Birgit Reiter tat das, was sie tun musste: Auf mögliche Probleme und Konfliktbereiche hinweisen. Das, so befand die Leiterin der Gundelsheimer Michael-Arneth-Grundschule, sei einfach ihre Pflicht mit Blick auf die Zukunft. Sich für die Zukunft gut positionieren, das wollen auch die Verantwortlichen der Montessori-Schule Bamberg, die für ihre Sekundarstufe (Jahrgangsstufen fünf bis zehn) in der Gundelsheimer Michael-Arneth-Schule gerne neue Perspektiven auftun wollen, nachdem es in Bamberg keine Erweiterungsmöglichkeiten gibt. Derzeit zumindest.

In der vorherigen Sitzung jedenfalls hatte der Gundelsheimer Gemeinderat - die Gemeinde ist bekanntlich Sachaufwandsträger der Schule - dem künftigen (Unter-) Mieter Montessori-Schule Bamberg grünes Licht gegeben. Allerdings unter der Prämisse, dass Schulamt und Schulleitung dem positiv gegenüber stehen, ihre Einvernehmen geben.
Nach den bisherigen Gesprächsrunden war Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) davon ausgegangen. Die nach der Sitzung eingegangenen schriftlichen Stellungnahmen fielen dann aber anders aus. Grund genug, die neue Situation im Gemeinderat zu erörtern.


Vor den Kopf gestoßen

Die Reaktionen des Gemeinderates ließen erkennen, dass man sich etwas vor den Kopf gestoßen fühlte. Allerdings aus verschiedenen Gründen. Christian Wolf (CSU) forderte die Rücknahme des vorherigen Beschlusses und meinte, "wenn sich irgendwann alle einig sind", solle der Gemeinderat einen neuen Beschluss fassen.
Birgit Reiter und einige ihrer Lehrkräfte waren ebenso zur Gemeinderatssitzung erschienen, wie Vertreter der in der Michael-Arneth-Schule untergebrachten Mittagsbetreuung sowie Geschäftsführung und Lehrkräfte der Montessori-Schule Bamberg. Damit konnten sie auch direkt Stellung nehmen.

Zuvor verwies Bürgermeister Merzbacher auf die verschiedenen Gespräche, die mit den Beteiligten, also den beiden Lehrerkollegien, dem Gundelsheimer Elternbeirat und Vertretern der unter AWO-Trägerschaft stehenden Mittagsbetreuung stattgefunden hatten. Er erachte es nicht als notwendig, so Merzbacher, den Beschluss rückgängig zu machen. Es gehe ihm um Transparenz, betonte er und bat das Gremium um Fragen. Die hatte Klaus-Dieter Spiller (FWG) zwar nicht, meinte aber, er sei skeptisch gewesen. Nach den Stellungnahmen von Schulamt und Schule sehe er sich gezwungen, den Beschluss zurückzunehmen.

Was konkret die Beeinträchtigungen seien, wollte Merzbacher wissen, etwa die Parkplätze der Lehrer. Das verneinte Spiller. Es gehe um den Computer-Raum der wegfalle und die Beeinträchtigungen bei der gemeinsamen Nutzung des Werkraumes.

Gerlinde Fischer (B 90/Grüne) sieht die Sache anders. Sie begrüße ein Projekt, das zeigen könne, dass zwei Schularten unter einem Dach mit einander auskommen. "Schade, wenn das Projekt nicht zustande kommt."
Stephan Zwosta hakte nach, ob daran gedacht sei, Container aufzustellen, wenn das Raumangebot für die Montessori-Schule nicht mehr reicht. Merzbacher bestätigte diesen Aspekt. Worauf Zwosta meinte, wegen der paar Euro Mieteinnahmen solle man nicht "die besten pädagogischen Voraussetzungen für unsere Kinder kaputtmachen." Schließlich sei die Grundschule auch ein Standortfaktor. Merzbacher sieht in der Montessori-Schule einen Mehrwert und hält die angesprochenen Probleme für handelbar.

Die Schule habe einmal zwölf Klassen beherbergt, nach der Renovierung habe man sogar noch mehr Raum, fand Maria Tadda (B 90/Grüne) und, dass man wohl ein bisschen voreingenommen sei. Dazu stellte Zwosta klar, er habe nichts gegen Montessori-Schulen, "aber muss man das in Gundelsheim machen?"


Einschränkungen

Bedenken des Kollegiums und des Elternbeirates erläuterte Schulleiterin Reiter. Die Bedenken wollte sie vor einer Entscheidung loswerden. Sie reichen von so lapidaren Fragen wie Lehrerparkplätzen, über das Wegfallen des Computerraumes hin zu Nutzungseinschränkungen bei Fachräumen und Turnhalle. "Wie geht es weiter, schon mit zwei ersten Klassen gehen die Probleme los". Für die Zukunft sieht sie keinen Rückgang der Gundelsheimer Schülerzahlen, und wenn die Montessori-Schule gleichzeitig wächst...

