Schnabelwaid
Trotz Schülermangel

Drohende Schließung verhindert: Grundschule bleibt nun doch bestehen

Die Grundschule Schnabelwaid im Landkreis Bayreuth sollte ursprünglich geschlossen werden. Der Grund: Akuter Schülermangel. Die CSU-Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer hat jetzt jedoch gute Neuigkeiten für die kleine Schule.
 
Schulen und Kindertagesstätten in Bayern sind ab Montag geschlossen. Nur noch Notfälle dürfen dort betreut werden.  Symbolbild: Friso Gentsch/dpa
Die Grundschule Schnabelwaid sollte wegen Schülermangels geschlossen werden. Nachdem sich bereits einige Politiker zu Wort gemeldet haben, hat Landtagsabgeordnete Brendel-Fischer nun erfreuliche Nachrichten aus dem Kultusministerium erhalten. Symbolbild: Friso Gentsch/dpa

Wegen akuten Schülermangels sollte eine der kleinsten Schulen Bayerns, die Grundschule Schnabelwaid im Landkreis Bayreuth, geschlossen werden. Sowohl die Bundestagsabgeordnete Annette Kramme als auch der Bayreuther Landrat Florian Wiedemann haben sich bereits für den Erhalt der Grundschule eingesetzt. Die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer hat sich ebenfalls um den Fortbestand der Schule bemüht – mit Erfolg. 

Update vom 26.08.2020: Grundschule Schnabelwaid bleibt bestehen – Kultusministerium gibt Ressourcen frei 

Überraschende Kehrtwende: Das bayerische Kultusministerium stimmt einer Sonderlösung für die Grundschule Schnabelwaid für das Schuljahr 2020/2021 zu. Der kleine Schulstandort bleibt somit auch im kommenden Schuljahr gesichert – trotz Schülermangels. Das geht aus einer Pressemitteilung aus dem Abgeordnetenbüro von Gudrun Brendel-Fischer vom Mittwoch (26. August 2020) hervor. 

Die Landtagsabgeordnete Brendel-Fischer hat demnach aus dem Ministerbüro erfahren, dass die Schule auch im Schuljahr 2020/2021 wie gewohnt bestehen bleibt. Die „Schüler-Delle“ betreffe nur das kommende Jahr. Da es bereits ab 2021/2022 laut Prognosen wieder aufwärts gehe, werden vom Kultusministerium die entsprechenden Lehrerressourcen bereitgestellt. 

„Damit wird deutlich, dass Bayern zur Standortgarantie für kleine eigenständige Grundschulen steht und sich offen für temporäre Zwischenlösungen zeigt“, betonte Brendel-Fischer. Nach Bekanntmachung der angedachten Schulschließung Mitte August hatte sich die Landtagsabgeordnete an Kultusminister Michael Piazolo gewandt.  

Brendel-Fischer sei durchaus bewusst, dass die mutigen Investitionen der Gemeinde Schnabelwaid in Sachen Baulanderschließung und Stärkung der vorschulischen Einrichtungen mit dem Erhalt des Schulstandortes eng verflochten seien. 

Update vom 25.08.2020: Landrat Wiedemann kritisiert Staatsregierung: Schließung sei "nicht nachvollziehbar" 

Nachdem sich in der vergangenen Woche bereits die Bundestagsabgeordnete Anette Kramme zur Schließung der Grundschule Schnabelwaid geäußert hat, meldet sich nun der Bayreuther Landrat Florian Wiedemann (Freie Wähler) zu Wort. Dabei wendet er sich in einem Schreiben an den bayerischen Kultusminister Michael Piazolo und drückt sein Unverständnis für die Schulschließung aus. 

"Die getroffene Entscheidung, die Grundschule Schnabelwaid - wenn auch nur für ein Jahr - wegen zu niedriger Schülerzahlen zu schließen, ist in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehbar", wird Wiedemann in der Pressemitteilung des Landratsamtes Bayreuth zitiert. Demnach könne er die Empörung der betroffenen Eltern, der Lehrer und der Bürgerschaft der Gemeinde Schnabelwaid "gut verstehen, da sie in unzumutbarer Weise überaus knapp vor Schulbeginn vor vollendete Tatsachen gestellt wurden." 

Zudem sieht er das Argument, dass sich die Schulschließung nur auf ein Jahr begrenzt, kritisch. Mögliche Schulwechsel der Kinder können für Unannehmlichkeiten sorgen, einem pädagogisch erfolgreichen Unterrichtsgeschehen könne das "nicht zuträglich sein." 

