Im durchscheinenden Licht ihrer Gemälde werden die nicht wirklich fassbaren, aber sehr wohl intensiv präsenten "Parallelwelten" unseres Bewusstseins spürbar. Daneben stellt die Malerin und Bildhauerin Sonja Edle von Hoeßle ihre im wörtlichen Sinne stahlharten, undurchsichtigen Skulpturen. Die wiederum ziehen aber, als gebogene, geknickte, abgelenkte "Endlosschleifen", auch in ihre eigene Dimension.

Nicht genug mit diesen Gedankenführungen, gehören zur neuen großen Ausstellung im Coburger Kunstverein auch die aus Cortenstahl gefalteten, lamellenartig lebendig sich in den Raum wölbenden großen Skulpturen von Herbert Mehler (siehe auch Seite 10): Parallelwelten also durchaus in mehrfacher Dimension.

Es ist vor allem das Element Wasser, dessen Wesen Sonja Edle von Hoeßle in ihrer Malerei versucht zu durchdringen. Ihre Farben fließen, von geheimnisvollen Lichtströmungen geleitet, über Landschaften. Wir stehen unmittelbar am Flussrand, am Waldsee. Das "Taudunkel" tropft uns auf die Haut. Regen bildet einen dichten Vorhang vor unserem Gesicht, durch den wir ein düsteres Haus, ein Wasserrad, Wald eher ahnen als sehen. Das milchige Weiß des "Morgentaus" legt sich uns kühl auf den Körper.

Hoeßles vielschichtige und durchscheinende Ölbilder führen den Betrachter, wenn er den bereit ist, sich ein Stück weit aus seiner herkömmlichen Wirklichkeitswahrnehmung zu lösen, tiefer ins Wesen der Natur, in dem unser Bewusstsein mitzuschwingen, zu schweben scheint. Im Halbbewusstsein zwischen Traum und Erwachen fühlen sich Bilder, Zustände der Natur mitunter so an. Tiefgrün sich ausbreitendes Wasser im Wald, das Licht eines sonnigen Tages, das durch Ast- und Blätterwerk dringt. In manchen Bildern zieht es Hoeßle und uns ganz unter die Oberfläche ihrer Gewässer, "underwaterlove" nennt sie diese Zustände.

Hoeßles großformatige, intensiv in den Raum strahlende Gemälde binden große Mengen an Energie in sich. Und vermögen sie weiterzugeben.

Kunstverein Coburg Parallelwelten. Sonja Edle von Hoeßle - Malerei und Skulptur. Herbert Mehler - Skulptur. Ausstellungseröffnung heute um 16 Uhr im Pavillon im Hofgarten. Einführung durch Melanie Klier, München. Für die musikalische Umrahmung sorgen Daxi Pan (Klavier) und Frithjof Greiner (Violine). Bis 19. April, täglich außer Montag von 14 bis 17 Uhr, Sonntag auch 10 bis 12.30 Uhr
Herbert Mehler wurde 1949 in Steinau bei Fulda geboren. Er sammelte erste künstlerische Erfahrung bei seinem Vater, dem Holzbildhauer Franz Mehler. Im Anschluss an seine Ausbildung zum Bildhauer studierte er Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.
Gemeinsam mit seiner Frau, der Malerin Sonja Edle von Hoeßle, gründete er im Jahr 2000 auf einem alten Bauerngut im Würzburger Umland das "riedenheim project". Werke von Herbert Mehler werden in zahlreichen Museen, Galerien und im öffentlichen Raum ausgestellt. So sind seit 2008 sechs Exponate aus der Serie "Kavex" in Berlin auf dem Gelände des Krankenhauses Elisabeth Herzberge zu sehen.

Sonja Edle von Hoeßle, geboren1960 in Wiesbaden, studierte Visuelle Kommunikation. Auch sie kann auf zahlreiche Ausstellungen und Auszeichnungen verweisen. Seit kurzem markiert ihre "Endlosschleife V" den Beginn des Skulpturenufers in Würzburg, dem ein Kilometer langen Fußweg am Mainufer zwischen Alter Kranen und dem Kulturspeicher. Den Endpunkt markiert die sieben Meter hohe Stahl-Skulptur "Bella Donna" von Herbert Mehler.