Verzweiflung wegen Existenznot: Am Dienstag beschlossen Bund und Länder die Verlängerung des Lockdowns. Bis 14. Februar sollen alle Maßnahmen verlängert werden. Das bedeutet: Viele Geschäfte bleiben weiterhin geschlossen. 

Für den Einzelhandel ist das eine Katastrophe. "Das ist der siebte Monat ohne vollen Verdienst", erzählt Dawid Hilgers-Lehner inFranken.de. Er besitzt das Tattoo-Studio "Bunte Aussichten" in Bayreuth und startete jetzt die Aktion #ihrmachtunsnackt. Der stille, aber visuell laute Protest soll die Bundesregierung auffordern, mittelständische Unternehmen in Deutschland nicht zu vergessen. 

Nackt-Protest in Bayreuth: "Regierung lässt uns im Regen stehen"

Die Aktion habe er ins Leben gerufen, nachdem es in seinem Freundes- und Bekanntenkreis harte Schicksalsschläge gegeben habe. "Teilweise sind sie erst seit zwei Jahren selbstständig und durch die Corona-Krise pleite gegangen", sagt Hilgers-Lehner. Er selbst sei seit zehn Jahren selbstständig und wisse: So kann es nicht mehr weitergehen. "Die Regierung hat uns Unternehmer im Regen stehen lassen." 

Die November- und Dezemberhilfe sei erst gar nicht ausgezahlt worden, dann gab es im Januar die erste Abschlagszahlung von November. "Das sind acht Wochen ohne irgendein Einkommen", betont er. Dazu kommen die sieben Monate aus dem Vorjahr, in denen es keinen Verdienst gab. "Das kann selbst die beste Firma nicht mehr puffern." So viele Rücklagen könne man gar nicht haben, so Hilgers-Lehner. 

"Das Versprechen von leichter und unbürokratischer Beantragung von Hilfe stimmt einfach nicht", sagt er. Während es seitens der Regierung viele Ausreden gebe, sitzen die Mittelständler auf heißen Kohlen. "Wir brauchen endlich die Hilfen, die uns von Anfang an versprochen wurden." Wenn sich nichts ändere, könnte jedes zweite Gewerbe bis Mai Insolvenz angemeldet haben. "Wie soll es nach dem Lockdown weitergehen, wenn es vorne und hinten an Gewerbesteuer fehlt, weil ein großer Teil der Geschäfte nicht mehr existiert?"

#ihrmachtunsnackt: Einer für Alle

Hilgers-Lehner stellt klar: "Ich mache die Aktion für alle." Es gehe ihm nicht um Mitleid, sondern darum, dass endlich Hilfe für die mittelständischen Unternehmen kommt. Er wolle auch nicht zur Hetze, oder zu Demonstrationen auf der Straße aufrufen. "Corona ist Realität, darum geht es nicht." Deswegen sei seine Aktion visuell laut und fände auf den sozialen Medien statt. "So erreiche ich viele Menschen - von zu Hause." #ihrmachtunsnackt soll helfen und warnen - bevor es zu spät ist. 

Die Corona-Krise trifft auch die Süßwarengeschäfte hart: Die Fachhändler Hussel, Eilles und Arko haben nun vorläufig Insolvenz angemeldet. Deutschlandweit gibt es 300 Filialen - 19 davon in Franken.