Wie die Montessori-Schule denn auf Gundelsheim gekommen sei, wollte Karl Heinz Oppel (SPD) wissen. Dazu nannte Martin Ammermann, Vorstandsmitglied der Fördergemeinschaft die Stadtbusnähe und Raumkapazitäten. In Bamberg sei die Schule bereits an zwei Standorten und habe keine Möglichkeit für die Erweiterung bis zur zehnten Jahrgangsstufe.

Dahin wolle man in fünf Schuljahren gelangen. Endziel sei die Einhäusigkeit, Hoffnung weckt das Konversionsgelände. In Gundelsheim gehe es nicht darum, jemandem etwas wegzunehmen, sondern Leerstehendes zu nutzen, argumentierte Ammermann. Nach dem weiteren Austausch von Argumenten drängte Christian Wolf auf die Abstimmung über seinen Antrag zur Geschäftsordnung: Der fiel bei einem 7:8 Votum durch. Das heißt, es bleibt beim Beschluss der vorherigen Sitzung.

Womit allerdings dann doch wieder alles offen ist. Ein insbesondere für die Montessori-Schule äußerst unbefriedigende Situation, will sie doch im Herbst in der Sekundarstufe starten.

Die FT-Nachfrage bei Birgit Reiter hat ergeben, dass man wohl zurecht käme, wenn die Montessori-Schule im nächsten und übernächsten Schuljahr käme. Aber mit jedem folgenden würden weitere Räume benötigt und so gibt es in die Zukunft gerichtet Bedenken bezüglich der Raumfrage. Sie sieht die Entscheidung jedenfalls beim Sachaufwandsträger und damit bei der Gemeinde.

Für die wiederum hat sich mit Frau Reiters neuerlicher Stellungnahme ein Lösungsansatz aufgetan, so Bürgermeister Merzbacher. Da kam nach dem Gespräch zwischen den beiden Beteiligten Bewegung ins Spiel, so dass sich im Dialog auf dieser Basis ein Kompromiss ergeben könnte, zeigt er sich nun wieder zuversichtlich. Dies mit Blick auf ein neuerliches Gespräch mit der Schulleiterin im Anschluss an eine neuerliche Stellungnahme.


KOMMENTAR

Und jetzt?

Den Mietvertrag mit der privaten Montessori-Schule gibt es nur, wenn die Grundschullleitung und das staatliche Schulamt mit dem "Untermieter" einverstanden sind. So will es der Gemeinderat, der es sich damit letztlich nicht leicht gemacht hat. Dass die Grundschule Bedenken hat, liegt auf der Hand.

Wer hätte das nicht? Man braucht sich nur einmal vorzustellen, ein Untermieter steht bei einem selbst ante portas. Und dann noch einer, der sagt, er möchte wachsen, sich also ausbreiten. In der Gemeinderatssitzung gab es sicherlich Irritationen. Aber nach der Sitzung kamen die jeweiligen Pädagogen ins Gespräch. Und das war von Besonnenheit und Kompromissbereitschaft geprägt.

Auf der Basis eines (fünfjährigen)Mietvertrages böten sich Möglichkeiten für die Montessori-Schule, zumindest mit dem Aufbau der Sekundarstufe zu beginnen. Die Klausel wiederum, die einen vorzeitigen Ausstieg zulässt, sollte den Druck von der Grundschule nehmen.

Man kann den Versuch in Ruhe wagen, parallel die Entwicklung in der Konversionsfrage abwarten, mit kühlem Kopf resümieren und dann an weitere Weichenstellungen gehen. Für Gundelsheim oder an anderer Stelle. Für die Gemeinde könnte die Montessori-Schule zu einer Art Joker bei der Stärkung des Schulstandortes avancieren.

Freilich dürfte die Regelschule hier auch ein bisschen die "Konkurrenz" fürchten, mit der man Tür an Tür unterrichtet. Aber heißt es nicht auch, dass Konkurrenz das Geschäft belebt? Es ist die Zeit, die Erkenntnisse bringt. So wie in der Zeit nach der Sitzung. Nach anfänglicher Ratlosigkeit scheint vielleicht ja doch wieder Bewegung in die Angelegenheit zu kommen. Zumal die Zeit, mit Blick aufs neue Schuljahr, dann auch schon wieder drängt.

Und: Nur, wer wagt, hat die Chance auf einen Gewinn.