Das Szenario glich einer Völkerwanderung. "Mit 500 bis zu 1000 Besuchern hatten wir ja gerechnet", sagt Ilse Preß, die während der Bauarbeiten die Aufgabe der Mineur-Schutzheiligen Barbara als Tunnelpatin übernommen hatte. "Vom Inte resse der Bürger bin ich überrascht." Am Samstag informierten sich Einwohner und Bahnfans über den Baufortschritt am Tunnel Feuerfelsen und entlang der Neubaustrecke. Am Ende des Tages waren es nach Schätzungen der Bahn so an die 3000. Sie kamen nicht nur aus Rödental oder dem Coburger Land, sondern aus den Nachbarlandkreisen Sonneberg, Lichtenfels und Kronach. Eine Familie aus Neuhaus am Rennweg war auf der Schiene angereist. Und radelte weiter bis zum Kiengrund über die Neubautrasse.

Der "Bürgerwandertag" fordert Ausdauer. Rund fünf Kilometer Strecke sind zu absolvieren, um von der als Parkraum genutzten Ortsverbindungsstraße über den Abstieg zum künftigen Überholbahnhof zum Nordeingang des Tunnelprojektes Feuerfelsen und weiter bis zur Kientalbrücke auf Schusters Rappen zu bewältigen. Gewiefte hatten ihr Fahrrad mitgebracht.

Das DB-Sicherheitskonzept

"Sollte im Alltagsbetrieb ab Ende 2017 etwas Außergewöhnliches passieren, hat die Deutsche Bahn mit einem umfangreichen Sicherheitskonzept vorgesorgt", erläutert der verantwortliche Projektingenieur Arno Kryszohn. Das gelte insbesondere für die 22 Tunnel entlang der bei Ebensfeld im Maintal von der Bestandsstrecke Bamberg-Lichtenfels abzweigenden 105 Kilometer Neubaustrecke bis zum Eisenbahnknoten in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt.

Grundsätzlich sieht das DB-Sicherheitskonzept bei Tunnellängen bis zu 1000 Metern eine Rettung über die Tunnelportale vor. Der Feuerbergtunnel misst vom Süd- bis Nordportal 1034 Meter. Deshalb waren weitere Zugänge für Feuerwehr und Sanitätsdienst erforderlich. Mit Zufahrt zum 65 Meter entfernten Rettungsplatz mit Hubschrauberlandemöglichkeit über das öffentliche Straßennetz. Zwischen den Gleisen eingebrachte schienenhohe Platten - sie dienen zusätzlich dem Schallschutz - ermöglichen die Befahrbarkeit mit Einsatzfahrzeugen. Im "Ereignisfall" trennen feuerhemmende und rauchdichte Schleusen den Fahrtunnel von den Rettungswegen.

Abwechselnd weiße und blaue Leichtröhren erhellen für Besucher den Tunnelboden entlang der Innenschale. Nur das monotone Arbeitsgeräusch einer Saugpumpe durchbricht die Stille. "Im Tunnelinneren herrscht konstant eine angenehme Temperatur von 12 bis 15 Grad", erläutert Projektleiter Dieter Thormann. Als Besonderheit erwähnt er den bergmännischen Vortrieb für die 12 Meter hohe und 14 Meter breite Röhre, die im Endstadium noch einen lichten Querschnitt von 101 Quadratmetern aufweist. "Wegen der darüber laufenden Autobahn und nur acht Metern Überdeckung zum Höhenrücken waren in der Sandsteinformation Sprengungen für fast 250 000 Kubikmeter Ausbruchsmasse untersagt." Wenn alles fertiggestellt ist, können die Züge nach Streckeninbetriebnahme die Röhre mit bis zu 300 km/h durchfahren. Für die 1034 Meter benötigt der Triebwagen dann rund 13 Sekunden.

Baustellenquiz

Beim Baustellenquiz waren Fragen zur Neubaustrecke zu beantworten. Kinder konnten sich mit der Baustellen-Symbolfigur Max Maulwurf im Tunnel fotografieren lassen und das Erinnerungsfoto gleich abholen.