Es war ein etwas anderer Neujahrsempfang am Montagabend in Bayreuth, zu dem die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken geladen hatte. Der Präsident hatte in den zurückliegenden Jahren stets die Gäste begrüßt und dann einem anderen den Hauptvortrag des Abends überlassen. Doch diesmal hielt der im April aus dem Amt scheidende IHK-Präsident Heribert Trunk selbst die Festrede. Es wurde eine vorgezogene Abschiedsrede. Trunk gab an, auf eine Abschiedsfeier verzichten zu wollen. "Das Geld der IHK ist nicht dazu da, Präsidenten zu verabschieden", sagte er.


Unter dem Vater gelitten

Der Vortrag des Bamberger Unternehmers gab Einblicke in sein Leben von Jugend an, beleuchtete seinen Weg aus einfachen Verhältnissen bis zu seinen heutigen Ämtern.
Der 1961 geborene Trunk, der als Sohn eines Speditionskaufmanns mit zwei älteren Schwestern aufgewachsen war, litt nach eigenen Angaben sehr unter der Alkoholsucht seines Vaters. Vorbild war stets der Großvater gewesen. Als dieser starb - Trunk war damals 14 Jahre alt - sei er in ein Loch gefallen. Er schaffte die 8. Klasse Gymnasium nicht (wegen Latein), wechselte die Schule, wollte aussteigen.


Hilfe von den Salesianern

Aufgefangen hätten ihn damals die Salesianer Don Boscos im Bamberger Canisiusheim. "Ich stellte mir in dem Alter die Frage: Warum helfen Menschen anderen Menschen, wenn sie doch gar nichts davon haben?", erzählte Trunk. Das habe ihn geprägt - auch auf seinem Weg zum Unternehmer.


"Vollblut-Logistiker"

Den Großvater als den ehrbaren Kaufmann als Vorbild vor Augen, entschied sich der Bamberger nach dem Abitur, eine eigene Firma zu gründen und ließ andere Wunschberufe wie Pfarrer oder Entwicklungshelfer beiseite. Immer im Hinterkopf die negativen Erfahrungen aus der Firma des Vaters: "Du brauchst Eigenkapital. Das schafft Möglichkeiten. Fremdkapital ist nicht nur flüchtig, sondern auch schwierig."
Trunk gründete eine Firma, die nach seinen Angaben als Rechtsperson heute noch wirkt und jetzt Bilog Service Group heißt. Sein unternehmerischer Wegbegleiter dabei: Schulfreund Claus Huttner. "Wir haben keine eigenen Lkw, sind aber Vollblut-Logistiker und bieten integriert und branchenübergreifend den gesamten Salesprozess", schilderte Trunk das Geschäftsfeld seines Unternehmens.


Vom Saulus zum Paulus

Neben diesem Einblick in seinen beruflichen Werdegang ging der Präsident auch auf sein Verhältnis zur Kammer ein. "In meinem Inneren war ich Kammerverweigerer mit Zorn auf den Zwang zur IHK-Migliedschaft", sagte er. Doch später habe ihn der damalige IHK-Hauptgeschäftsführer Bodo Schultheiß begeistert. Mit der Folge, dass Trunk 1998 bei den IHK-Wahlen kandidierte und Mitglied der Vollversammlung wurde. "Vom Saulus zum Paulus bin ich geworden, vom IHK-Kritiker zum Kämpfer für die Solidargemeinschaft", sagte er rückblickend.


Fünf Jahre im Amt

Jetzt blickt der 55-Jährige auf 19 Jahre Ehrenamt in der Kammer zurück, davon zehn Jahre im Präsidium und fünf Jahre als Präsident. "Wir arbeiten am Jahrzehnt Oberfrankens", hatte er von Anfang an immer propagiert. Jetzt steht fest: Trunk selbst wird kein Jahrzehnt an der Spitze der oberfränkischen Kammer stehen. Er, der sich gestern selbst als "Dominator, Forderer und ewig Unzufriedener" charakterisierte, will sich neben seinem Unternehmen einer neuen Aufgabe widmen: im Vorstand der Don-Bosco-Stiftung sich weltweit für die benachteiligten Kinder einzusetzen.
"Man muss auch loslassen können", sagte Trunk am Ende seiner Rede. "Zu viel Trunk, das ist wie im restlichen Leben, kann auch ungesund sein."


Lob von Aigner

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hob in ihrer Rede die Leistungen Trunks aus bayerischer Sicht noch einmal hervor. "Gut vernehmbar auch im fernen München hast Du der Wirtschaft in Oberfranken eine Stimme gegeben. Deine Stimme", sagte sie. "Oberfranken hat durch dich gewonnen."