Was ist denn da los? Hat das Coburger Land was verbrochen? Beim Blick auf die Homepage des Hochwassernachrichtendienstes fällt auf: Fast überall normale (grüne) Pegelstände bei den bayerischen Flüssen, nur im Coburger Land nicht - da leuchten Itz und Steinach rot. Nein, eine Verschwörung ist das nicht, beschwichtigt Dr. Matthias Schrepfermann (stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Kronach) und lacht. "Es ist das Wetter", sagt er dann.

Es ist das Wetter im südlichen Thüringer Wald, um genauer so sein. In Mengersgereuth-Hämmern (Landkreis Sonneberg) hat es zum Beispiel am Dienstag und Mittwoch binnen 24 Stunden über 40 Liter geregnet. "Das ist eine Menge, die nicht einmal im Voralpenraum zusammengekommen ist", erklärt Schrepfermann. Dazu kommt die Tatsache, dass auf den Höhen des Thüringer Waldes noch Schneereste liegen (am Bleßberg zum Beispiel am Dienstag noch zwölf Zentimeter), die bei den aktuell zweistelligen Temperaturen sehr schnell dahinschmelzen und die Zuflüsse von Itz und Steinach anschwellen lassen. "Das sind dann die entscheidenden Faktoren für das Hochwasser im Coburger Land", erklärt Schrepfermann.

Wobei: Im Sinne einer Gefahr von "Hochwasser" zu reden, wäre für die Fachleute im Wasserwirtschafts doch ein bisschen arg hoch gegriffen. Matthias Schrepfermann verweist auf den Wasserabfluss, der an der Station in der Schenkenau (Gemeinde Itzgrund) gemessen wurde: immer knapp unter 50 Kubikmeter pro Sekunde. Klar sind 50000 Liter in der Sekunde nicht ohne, aber - wie Schrepfermann mit Blick auf die langjährige Statistik weiß - " für Anfang März statistisch normal".

Wer legt die Marken fest?

Schaut man auf die Hochwassermarken für den Itzgrund, hätte eigentlich auch die Verbindung von Gleußen hoch nach Schottenstein unter Wasser stehen müssen. Aber das war nicht der Fall. Dieter Scherbel, der sich als Geschäftsleiter der Gemeinde Itzgrund durch etliche Hochwasserereignisse gekämpft hat, kann sich vorstellen, warum das so ist: "Seit dem Neubau der Brücke hat sich die Situation dort positiv entwickelt." 20 bis 25 Zentimeter mehr Spielraum ist inzwischen, bis die Straße unter Wasser steht. Also nicht mehr der Pegelstand von genau vier Metern, der bislang gilt.

Was auf der Homepage des Hochwassernachrichtendienstes (www.hnd.bayern.de) als Hochwassermarke notiert ist, fällt in gewisser Weise auch in die Zuständigkeit der Gemeinden. "Wir können nicht ständig draußen sein und schauen, wie sich die Werte verändern", erklärt Dr. Matthias Schrepfermann, dessen Dienststelle für das nordwestliche Oberfranken (also die Landkreise Kronach, Lichtenfels, Coburg, Bamberg und Forchheim) zuständig ist. Ein bisschen mehr Rücklauf, da bleibt der stellvertretende Behördenleiter diplomatisch, könnte da nicht schaden.

Aus dem Itzgrund wird das Wasserwirtschaftsamt demnächst aktualisierte Zahlen bekommen. "Wir haben einige Zeit gemessen und die Werte aufgeschrieben", sagt Dieter Scherbel, der aber noch "ein bisschen" warten will, ehe er für die Gemeinde die Einschätzung zur Hochwassermarke abgeben will. Denn der Gemeindegeschäftsleiter weiß: "Hochwasser ist bei uns nicht gleich Hochwasser." Es gebe viele Faktoren zu berücksichtigen. Kommen zum Beispiel größere Wassermengen aus dem westlichen Einzugsbereich der Itz ( Kreck und Rodach) zusammen, gibt es einen Rückstau und größere Überschwemmungen als die Messwerte am Schenkenau-Pegel andeuten. Ähnlich wichtig ist für Dieter Scherbel der Zustand der Böden. Die waren zuletzt aufgrund der Trockenheit aus dem Sommer noch aufnahmefähig - und dämpften die Auswirkungen des Hochwassers zusätzlich.