Für Pfarrer Matthias Bambynek steht fest: "Seelsorge verdient Diskretion!" So will der Leitende Pfarrer des katholischen Seelsorgebereiches Bamberger Westen auch absolut nicht an die große Glocke hängen, was er und sein Pastoralteam im Lockdown und danach für Notleidende getan haben. Jedenfalls sei der oft gehörte Vorwurf, die Kirche hätte sich weggeduckt in der Corona-Pandemie, "nicht angemessen", sagt Pfarrer Bambynek.

Er räumt ein, dass die bislang unbekannte Situation schwierig gewesen sei, "und wir alle ratlos waren". Aber auch wachsam gerade im Blick auf die betagten Bewohner in den neun kirchlichen wie nichtkirchlichen Altenheimen auf dem Gebiet des Seelsorgebereichs. Von der Staatsregierung verhängte Besuchsverbote konnten die Seelsorger beider Konfessionen zwar auch nicht umgehen, "Kontakte im Lockdown waren kaum möglich", so Bambynek. Doch es habe durchaus den "Zugang zu Krankensalbung und Sterbebegleitung gegeben" sowie zahllose Telefonanrufe bei Personen, die Angehörige im Altenheim haben. Und Beerdigungen von in Heimen Verstorbenen, "die bei diesen Corona-Bedingungen tief unter die Haut gingen", bekennt der Pfarrer und fügt leise die Worte "tragische Schicksale" hinzu.

Mit Feingefühl reagiert

Dass Matthias Bambynek mit Feingefühl reagiert, bestätigt etwa Thomas Schmitz, bisheriger Leiter des Seniorenwohnen Am Bruderwald (Bayerisches Rotes Kreuz). Als bekannt wurde, dass es dort zu einem Corona-Ausbruch gekommen ist, "war Pfarrer Bambynek einer der ersten, der angerufen und gefragt hat, ob er etwas tun kann", sagt Schmitz dankbar. Seit Mai sei die Krise in dem Haus beendet, und Pastoralreferent Christian Schneider habe seitdem Freiluftgottesdienste im Garten gestaltet. Bei schlechtem Wetter würde der Pastoralreferent auf drei Ebenen des Pflegebereichs Andachten anbieten - unter Wahrung eines strengen Hygienekonzeptes.

"Wir haben uns nicht verweigert", ergänzt Christian Schneider, der die jeweiligen Heimleiter als Entscheidungsträger bezeichnet. Wenn diese an die Seelsorger "eine Anfrage stellen, kommen wir!", betont der Pastoralreferent. So werde inzwischen aus mehreren Heimen der Wunsch nach Gottesdiensten für die alten Menschen herangetragen. "Religiöser Trost und Zuwendung ist für alte Menschen wichtig, und ihre Begleitung in Alten- und Pflegeeinrichtungen gehört dazu", weiß gerade Pfarrer Bambynek aus seelsorglicher Erfahrung.

Aber auch aufmerksames Pflegepersonal hat eine Antenne für die spirituellen Bedürfnisse alter Menschen. So hat zum Beispiel Kurt Ochs, Pflegedienstleiter im Seniorenzentrum Wilhelm Löhe (Diakonie Bamberg-Forchheim), selbst mitten im Lockdown Andachten für die Hausgemeinschaft erarbeitet. Froh, dass es unter den 119 Bewohnern und über 100 Mitarbeitern keinen einzigen Corona-Fall gab und gibt, "steht die Ampel jetzt auf Grün!", lacht Ochs und freut sich, dass der evangelische Pfarrer von St. Stephan, Walter Neunhoeffer, und der katholische Pastoralreferent Schneider wieder nahezu ungehindert zu seelsorglichen Besuchen und Gottesdiensten im Saal kommen können. Und der Pflegedienstleiter stellt klar: "Auch im Lockdown hätte ein Pfarrer zu Sterbenden kommen dürfen!"

Pfarrer Neunhoeffer lobt das gute ökumenische Miteinander in Bamberg auch in der Altenheimseelsorge. Erklärt unumwunden, dass "die geistliche Versorgung der alten Menschen auch auf dem Höhepunkt der Corona-Krise gesichert war". Und dass "Senioren gerne die Dienste beider Konfessionen wahrnehmen". Ihnen sei es wichtig, "beide Gottesdienste zu besuchen", lächelt Neunhoeffer.

Von Seelsorge, die in der Pandemie möglich und notwendig ist, spricht auch Dompfarrer Markus Kohmann. "Vieles ist noch in der Schwebe", sagt er freimütig und verweist auf den Personalmangel in den Altenheimen: "Wer soll die Senioren in die Kapelle bringen?", sei etwa eine ungelöste Frage.

Gelöst ist zumindest für die Altenheime auf dem Jakobs- und Michelsberg sowie in Gaustadt das drängende Anliegen, Priester einsetzen zu können in der Seelsorge. Da kann Kohmann auf aktive Geistliche und Ruhestandspfarrer setzen, die sich kümmern: "auch für Beichtgespräche, Krankensalbung, Sterbebegleitung". Glücklicher dran sind ohnehin noch die Heime, in der Ordensschwestern ihre vielfältigen Dienste tun.

Oder die so "luxuriös ausgestattet sind" wie das Caritas-Altenpflegezentrum St. Otto im Hain. Das Wörtchen "luxuriös" gebraucht jedenfalls Leiterin Barbara Blecha im Blick auf die Tatsache, dass Weihbischof Herwig Gössl und Pfarrer i. R. Andreas Eckler regelmäßig Gottesdienste in der Hauskapelle feiern. Dass "wir das letzte halbe Jahr gut und gesund miteinander überstanden haben". Dass sogar Erzbischof Ludwig Schick zur Eucharistiefeier in der Corona-Zeit bereit ist.

Die Älteren ehren

Der Erzbischof, der den Festtag des heiligen Otto - der Namenspatron des Altenpflegeheims - für sein Kommen gewählt hatte, bündelte in seiner Predigt die Erfordernisse für ältere Menschen: "Coronamaßnahmen dürfen nicht zum Sozialtod führen!" Den Bewohnern von Senioreneinrichtungen müsse auch in der Corona-Pandemie Teilhabe am sozialen Leben ermöglicht werden, forderte Schick. Teilhabe am Leben heiße nicht "abschotten und einsperren, sondern Sicherheit geben und schützen". Nicht die drei S "satt, sauber, still" seien Ziel christlicher Altenpflege, sondern "mündig, menschlich, munter", so der Erzbischof. Zugleich rief er dazu auf, die Lebensleistung der Senioren zu würdigen: "Wir stehen auf den Schultern der Älteren, sie haben Anerkennung verdient. Ihre Weisheit und Lebenserfahrung sind für uns unverzichtbar", erklärte Erzbischof Schick. Und: "Nur wer Ältere ehrt, wie das vierte Gebot nahe legt, dem geht es gut!"

Gottesdienste nur intern

Derzeit können die Gottesdienste in den Altenheimen nicht von externen Besuchern mitgefeiert werden. "Sie sind nur für Bewohner und Mitarbeiter", betont Pfarrer Matthias Bambynek. Daher werde auch davon abgesehen, die jeweiligen Tage und Uhrzeiten in den Pfarrblättern, die in Kirchen ausliegen, zu veröffentlichen. In den Startlöchern stehen auch ehrenamtliche Wortgottesdienstleiter, die für einen Einsatz in Altenheimen von Pastoralreferent Christian Schneider eigens geschult wurden. "Wenn es die Corona-Vorgaben hergeben, sollen die Ehrenamtlichen zügig eingesetzt werden", erklärt der Kirchenmann.