Wenn man Steve Amthor bei der Arbeit beobachtet, kann einem ganz schön schwindelig werden. Er hockt in luftigen 24 Metern Höhe auf einer Plattform, die auf einem großen Gerüst montiert ist, eine Tortenspritze in der Hand. "Das ist unser Konditor", scherzt Markus Schnapp, technischer Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts Bamberg, Außenstelle Coburg. Man könnte es ihm fast glauben, denn es hat schon ein bisschen was von Torten dekorieren, wie der junge Mann mit dem Spritzbeutel hantiert. Natürlich ist der nicht mit Sahne gefüllt, sondern mit einem speziellen Mörtel, um schadhafte Stellen in den Ecktürmchen aus Sandstein auszubessern. Für diese Arbeit gebe es eben kein besseres Werkzeug als eine Tortenspritze, sagt Steve Amthor lachend.

Zwölf Etagen Gerüst führen zu seinem Arbeitsplatz, hinauf auf das Dach des Ostpavillons der Coburger Ehrenburg.
Seit Mai sind die beiden Pavillons, die den dreiflügeligen Teil des Stadtschlosses zum Schlossplatz hin abschließen, eingerüstet. Zunächst, so erläutert Markus Schnapp, wurden erst einmal alle Schäden an den Pavillons kartiert, anschließend die Arbeiten deutschlandweit ausgeschrieben. Den Auftrag erhielt eine Fachfirma aus dem Raum Erfurt, die langjährige Erfahrung mit der Restaurierung von Denkmälern hat. Die Steinmetze seien nun seit gut vier Wochen dabei, den Sandstein abzuwaschen und die Pavillons von oben nach unten zu sanieren, berichtet Schnapp. Rund ums Dach seien die Schäden am Schlimmsten, weil dieser Bereich dem Regen am Prominentesten ausgesetzt sei. Wobei die Dächer selbst in relativ gutem Zustand seien, wie Sachgebietsleiter Richard Hauck ergänzt. Sie seien zum Teil in den 70er Jahren repariert worden, an manchen Stellen erst vor ein paar Jahren.

Silikon hält seit 40 Jahren

Die steinernen Lilien entlang der Dachkante und die schlanken Ecktürmchen allerdings erfordern die ganze Aufmerksamkeit der Spezialisten. Hier gibt es zahlreiche Risse und Abplatzer, denn das Material, mit dem in den letzten Jahrzehnten ausgebessert wurde, hielt nicht immer gut auf dem Untergrund. Die Silikonabdichtung allerdings begeistert Richard Hauck. "Das Silikon ist noch richtig elastisch, obwohl es schon seit 40 Jahren im Stein ist. Das kriegt man heute nicht mehr so hin."

Ein Stockwerk tiefer ist einer von Amthors Kollegen gerade damit beschäftigt, die steinernen Säulen zu modellieren und nachzugravieren. Dies ist notwendig, damit man die Konturen später auch vom Boden aus gut erkennen könne. Insgesamt soll die Fassade aber nach Abschluss der Arbeiten ruhiger aussehen. Deshalb werde als Finish noch eine Lasur aufgetragen, um die Farbe des Sandsteins anzugleichen, erklärt Schnapp.

Rechtzeitig zum Frost

Zunächst sollen aber erst einmal die Ecktürmchen auf dem Dach fertiggestellt werden. Dann können die kleineren Gerüste abgebaut werden und rechtzeitig zum Beginn der frostigen Jahreszeit kann dann auch die beheizte Dachrinne wieder in Betrieb genommen werden, die hinter der Lilien-Reihe rund ums Dach verläuft.

Bis die beiden großen Gerüste abgebaut werden, ist aber noch etwas Geduld gefragt - "Mitte 2015 wird es werden", schätzt Hauck. Fertig ist die Ehrenburg dann aber noch lange nicht. Schnapp: "In den nächsten Jahren soll die gesamte Fassade gemacht werden."