Mit schlimmen Verdächtigungen und einer Verhaftung endete der Au-pair-Aufenthalt einer jungen Frau aus dem Landkreis Coburg in den USA. Die 23-Jährige soll ein Kind, um das sie sich kümmern sollte, misshandelt haben. Ein Vorwurf, der sich in Luft auflösen wird, wie ihre Eltern überzeugt sind.

Die Mutter der jungen Frau erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass der in den USA eingeschaltete Anwalt sehr sicher ist, dass sie nach der Gerichtsverhandlung, die Anfang Januar stattfinden soll, nach Hause zurückkehren darf.

Im US-Bundesstaat Massachusetts wurde die 23-Jährige von den Medien unterdessen regelrecht an den Pranger gestellt. Zeitungen und Fernsehsender berichten unter Nennung des vollen Namens über den Vorfall. Der Vater der Familie, bei der sie als Au-pair lebte, behauptet, er habe Veränderungen im Verhalten seiner Kinder wahrgenommen, seit die Deutsche in der Familie lebt. Daraufhin habe er versteckte Kameras installiert. Ein Video soll zeigen, wie die junge Frau einen Dreijährigen an der Schulter schüttelt, der dann zu Boden stürzt.

Wie die Mutter der jungen Deutschen berichtet, sei die Aufnahme am Vormittag des vergangenen Dienstags entstanden. Am Nachmittag sei der Vater bereits mit der Polizei in die Wohnung gekommen. Ohne sich zu den Anschuldigungen äußern zu dürfen, sei die junge Frau in Handschellen abgeführt worden. "Da wird eine Lappalie vollkommen aufgebauscht", ist die Mutter sicher. Ihre Tochter arbeitete in Deutschland bereits in mehreren Einrichtungen mit Kindern und auch mit Behinderten.

Überall seien ihr nur die besten Zeugnisse ausgestellt worden. "Keiner, der sie kennt, glaubt im Entferntesten, dass sie so etwas tun würde", sagt die Mutter. Die US-Behörden stellten den Pass der Frau sicher. Sie lebt jetzt bei einer Dolmetscherin, die für den Au-pair-Dienst arbeitet, über den sie nach Massachusetts gekommen ist. Die Dolmetscherin ist Deutsche und inzwischen in den Staaten verheiratet. Gegenüber der Mutter der 23-Jährigen zeigte sie sich nach deren Auskunft zuversichtlich, dass die Vorwürfe vor Gericht aus der Welt geschafft werden können - das sei auch die Ansicht des Anwalts.

Die 23-Jährige schilderte ihrer Mutter den Vorfall aus ihrer Sicht. Von Anfang an habe es mit dem Kind ständig Probleme gegeben. Es habe in der fraglichen Szene erneut herumgeschrien. Als sie es an der Schulter rüttelte, habe es sich auf den Boden geworfen und dort weiter geschrien. Sie habe darauf hin kurz den Raum verlassen, um sich zu sammeln. Dann sei sie zurückgekehrt, dabei über die Füße des Kindes gestiegen, habe sich aber vor ihm niedergekniet und seine Hände genommen, um es zu trösten. Ob diese Szene auch auf dem Video zu sehen ist, das als Beweis gegen sie vorgelegt wird, ist nicht bekannt.