Jetzt mal nicht übertreiben. Zum Gewinner der Corona-Krise würde Geschäftsführer André Baumann die Firma Verpa nicht gleich hochjubeln. Aber er sagt: "Wir sind besser durch die schwierige Zeit gekommen als viele andere Branchen." Insbesondere deshalb, weil Kunststoffverpackungen seit der Corona-Krise, die auch eine Hygienekrise war, von der Öffentlichkeit wieder ein bisschen anders wahrgenommen werden. "Verpacken macht Sinn. Und fürs Verpacken braucht man Folie" - so was dürfe man jetzt wieder sagen. Sagt Baumann.

Natürlich müssen die Baumänner so was sagen, sie stehen schließlich an der Spitze beim Marktführer der Branche der Kunststoffverpackungen. Weil sie es - Reizwort: Plastikmüll - gewohnt sind, sich und ihre Arbeit rechtfertigen zu müssen, sind sie von Natur aus gut vorbereitet. Susanne Baumann muss nicht lange suchen, um aus einer Markterhebung zitieren können: "Würde man sämtliche Kunststoffverpackungen durch gängige Alternativen ersetzen, wäre der jährliche Müllberg 2,7 mal so groß wie bisher." Wo es derzeit freilich der Hygiene-Faktor ist, mit dem Folien wie das seit 40 Jahren als Marke stehende "Verpalin" punkten. "Die Menschen finden es plötzlich wieder gar nicht mal so schlecht, dass ihr Salat oder ihre Gurke verpackt ist", weiß André Baumann, der sich und sein Produkt aber absolut nicht nur auf den Hygiene-Aspekt festnageln lassen will. "Man darf auch die verlängerte Haltbarkeit nicht vergessen" - das betont er ausdrücklich.

Die Entwicklung bei Verpackungen ist enorm

Kunststoffverpackungen haben einen großen Vorteil: Sie sind dünn. "Nur noch unter zehn My stark", weiß André Baumann, können inzwischen die Obsttüten in den Supermärkten sein. Das sind 0,01 Millimeter, viel dünner gehe es aus technischer Sicht wohl auch künftig nicht, sagt der Verpa-Chef. Aber selbst bei den stabilen Verpackungen, zum Beispiel bei Gebinden mit sechs 1,5-Liter-Flaschen Limonade, ist die Entwicklung enorm. Waren es vor ein paar Jahren noch 60 My starke Folien, so sind diese inzwischen bei 26 My angelangt. "Pro Sixpack sieben Gramm Verpackung", weiß der Geschäftsführer, ohne nachschauen zu müssen.

Aber natürlich weiß auch André Baumann, wohin sich die Gesellschaft entwickelt. "Was der Umwelt am meisten hilft: Wenn insgesamt weniger verbraucht wird", sagt Baumann. Um Ressourcen zu schonen, strebt man bei Verpa geschlossene Kreisläufe an. Bei einem schwedischen Autohersteller klappt das schon: Dort werden Fahrzeugteile korrosionsfest eingepackt, im belgischen Werk wieder ausgepackt und die Folie geht danach komplett zu Verpa. Dort wird sie geschreddert und zum Ausgangsstoff für neue Verpackungen. Um beim Recycling erfolgreich zu sein, sollten Verpackungen möglichst aus nur einem Rohstoff bestehen. "Monostruktur" nennt man das, erklärt der Verpa-Geschäftsführer. Solche Produkte sind voll im Trend, weshalb in ganz Europa Bestrebungen laufen, dafür eine geschlossene Wiederverwertungsstruktur hinzukriegen.

Jetzt neu: Verpa Healthcare

Der Einmarsch des Coronavirus hat dem Weidhäuser Familienunternehmen eine neue Unternehmenssparte beschert: Verpa Healthcare. Da hat alles im Frühjahr bei einer Krisensitzung im bayerischen Wirtschaftsministerium angefangen. Für Verpa (bereits da als systemrelevant eingestuft) war André Baumann in München, als es um den dramatischen Engpass für Schutzmasken ging. In Weidhausen konnte da geholfen werden, weil Kunststoffverpackungen und Mund-Nasen-Schutz technisch gar nicht mal so weit auseinanderliegen. Was in beiden Fällen bei der Produktion gefragt ist, sagt André ganz gelassen: "Kunststoff sowie Maschinen- und Schweißtechnik. Und da sind wir Profis." Gewusst, gemacht - jetzt läuft im Werk Gunzenhausen eine komplette Fertigungslinie für Schutzmasken. Rund 500000 Stück können pro Tag hergestellt werden.

Nur das Logo, das fehlt noch

Für Susanne Baumann sind die Masken derzeit das absolute Lieblingsprojekt. Vergangene Woche ist sie in Schulen des Coburger Landes unterwegs gewesen und hat dort pro Einrichtung 1000 Masken zur Verfügung gestellt. Das Feedback freut sie tierisch: "Wir haben hier eine tolle Sache geschaffen, die super ankommt." Gerade der Aspekt, dass auf den Masken "Made in Germany" (wobei André Baumann lieber "Made in Franken" sagt) steht, scheint bei den Nutzern das Gefühl der Sicherheit und der Qualität zu wecken. "Offensichtlich mehr, als wenn sie irgendwo aus China importiert werden", erzählt Susanne Baumann aus ihren jüngsten Gesprächen. Eine Sache, bei der muss André Baumann aus eigenem Antrieb heraus unbedingt noch eine Lösung finden: Dass das Verpa-Logo auf den Masken fehlt, gefällt ihm gar nicht. Denn die Zeit von Mund-und-Nasen-Schutz ist noch lange nicht vorbei, vermutet André Baumann: "Krankenhäuser, Altenheime, öffentliche Gebäude - da wird das Maskenthema noch eine ganze Zeit lang eine Rolle spielen."