Hinten, am Ende des Ausstellungsraumes, schwebt sie über allem: die Trophäe für die Gewinner des Max-Oscar-Arnold-Kunstpreises. "Da steht sie, für unsere Sieger-Typen", sagt Museumsleiter Udo Leidner-Haber, während er mit seinem Team die neue Sonderausstellung im Museum der Deutschen Spielzeugindustrie vorbereitet. Zu sehen sind dort "Sieger-Typen" in einer bisher noch nie dagewesenen Zusammenstellung.

Die 30 Exponate, die den Besucher des Puppenfestivals erwarten, sind zwar nicht zwangsläufig Gewinner beim Arnold-Kunstpreis, aber dennoch irgendwie alle "Sieger-Typen". Sie bilden gemeinsam eine hochkarätige Sammlung, bei der alle Stücke eines gemeinsam haben: Sie wurden als eingereichte Objekte für den Arnold-Kunstpreis von der Stadt Neustadt angekauft.

Beim Rundgang durch die Ausstellung gerät Udo Leidner-Haber, der die 30 Puppen alle eigentlich mehr als gut kennt, dann doch immer wieder ins
Schwärmen: "Material, Stil, Herkunftsland - die Vielfalt ist wirklich außergewöhnlich." Die Puppen kommen aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Kroatien und Korea.

Manch eines der Ausstellungsstücke ist mit dem Laienverständnis von einer einfachen Puppe nur noch schwer in Einklang zu bringen. "Stein auf meiner Brust", zum Beispiel - eine eineinhalb Meder lange Filzfigur mit, was sonst, einem Stein auf der Brust. Wieviel Arbeit aber in so einem Stück steckt, erkennt man nur, wenn man gemeinsam mit dem Museumsleiter davor steht. Der erklärt dann: "In einem Stück gefilzt. Das ist mit einem unglaublichen Aufwand verbunden."

30 Puppen in 20 Jahren

Welche Stücke aus dem Kunstpreis jedes Jahr von der Stadt angekauft werden, entscheidet ein extra dafür eingerichtetes Gremium. "Ich bin da nur ein kleines Licht", wiegelt Leidner-Haber, auf seinen Anteil an den Kaufentscheidungen angesprochen, aber gleich ab. Es seien mehrere Leute am Ankauf der Stücke beteiligt. Für die Künstler - erst recht, wenn sie ohne Preis vom Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis nach Hause gefahren sind - ist der Ankauf eine gewisse Auszeichnung. "Der überwiegende Teil der Künstler war sofort bereit, uns die Exponate zu verkaufen", erklärt der Museumsleiter. 30 Ausstellungsstücke kamen so in den zwei Jahrzehnten des Arnold-Kunstpreises zusammen.

Die Exponate spiegeln die "bewegte Szene" (Leidner-Haber) der Puppenkunst wider. Die frechen Gören von Wolf Gormann, sie spitzen hinten aus einer Ecke des Ausstellungsraumes hervor, waren Mitte der 90-er Jahre mit ihren zerrissen Jeans und ihrer Lebensnähe absolut außergewöhnlich. "Das war die Zeit, zu der andere Künstler liebliche Püppchen mit netten Löckchen gestaltet haben", erinnert sich Udo Leidner-Haber.

Als die Koreaner kamen

Inzwischen gibt es wieder neue Trends. Der Leiter des Museums der Deutschen Spielzeugindustrie hat schon einen großen Teil der eingereichten Puppen zum Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis gesehen und freut sich bereits auf das bald kommende Puppenfestival: "Das Experimentelle, das in den vergangenen Jahren ein bisschen rückläufig war, scheint wieder im Kommen zu sein."

International hat das Puppenfestival in Neustadt sowieso einen sehr guten Ruf, sagt Leidner-Haber. So sind heuer sogar Ausstellungsstücke aus Japan und Rußland eingereicht worden. Auffällig an der Sonderausstellung der "Sieger-Typen" ist dagegen die starke Präsenz koreanischer Puppen.

Diese hat ihren Grund darin, dass anlässlich des Puppenfestivals schon einmal eine Sonderausstellung mit ausschließlich koreanischer Puppenkunst im Neustadter Museum zu sehen war. Weil die Puppenkünstler aus Fernost dadurch sowieso schon in Neustadt waren, reichten sie auch Puppen für den Arnold-Kunstpreis ein - und fanden offensichtlich die Zustimmung des Ankaufsgremiums für die städtische Sammlung.

Für die Eröffnung der Sonderausstellung der "Sieger-Typen" hat Udo Leidner-Haber natürlich auch die "Mütter und Väter" der 30 ausgestellten Puppen eingeladen.

"Ich denke, sie werden sich über diese Ausstellung freuen", sagt der Museumsleiter. Denn so viel Raum, so viel Detailbesessenheit in der Präsentation wie jetzt wird den Künstlerpuppen heutzutage nur selten zuteil. Nicht einmal in einem Puppenmuseum.


Das Puppenfestival & und die Ausstellung

Sonderausstellung Die Ausstellung der "Sieger-Typen" ist ab dem Freitag, 23. Mai, im Museum der Deutschen Spielzeugindustrie am Hindenburgplatz zu sehen. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Juli.

Puppenfestival Die offizielle Eröffnung des 23. Internationalen Puppenfestivals findet am Sonntag, 25. Mai, um 16 Uhr auf dem Marktplatz statt. Rund um die Bühne auf der Marktplatz gibt es dabei den ganzen Tag - von 11 bis 22 Uhr - ein abwechslungsreiches musikalisches Unterhaltungsprogramm.

Kunstpreis Die Verleihung der Max-Oscar-Arnold-Kunstpreise findet am Mittwoch, 28. Mai, um 19 Uhr im großen Sitzungssaal des Neustadter Rathauses statt.