"Es waren Bilder des Schreckens", sagt Martin Hoffmann von der BRK-Bereitschaft Rödental-Froschgrund. "Siloballen lagen im Wald, Bäume und Sträucher waren im oberen Drittel verfault, der Schaden in den Autohäusern und an den Autos war immens." Zusammen mit seiner Kollegin Eva Schellhorn half er im vergangenen Juni drei Tage lang fast rund um die Uhr, Opfer und Helfer des Hochwassers zu versorgen.

"Ich bin gelernter Koch und habe den ganzen Tag in der Küche gestanden und Essen zubereitet", erzählt er. In einem Sprinter transportierte Eva Schellhorn mit weiteren ehrenamtliche Helfern die Speisen zu den drei Ausgabestellen im Landkreis Deggendorf, wo an bereitgestellten Tischen und Bänken gemeinsam gegessen wurde. "Die Lage vor Ort hat mich sehr betroffen gemacht", sagt sie. "Eine Frau hat uns mit in ihr Haus genommen, das Wasser hatte dort hüfthoch gestanden. Die Schäden waren einfach unglaublich."

Dank von der Staatsregierung

Eva Schellhorn und Martin Hoffmann sind zwei von 24 Mitarbeitern, die vom BRK-Ehrenpräsidenten Heinz Köhler am Sonntagabend im Kongresshaus ausgezeichnet wurden. "Für ihre außergewöhnliche Hilfeleistung bei der Hochwasserkatastrophe in Bayern erhalten Sie Nadel und Dankesurkunde der bayerischen Staatsregierung und des Landtages", verkündete Moderator Bernd Seifert vom BRK-Kreisverband Coburg. Politiker und Ehrengäste nutzten den 150. Geburtstag des Deutschen Roten Kreuzes, um die Mitarbeiter des BRK-Kreisverbandes für ihre "weit über die pflichtgemäßen Aufgaben hinaus gehenden Leistungen" und ihre Treue zum Verband auszuzeichnen.

"Gäbe es das Rote Kreuz nicht, müsste es sofort neu erfunden werden", sagte Heinz Köhler. Wer über Rettungsdienst oder Blutspenden spreche, denke zuerst an das Rote Kreuz. "Der Oberste Rechnungshof hat kürzlich errechnet, dass die Krankenkassen jährlich 50 Millionen Euro durch die Organisation des Rettungsdienstes über das BRK einsparen. Darauf können wir als BRK stolz sein und die Gemeinschaft der Versicherten dankbar."

Das Tageblatt hakte bei Kreisgeschäftsführer Jürgen Beninga nach. Was schultert der BRK-Kreisverband? "Der öffentlich-rechtliche Rettungsdienst wird ohnehin bereits zu 20 Prozent mit ehrenamtlichen Mitarbeitern abgedeckt", erläuterte er. "Wenn der an seine Kapazitätsgrenzen kommt wird ergänzend der ehrenamtlich erweiterte Rettungsdienst eingesetzt." Aktuelles Beispiel: das Glatteis in der vergangenen Woche. "Vier zusätzliche Fahrzeuge des erweiterten Rettungsdienstes waren im Einsatz, im öffentlich-rechtlichen Rettungsdienst hatten wir teilweise statt einem zwei Patienten an Bord." Ohne Extra-Einsatz von Ehrenamtlichen hätten die Menschen am Unfallort noch wesentlich länger auf ihre Versorgung warten müssen, sagte Beninga.

Die Vizepräsidentin der Regierung von Oberfranken, Petra Platzgummer-Martin, hielt einen Rückblick auf die vergangenen 150 Jahre. Der 31-jährige Henry Dunant habe 1863 den Grundstein für die Versorgung von Notleidenden und für Humanität gelegt, erläuterte sie. Im Hinblick auf die umstrittene Novellierung des bayerischen Rettungsdienstgesetzes, das auch Privatunternehmen die Möglichkeit bieten soll, in den Markt einzusteigen, sagte sie: "Private Anbieter haben nicht das Potenzial, Großschadenser eignisse zu bewältigen. Das Rote Kreuz ist mit seinen vielen ehrenamtlichen Helfern gewappnet für den Wettbewerb."

"Als Delegierter bei Auslandsreisen höre ich oft, dass nicht etwa die Bundeskanzlerin, sondern das Rote Kreuz das Beste sei, was geschickt wurde", sagte Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach (CSU). Er bezeichnete die Organisation als "große Familie", in der es ohne Ehrenamt nicht gehe. "Die soziale Situation geht heute weit über das hinaus, was man sich früher vorstellen konnte", sagte Landtagsabgeordneter Jürgen Heike (CSU) und appellierte an Ehren- und Hauptamtliche, weiter für "die Lebensqualität zu sorgen, die wir brauchen."

Schlagkräftiger Partner

Landrat Michael Busch (SPD) bezeichnete das BRK als "schlagkräftigsten und wichtigsten - wenn auch nicht einzigen - Partner" im gesamten Rettungswesen und Katastrophenschutz. Während Polizeidirektor Joachim Mittelstädt hoffte, die Herausforderungen der Nachwuchswerbung in Zeiten des demografischen Wandels auch in Zukunft bewältigen zu können, lobte Kreisbrandrat Manfred Lorenz das geschaffene Fundament. "Die 150 Jahre hat es wohl gebraucht, bis alle Räder ineinander gegriffen haben. Aber jetzt läuft es, weil wir miteinander reden und Freundschaften entstanden sind."

In einer Schweigeminute erinnerten sich die Mitglieder an den im Juli verstorbenen Altlandrat Karl Zeitler, der lange Jahre als Vorsitzender die Geschicke des Kreisverbandes leitete. Notarzt Martin Lücke begrüßte das Notfallsanitätergesetz, das im Januar in Kraft tritt: "Wir wollten eine dreijährige Ausbildung und kriegen die jetzt." Wer zurzeit im Rettungswesen tätig sei, werde sich nachschulen und einer Prüfung unterziehen müssen.

Die Geehrten

Dankurkunde und Nadel der Staatsregierung für außergewöhnliche Hilfeleistung bei der Bekämpfung der Hochwasserkatastrophe im Juni 2013 Frank Eske, Michael Stelzner, Christian Reißenberger, Manuela Heerlein, Matthias Kempf, Inno Mann, Sven Walter, Daniel Völler, Michael Wagner, Miriam Schmiedle, Uwe Voll, Michael Herpich, Rolf Hess, Walter Schönheit, Ingrid Schönheit, Christian Hoppe, Frank Schmidt, Martin Hoffmann, Eva Schellhorn, Johanna Fischer, Ralf Kolibius, Caroline Drescher, Philipp Köster und Bernd Walther.

DRK-Ehrennadel in Gold (50 Jahre) Bruno Heim, Walter Schönheit, Helga Bähr, Elfriede Janson, Horst Köhn, Ulrich Fugmann, Rainer Hein, Kurt Rauscher.

BRK-Ehrennadel
Silber (25 Jahre) Ingrid Schönheit, Detlef Endres, Robert Endres, Ursula Lorenz, Sabine Rauscher, Inge Holland, Marga Beyer und Oliver Wittmann.
Gold (40 Jahre) Gisela Fenski, Karl-Heinz Schelhorn und Werner Reiners-Kröncke.

BRK-Ehrenzeichen
Silber
Oliver Wittmann
Bronze Manuela Heerlein, Benjamin Curth, Jasmin Schultheis, Christian Reißenberger, Michael Dellert, Woldi Reißenweber und Norbert Tegge.