Fränkischer Fasching trifft auf aktuelle Politik: Die Kultsendung "Fastnacht in Franken" aus Veitshöchheim überrascht mit satirischen Spitzen und emotionalen Momenten.
Versinkt die Welt in Chaos und Wahnsinn, treibt es die Narren nach Veitshöchheim. Heuer weniger, um Markus Söder, Hubert Aiwanger und Co. besonders derbe einen einzuschenken. Sondern vielmehr, um sich auf das Miteinander in Deutschland und Europa zu besinnen, von einer bayerischen Bundespräsidentin Ilse Aigner zu träumen und natürlich ab und an fränkisch zu frotzeln. Neu dabei war 2026 bei Fastnacht in Franken die Forchheimer "Gaafergoschn".
Bei der Kultsendung "Fastnacht in Franken" darf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf der Suche nach Verbündeten durch den Märchenwald stapfen. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) - als Meerjungfrau verkleidet - reist per Rakete zum Mond, statt mit der Deutschen Bahn im Nirgendwo zu stranden. Und die Bayern dürfen darauf hoffen, als einziges von 16 Bundesländern übrigzubleiben, sollte Söders Traum von einem Überbundesland Bayern wahr werden.
So schön närrisch war Fastnacht in Franken 2026 aus Veitshöchheim
"Endlich ist wieder Fastnacht in Bella, Bella Frankonia. Hier fühl’ ich mich daheim", stimmt die a-cappella-Band Viva Voce in einen turbulenten Frankenfasching im BR Fernsehen ein. Fast vier Stunden lang heizen grandiose Tanzpaare, die famose Garde "Buchnesia", meisterliche Büttenredner wie Peter Kuhn und Kabarettisten wie die "närrische Putzfraa" Ines Procter den rund 600 Zuschauern in den Mainfrankensälen unweit von Würzburg ein.
Auch vor den Bildschirmen sind viele Menschen dabei. Durchschnittlich 2,9 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgen die Sendung, davon rund 1,8 Millionen in Bayern, wie der Bayerische Rundfunk (BR) mitteilte. Der Marktanteil lag demnach bei 45,4 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen sei die Prunksitzung die meistgesehene Sendung des Abends gewesen, hieß es. Die "Fastnacht in Franken" ist nach BR-Angaben seit den 1990er Jahren die erfolgreichste Sendung im BR Fernsehen.
Traditionell wird der Politik beim Fasching der Spiegel vorgehalten. Lieblingsopfer der Närrinnen und Narrhalesen sind zumeist Bayerns Ministerpräsident Söder (CSU) und sein Stellvertreter Aiwanger (Freie Wähler). Der Wirtschaftsminister stürzt sich als "Pelztierjäger" oder "Trapper" ins Faschingsgetümmel, angeblich mit echtem Biberfell. Söder verkörpert den schottischen Widerstandskämpfer William Wallace. Die flotte Witwe Mariechen (Volker Heißmann) rät ihm, vorsichtig zu sein, schließlich sei "Braveheart" irgendwann aufgehängt worden.
Altneihauser Feierwehrkapell'n feiert Abschied von Fastnacht in Franken
Die Altneihauser Feierwehrkapell'n nimmt den CSU-Chef Söder als "Kanzler zweite Wahl" aufs Korn. Den Kabinettsmitgliedern hält Kommandant Norbert Neugirg vor: "Minister mit und ohne Schimmer / jedes Jahr wird's schlimmer. / Und man glaubt es nie und nimmer / der Söder ist's noch immer. / Stabil für Bayerns Geschicke / wie eine Dresdner Elbe-Brücke."
Bei Musikkabarettist Matthias Walz aus Unterfranken springt das Publikum von den Stühlen, als er den Wiesn-Hit "Sweet Caroline" von Neil Diamond mit dem singenden CSU-Chef Söder einspielt. "Da hat einer das richtige Konzept – singen statt regieren", konstatiert der selbst ernannte "böse Mann am Klavier".
Söder, vielfach kritisiert für derartige PR-Aktionen in sozialen Medien, dürfte Genugtuung empfinden - das Volk tobt bei der meistgesehenen Sendung im Bayerischen Fernsehen. Die Show ist die Prunksitzung des Fränkischen Fastnacht-Verbands.
Markus Söder kommt als Braveheart nach Veitshöchheim
Als Walz schließlich bei der Livesendung die "Großmachtfantasien" des Landesvaters aus Nürnberg anspricht, der über die Fusion von Bundesländern nachdenkt, sehen auch die Feierwütigen im Saal Deutschland von weiß-blauen Rauten überzogen. "Bist du nicht Bayern, dann kommst du weg", prophezeit Walz den "Länderfinanzausgleichsschmarotzern". "Bayern, das wird niemals untergehen, euch andre brauch' ma nicht."
Ansonsten arbeiten sich die Beteiligten auf der liebevoll geschmückten Bühne vor allem am weltpolitischen Chaos mit seinen irrlichternden Figuren ab. "Die größten Märchenerzähler / frei heraus / sitzen im Kreml und im Weißen Haus", reimt Märchenonkel Peter Kuhn im Sessel sitzend.
Vor allem an "Trumpel-Stilzchen" in Washington lässt der wortgewaltige Büttenredner kein gutes Haar. "Heute back' ich, morgen zoll' ich / heute bock' ich, morgen schmoll' ich / übermorgen hol' ich mir rasant / einen Diktator oder gleich ein ganzes Land. / Ach wie gut / dass jeder weiß / dass ich auf Recht und Ordnung scheiß'." Anfang Januar hatten die USA unter US-Präsident Donald Trump bei einem Angriff auf Venezuela Staatschef Nicolás Maduro und dessen Ehefrau gefasst und außer Landes gebracht.
"Das Beste beim Frankenwein ist die Flasche"
Emotional wird es schließlich, als sich die grandiose Altneihauser Feierwehrkapell'n aus dem Oberpfälzer Land zum 20. Mal ins fränkische Haifischbecken wagt. "Viele Sitzungen haben Sie uns versaut", blafft Sitzungspräsident Christoph Maul dem Chef der Kampftruppe, Neugirg, entgegen. "Sie werden ja zukünftig gebraucht Zuhause in der Oberpfalz zur Abschreckung der Wölfe - akustisch und mit ihren Ausdünstungen."
Neugirg, der erwartbar gegen das Frankenland austeilt ("Das Beste soll beim Frankenwein / bekanntlich ja die Flasche sein"), wird ungewöhnlich sentimental. "Sie werden mir fehlen. Adieu, sagt die Mannschaft und der Kommandant." Singend verspricht die Zwölf-Mann-Kompanie: "In Gedanken / sind wir in Franken / und wir sagen frank und frei. / Wir war'n in Franken / 20, 20 Jahre / herzlich gerne dabei."
komisch, die Frau H. auf den Wahlplakaten in Bamberg sieht doch anders aus als die neben dem MP auf dem Bild 🤭