Des Weiteren merkt er an, dass Grundschüler aufgrund der aktuellen Corona-Situation ohnehin stark psychisch leiden. Die Entscheidung, die Schule zu schließen durchkreuze außerdem "die Vorgaben der Behörden zur Eindämmung der Corona-Pandemie", was der Bürgerschaft "nicht zu vermitteln" sei. 

Abschließend bat er Piazolo darum, "alles, was notwendig ist, zu tun, um den Erhalt der Grundschule zu sichern." Schon in wenigen Wochen beginnt das neue Schuljahr in Bayern. Eine Reaktion seitens des Ministeriums angesichts der kritischen Stimmen aus Bayreuth bleibt abzuwarten. 

Update vom 19.08.2020: Kramme hält Schulschließung in Zeiten von Corona für "falsches Signal" 

Die Bayreuther Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin Anette Kramme hat sich an den bayerischen Kultusminister Michael Piazolo und an die Regierungspräsidentin von Oberfranken Heidrun Piwernetz gewandt und um Unterstützung bei der Aufrechterhaltung des Grundschulbetriebes in Schnabelwaid gebeten. Dies geht aus einer Pressemitteilung der SPD-Politikerin vom Mittwoch (19. August 2020) hervor.

„Mir ist zwar bewusst, dass die Schülerzahlen in der Grundschule Schnabelwaid nach den bayerischen Richtlinien derzeit keine Weiterführung des Schulbetriebes rechtfertigen. Allerdings haben wir derzeit auch komplett andere Voraussetzungen", betonte Kramme. "Die Corona-Pandemie fordert den Schulen ein hohes Maß an verschiedenen Hygiene-Maßnahmen und Abstandsregelungen ab, so dass ich der Überzeugung bin, dass es im Falle Schnabelwaids eine Ausnahmegenehmigung geben sollte." In der jetzigen Situation müsse der Schutz der Gesundheit der Lehrkräfte und Schüler sowie aller am Schulleben Beteiligten sichergestellt sein und Vorrang gegenüber Richtwerten haben.

Als Folge der Schließung müssten alle Schnabelwaider Grundschüler in der Nachbargemeinde Creußen unterrichtet werden. "Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie halte ich dies für problematisch", gab Kramme zu bedenken. In Schnabelwaid könnten die Mindestabstände leicht eingehalten werden. Nach der Wiedereröffnung der Schulen habe man in Schnabelwaid auch direkt zum Regelbetrieb zurückkehren können. Ein Wechsel- oder Schichtsystem wie an anderen Schulen habe es nicht gegeben.

"Die Situation an der Grundschule in Creußen würde sich hingegen verschärfen", vermutete die Parlamentarische Staatssekretärin. "Nachdem die Schülermindestzahl für das Jahr 2021/22 laut Prognose wohl wieder erfüllt wird, halte ich die beabsichtigte Schließung für ein falsches Signal“, so Kramme.

Erstmeldung vom 18.08.2020: Zu wenige Schüler: Grundschule Schnabelwaid muss schließen

In einer der beiden Schulklassen sei die Mindestanzahl an Schüler nicht erreicht worden, sagt Florentino Mayer, Leiter der Grundschule, zur Deutschen Presse-Agentur. "Das Minimum für eine Klasse sind 13 Schüler, im kommenden Schuljahr wären in der Kombiklasse 3/4 nur neun Schüler", so Mayer.

"Wir sind eine der kleinsten Schulen Bayerns", heißt es auf der Schulhomepage

Allerdings habe er für das kommende Schuljahr Hoffnung, dass die Schließung nur ein Jahr andauere. "Sehr gut" sehe die Prognose aus, betont er. "Wir von der Schule haben alles getan, um die Grundschule zu erhalten", sagt Mayer der dpa. Ein entsprechender Antrag zur Weiterführung der Schule liege der Staatsregierung vor. 

Zum Vergleich: Im vergangenen Schuljahr gab es an der Grundschule Schnabelwaid zwei Schulklassen mit rund 30 Schülern. In der Corona-Krise sei die kleine Anzahl an Schülern ein Vorteil gewesen, da man die Abstandsregeln habe einhalten können. 

In Zukunft müssen die Schüler in den Bus steigen, um zum Unterricht zu gelangen. Laut Angaben von Mayer ist vorgesehen, sie in der Nachbargemeinde Creußen, ebenfalls im Landkreis Bayreuth, unterzubringen.