Die Pracht des Barockjuwels - sie ist nur zu erahnen. Gerüststangen bestimmen das Bild im Markgräflichen Opernhaus. "Zugegeben, der Charme ist etwas gedämpft", sagt Markus Söder. Bayerns Finanzminister ist an diesem Freitag nach Bayreuth gekommen, um im Foyerbau des Logentheaters ein Infozentrum zu eröffnen.

Immerhin, ein kleines Trostpflaster für Touristen und andere Interessierte. Denn die Oper selbst ist seit Oktober Baustelle, Arbeitsplatz für Restauratoren und eine Besichtigung über Jahre hinweg unmöglich. Das deprimiert vor allem die Bayreuther, hat ihr Barocktheater doch gerade erst im Sommer vergangenen Jahres von der Unesco den Status Weltkulturerbe erhalten.

Jetzt weist die Bayerische Schlösserverwaltung zumindest niemanden mehr ab, der an der Opernstraße in der Bayreuther Innenstadt Einlass begehrt.
Die nun konzipierte Ausstellung im Foyerbau samt 3D-Animation bietet den Besuchern umfassende Informationen zum frisch gekürten Welterbe und dessen Erhaltung. Und einen kleinen Blick auf die Baustelle gibt es obendrein.

Die Fürstenloge, die vor 265 Jahren zur Eröffnung des Opernhauses für das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine vorgesehen war, ist geöffnet und ermöglicht den Besuchern zumindest eine Vorstellung vom prachtvollen Interieur. Dafür sorgt schon die große vorgespannte Leinwand mit einer Panorama-Ansicht der Bühne. Ein paar Glasfenster geben sogar den Blick auf die Restaurierungsarbeiten frei. Vier Jahre sollen sie dauern, 19 Millionen Euro stehen dafür vom Freistaat bereit.

Holz wird mit Lösungsmittel abgetupft

Markgräfin Wilhelmine (1709-1758), Lieblingsschwester Friedrichs des Großen und Initiatorin des barocken Prachtbaus, hätte ihre Freude. Gilt es doch in den nächsten Monaten, den Originalzustand des Logentheaters aus der Mitte des 18. Jahrhunderts wiederherzustellen.

Für die Restauratoren heißt das vor allem: Arbeit mit Holz, denn der vom italienischen Stararchitekten Giuseppe Galli Bibiena entworfene Innenraum ist ganz aus Holz. Und weist ein Problem auf: "Der gesamte Raum ist in den 1950er und 60er Jahren mit öligem Holzschutzmittel behandelt worden", berichtet Matthias Staschull vom Restaurierungszentrum der Bayerischen Schlösserverwaltung in München. Er beaufsichtigt die Instandsetzung im Opernhaus. Seit Februar kommt er ungefähr zweimal pro Woche nach Bayreuth. Seitdem sind die Restauratoren am Werk. Zuvor wurden im ganzen Bau Gerüste und Absauganlagen installiert. Denn die originale Farbfassung ist nur Schritt für Schritt mit einem speziellen Lösungsmittel freizulegen.

Vorsichtig tupfen die Restauratoren auf mehreren Ebenen mit Latexschwämmchen das Holz ab. Sie pendeln Woche für Woche von München, Dresden oder Wittenberg zu ihrer aktuellen Arbeitsstelle im Bayreuther Opernhaus. "Wir sind in den ersten Monaten schon sehr gut vorangekommen", sagt Staschull. Alles werde dadurch heller und glanzvoller. "Wenn das Licht gedimmt wird, dann kriegen Sie hier später wieder eine unheimliche Leuchtkraft", freut sich Staschull.

Bevor es soweit ist, wollen die Sanierer noch ein entscheidendes Problem der Vergangenheit lösen. "Die Klimastabilität ist die Schlüsselfrage", sagt Staschull. Bis vor zwei Jahren sei das Opernhaus mit seiner alten Klimaanlage auch im Winter bespielt worden. Das hohe Gebäude wurde dabei stets aufgeheizt. "Zu trockene Luft ist Gift für Farbfassungen auf Holz", erklärt der Experte. Moderne Technik soll dies ab 2017 verhindern. Von November bis April wird es aber in Zukunft keine Aufführungen mehr geben.