"Aus der Perspektive von außen lässt sich leicht sagen, welche Versäumnisse die Kirche gerade bei den Alten und Sterbenden zugelassen hat", entgegnet Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) dem häufig gehörten Vorwurf, die Kirche ducke sich weg in diesen Corona-Zeiten. Bode, Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), räumt zwar ein, dass die Situation "auch für uns völlig neu war und ist" und Möglichkeiten gesucht werden mussten, das kirchliche Leben unter Corona-Bedingungen zu gestalten. Doch "Pfarreien, Seelsorger und Seelsorgerinnen konnten auch im Lockdown kreativ und pastoral tätig sein", erklärte der Bischof. So seien zum Beispiel Krankenhausseelsorger oftmals die einzige Verbindung nach draußen zur Familie, die sich "Zeit nehmen an den Betten der Kranken und Sterbenden".

Gemeinsam mit Bischof Franz-Josef Bode bestritten Erzbischof Ludwig Schick (Bamberg), Vorsitzender der Kommission Weltkirche, und Bischof Franz-Josef Overbeck (Essen), Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen, eine Pressekonferenz anlässlich der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die vom 22. bis 24. September in Fulda stattfand. Ein Schwerpunktthema dieser Tagung war eben "Corona - kirchliche Verantwortung und Anwaltschaft".

Die drei auf dem Podium des Dompfarrzentrums versammelten Bischöfe waren sich einig: Corona lasse bescheidener werden, wenn "wir von Gott und seinen Wegen mit den Menschen sprechen". Und: Es sei eine Frage der Gerechtigkeit, im karitativen Bereich über die Landesgrenzen hinaus zu helfen: "Diese Hilfe in der Pandemie ist bedeutsam für die Zukunft der Welt", betonte Erzbischof Schick. Denn "wenn wir von Corona in der Welt sprechen, sprechen wir von Hunger und Hoffnungslosigkeit". Während es ökonomisch starken Staaten wie Deutschland vergleichsweise gut gelänge, die gravierenden Folgen der Pandemie abzufedern, seien die Folgen in den ärmeren Ländern dramatisch: "Einige Länder bewegen sich auf eine ökonomisch-soziale Katastrophe zu", weiß der Weltkirche-Bischof durch sein enges Netzwerk an Kontakten in aller Welt.

Großartiges Engagement

Dankbar zeigt sich Erzbischof Schick über das "großartige seelsorgliche und soziale Engagement" vieler Bistümer und Ordensgemeinschaften in Lateinamerika, Asien, Afrika, Osteuropa für die notleidenden Menschen. Auch in Deutschland hätten sich die kirchlichen Hilfswerke, die Diözesen und Orden schnell in ihren internationalen Hilfsprogrammen auf die Corona-Situation ausgerichtet: "Seit dem Ausbruch der Krise konnten so bis heute rund 40 Millionen Euro durch katholische Träger in Deutschland für die internationale Corona-Hilfe eingesetzt werden", bilanziert Erzbischof Schick. Dabei seien Aktionen von Pfarrgemeinden oder kirchlichen Schulen noch gar nicht berücksichtigt, da sie nicht zentral erfasst werden. Auch das Ergebnis der Kollekte vom 6. September 2020 am "Weltkirchlichen Sonntag des Gebets und der Solidarität mit den Leidtragenden" stehe noch nicht fest. Wobei es an jenem Sonntag gerade nicht nur ums Geld gegangen sei, sondern um "ein starkes Zeichen auch der geistlichen Zusammengehörigkeit in der Weltkirche", so der Erzbischof.

Den Solidaritätsgedanken beschwor auch Bischof Overbeck getreu des Wortes von Papst Franziskus in der schwersten Phase der Pandemie im März 2020: "Wir sitzen alle im selben Boot." Das sei auch weiterhin so, sagte Overbeck: "Wir können uns nicht voneinander abkoppeln, sondern sind als eine große Menschheitsfamilie gefordert."

Brandbeschleuniger Corona

Der Bischof zeigte sich beunruhigt darüber, dass "die Corona-Krise wie ein Brandbeschleuniger wirkt". So würden sich Menschen aus den verschiedenen Milieus - "in ihrer Staatsferne vereint" - zu "eigentümlichen Allianzen" zusammenschließen und teilweise Verschwörungstheorien anhängen. Auch wenn lebhafte Debatten und eine Vielfalt von Perspektiven zu jeder Demokratie gehörten, sei es "brandgefährlich, wenn Antisemitismus, Rassismus und Hetze aufflammen. Das ist mit unserem Menschenbild nicht vereinbar!", betonte Bischof Overbeck.

Überhaupt erfülle ihn "das Spaltungspotenzial bei anderen langfristigen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen wie etwa Migration oder Klimawandel" mit Sorge. Es helfe nichts, die Realität zu leugnen oder sich an anderen Menschen und eigenen Luftschlössern abzuarbeiten. "Es hilft nur, gemeinsam und zum Wohl aller anzupacken", hob Overbeck hervor und kehrte zum Thema Corona zurück: "Ich wünsche mir, dass trotz des Abstandsgebotes in unserer Gesellschaft die Zeichen der Wärme und Zuneigung überwiegen und Gefühle der Einsamkeit und Verlassenheit nicht weiter um sich greifen." Und: "Die Schutzmasken sollen unsere Menschlichkeit nicht verstecken, sondern uns anspornen, neu das Antlitz vieler Menschen und unserer Welt zu entdecken."