thermenanbindung "unerlässlich", sagte Herold. Das von der CSU ins Auge gefasste Grundstück sei bereits im Besitz der Stadt Bad Rodach.


Suche nach Betreiber und Suche nach Investoren

Nach der Machbarkeitsstudie solle die Suche nach einem Betreiber folgen, was sicher auch das Interesse von Investoren wecken werde. Wenn die Stadt bis zum Jahr 2019 schon erhebliche Summen für Investitionen in den Eigenbetrieb der Therme Natur vorsehe, sei es auch unerlässlich, das künftige Besucherpotenzial der Therme abzuschätzen. Herold: "Eine positive Machbarkeitsstudie mit Markterkundung kann dies nur unterstützen."
Bei einem Bauprojekt ging es im Stadtrat nicht um das Ob, sondern um das Wo. Alle möchten eine Einrichtung für Tagespflege und Wohnungen haben, erhebliche Differenzen gibt es nur wegen des möglichen Standorts: Denkbar knapp - mit 11:10 Stimmen - hat der Stadtrat entschieden, das städtische Grundstück der ehemaligen Haba-Fundgrube in der Heldburger Straße an einen Investor zu verkaufen, der dort Derartiges schaffen will. Der knappen Entscheidung war eine leidenschaftliche Diskussion vorausgegangen.


Zwölf Tagespflegeplätze

Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) erläuterte, dass besagter Investor dort zwölf Plätze für Tagespflege schaffen wolle. Der Bedarf dafür sei vorhanden, das habe auch das Landratsamt Coburg bestätigt. Aufgrund des unterschiedlichen Buchungsverhaltens der Nutzer könnten diese Einrichtung aber bis zu 35 Menschen nutzen.
Für die Stadt sei es "jetzt attraktiv, ein solches Angebot kostendeckend hinzubekommen", sagte Ehrlicher. So entstehe nämlich kein Aufwand, im Gegenteil erziele man mit dem Grundstücksverkauf noch einen Erlös, und die Beseitigung des Abraums koste die Kommune ebenfalls nichts. Auf die Frage von Christoph Herold, ob der Investor das Bauvorhaben dann tatsächlich verwirkliche, verwies Ehrlicher auf die hohen Kosten im Vorfeld: "Der plant ja nicht lange und macht dann nichts. Außerdem haben wir kein Risiko."

Diesen Argumenten konnte sich Ernst-Wilhelm Geiling (Freie Wähler) nicht anschließen: "Wir waren einem Lückenschluss der Bahn zwischen Rodach und Hildburghausen noch nie so nahe. Die Strecke würde aber genau da durchführen", warnte der Fraktionsvorsitzende. 300 Meter weiter gebe es ein ebenso geeignetes, städtisches Grundstück - und die gewünschten Infrastruktureinrichtungen wie Einkaufsmarkt, Ärzte, Bahnhof oder Apotheke seien gerade mal 300 Meter weiter weg. Geiling: "Das sind Wege, die sind machbar." Er verwies nochmals auf den Lückenschluss und bat: "Lasst uns nicht den gleichen Fehler wie in Lautertal machen!"

Axel Dorscht (SPD) wiederum wollte dem nicht folgen: "Wer darauf wartet, dass der Lückenschluss kommt, der wartet noch sehr lange!" Und Herbert Müller (SPD) stellte die Frage, warum der Stadtrat gegen ein Projekt sei, das sich der Investor genau an diesem Platz wünsche?
Wichtig seien nun einmal die zentrale Lage, die Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten vor Ort. Ein Lückenschluss der Bahn würde zudem nicht genau durch die Stadt führen, sondern bereits bei Schweighof von der bisherigen Strecke abzweigen. Nina Klett (CSU) gab zu bedenken, dass ein Lückenschluss der Bahn nur mit Güterverkehr zu verwirklichen sei, und der würde nicht durch die Stadt transportiert. Ohne Güterverkehr sei ein Lückenschluss ohnehin nicht finanzierbar.

Rainer Möbus (Zukunftsforum) warnte davor, den Fehler zu begehen und Hoffnungen zu wecken, dass die Tagespflege-Einrichtung etwas mit den geplanten Wohnungen zu tun haben werde. Dies sei nämlich nicht der Fall.