In der zweiten Woche der Therapie hat es Klick gemacht: Laurin und der fünfjährige Delfin Kanoa bildeten im Wasser ein Team. Völlig entspannt und freudig genoss der Junge die Zeit, die er mit dem sensiblen Tier verbringen durfte. Wieder an Land zeigten sich deutliche Fortschritte in seiner Entwicklung.

Der Achtjährige, der mit einem bislang noch unbekannten Gendefekt zur Welt kam, konnte plötzlich seinen Schwimmflügel selbst aufpusten. Sein Mund, den er in letzter Zeit kaum noch richtig schließen konnte, blieb jetzt öfters zu.



"Sein Rücken ist gerader geworden, er sitzt aufrechter und er läuft schöner", sagt sein Vater Oliver Frank ganz stolz und freut sich, dass sich ein "Türchen geöffnet hat". "Es hat sich gelohnt", sind sich die Eltern einig - auch, wenn es sehr anstrengend und alles andere als Urlaub gewesen sei.

Noch warten die Franks auf den abschließenden Therapiebericht aus Curacao. Doch die Erfolge sind schon jetzt spürbar. "Daran wollen wir mit seinen Therapeuten von hier anknüpfen", sagt Katrin Frank, die schon erste Gespräche über mögliche Hilfsmittel geführt hat.


Vor Freude gequietscht

Da Laurin nicht sprechen kann, läuft die Verständigung über Bilder, auf die er zeigt. In Curacao hat er beispielsweise Karten gezogen, auf denen einen Ball oder Reifen abgebildet war. Kanoa hat darauf reagiert und die jeweiligen Sachen geholt. "Es war solch eine Freude zu sehen, wie Laurin sich entspannt und vor Freude gequietscht hat", erzählt Vater Oliver, der bei einem Familienschwimmen selbst Erfahrungen mit dem sensiblen Tier sammeln konnte.

Die Energie im Wasser und die Zuneigung des Delfins empfanden er und seine Frau als ein unglaubliches Erlebnis. "Er hat sich angefühlt wie ein nasser Gummistiefel. Seine Sensibilität im Umgang mit uns Menschen und die Gewandtheit im Wasser werden uns unvergesslich bleiben."


Keine Schmerzen

Für Katrin Frank hatte der Aufenthalt noch ganz andere Auswirkungen. Laurins Mutter, die an Multipler Sklerose und Morbus Crohn leidet, war in den drei Wochen komplett schmerzfrei. "Die Wärme und die hohe Luftfeuchtigkeit haben mir gut getan. Dafür bin ich sehr dankbar."

Möglich wurde der Aufenthalt auf Curacoa durch eine Spendenaktion, die durch eine Veröffentlichung im Tageblatt so richtig in Schwung kam. Katrin Frank hatte die Geschichte von Laurin auf einer Facebook-Seite erzählt. Durch die Reportage "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" nahmen viele Leser Anteil. Innerhalb weniger Wochen kamen über 17 000 Euro auf einem Spendenkonto von Dolphin Aid für Laurin zusammen. Die Franks hatten mit einem Therapieplatz erst 2017 gerechnet - doch das Glück meinte es gut, und die Familie konnte kurzfristig einspringen.


Sich selbst spüren

Zwei Tage nach der Konfirmation der ältesten Tochter Leonie hieß es Koffer packen. Den Flug fand Laurin richtig gut. Die Zeitverschiebung (sechs Stunden) brachten seinen Rhythmus dann doch etwas durcheinander. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ging es richtig los. Eine Therapiegespräch am Anfang, großes Interesse an Laurin von Seiten der Therapeuten und die Faszination Delfin stimmten die Franks von Anfang an ganz zuversichtlich.

Schnell wurde deutlich, dass alle Fortschritte, die Laurin macht, mit seiner Selbstwahrnehmung zu tun haben. "Er muss sich spüren und fühlen", erläutert Papa Oliver. Die Bewegungen im Wasser, die tägliche Bürstenmassage und die Übungen zur Mundmotorik hatten Erfolg: "Laurin schaut sich im Spiegel an und küsst sich", sagt seine Mama lächelnd. Sie habe das Gefühl, er könne es manchmal gar nicht glauben, dass er es ist, der sich die Haare rauft.


Fortsetzung geplant

"Wir wissen nicht, wie es mit Laurin weiter geht, wie er sich entwickelt, aber uns ist klar geworden, dass wir den richtigen Weg für ihn gewählt haben. Wir wollen unser Kind bei uns haben und alles tun, damit es sich wohl fühlt und gefördert wird." Dazu wird auch eine zweite Delfintherapie gehören, sind sich die Franks sicher. "Denn mit einer Pferde- oder Hundetherapie ist das nicht zu vergleichen. Wir haben beides ausprobiert, aber diese Fortschritte nicht erreicht."