Am 24. Juni 1839 ist es heiß. Die Heuernte ist in vollem Gang und viele Neustadter sind auf den Wiesen außerhalb der Stadt an der Arbeit. Doch auch in der Stadt wird gearbeitet. In einer Schmiede in der heutigen Ernststraße fliegen die Funken, wenn der Blasebalg in die Esse gerichtet wird. Einige fliegen aus dem Schornstein auf das trockene Holzdach eines Nachbarhauses. So beginnt die größte Katastrophe in der Stadtgeschichte.

Von 226 Häusern, die Neustadt damals hatte, brennen 179 ab. Das Rathaus wird ebenso ein Raub der Flammen wie die Stadtkirche St. Georg. Im Gotteshaus gibt es jetzt eine Ausstellung zu sehen, die an den Stadtbrand erinnert. Heimatpflegerin Isolde Kalter hat dazu auch Exponate vom Landeskirchlichen Archiv in Nürnberg ausgeliehen. Darunter befindet sich das Kirchenbuch, das damals den Brand beschädigt überstanden hat.
Die angebrannten Seiten wurden kunstvoll wieder ergänzt.

Zusammen mit Horst Gundel und Klaus Engelhardt, die auch schon das kleine Kirchenmuseum in St. Georg aufgebaut haben, trug Kalter Informationen und Exponate für die Ausstellung zusammen. Es gibt ein Modell der damaligen Stadt, zeitgenössische Bilddarstellungen und Akten. Diese drehen sich vor allem um die Kirche, in der sie ausgestellt sind. "Ich finde es toll, dass diese Ausstellung zusammengekommen ist", lobt Pfarrer Andreas Sauer die Arbeit der drei engagierten Gemeindemitglieder.

"Einiges konnte damals aus der Kirche gerettet werden", sagt Horst Gundel. Klaus Engelhardt erinnert an die wertvollen Abendmahlsgeräte, die heute im Safe verwahrt werden. Aber auch ein Kronleuchter und ein Kruzifix das Taufbecken und eine Orgelbank sind bis heute in der Kirche vorhanden.

Bei allem Unglück konnten die Neustadter damals dankbar sein, dass es nur drei Todesopfer zu beklagen gab. Die 63-jährige Magdalena Barbara Witthauer flüchtet vor dem Feuer in ihren Keller, wo sie erstickt. Den verbrannten Körper des sechsjährigen Ludwig Schindhelm finden die Helfer verbrannt vor. Der erst ein Jahr alte Carl Ferdinand Süßenguth wird von herabstürzenden Trümmern erschlagen.

Der Wiederaufbau

Die Überlebenden machen sich an die Arbeit, um ihre Stadt wieder aufzubauen. Doch viele haben ihre gesamte Habe verloren. Die Stadt ruft ein Hilfskomitee zusammen. Es nimmt Meldungen entgegen, was jeder verloren hat. "Diesen Auflistungen verdanken wir detaillierte Kenntnisse darüber, was damals in den Haushalten vorhanden war", sagt Isolde Kalter. Von armen Leuten, die nur wenige Kleidungsstücke und etwas Hausrat hatten bis zum Advokaten, der exakte Angaben über Hunderte von Büchern machte, die er verloren hatte, reicht die Palette. So zeichnet sich ein klares Bild davon, wie es damals in Neustadter Häusern aussah. "Manche schrieben ein wenig mehr auf die Liste, als sie tatsächlich hatten", weiß Kalter. Da setzte das Komitee schon mal den Rotstift an. Es gab auch bereits Versicherungen - doch die hatten eher die Wohlhabenden.

Sofort nach dem sich die Nachricht von dem Brand in der Region verbreitet hatte, gab es eine Welle der Hilfsbereitschaft. Aus Sonneberg, den umliegenden Orten, die zu Neustadt gehörten und aus Coburg kamen Geld- und Sachspenden, über deren Verteilung das Komitee genau wachte. Allerdings dauerte es neun Jahre bis die Hauptkirche der Stadt wieder genutzt werden konnte, weiß Horst Gundel. Der Wiederaufbau kostete 52.200 Gulden. "Inklusive der Beerdigungskosten für zwei Maurer, die bei den Arbeiten umkamen", berichtet Gundel.

Der Zusammenhalt beim Wiederaufbau scheint die Menschen verändert zu haben. Gab es vorher eine streng nach Ständen getrennte Sitzordnung in der Kirche, war diese jetzt aufgehoben. Und Zusammenhalt hat für die Neustadter bis heute ein ganz besondere Bedeutung behalten.