Die Stadt Bamberg hatte es sozusagen kalt erwischt: "Wir waren völlig überrascht, dass die Kapelle in Wildensorg in städtischem Besitz ist", sagt Bertram Felix, Finanzreferent und Chef des Immobilienmanagements. Der Bürgerverein Wildensorg mit seiner Vorsitzenden Monika Hoh habe im vergangenen Frühjahr darauf aufmerksam gemacht. Und das aus speziellem Grunde: Starke Risse im Mauerwerk und im Deckengewölbe der Kapelle aus dem Jahr 1891 hatten sich bereits bis in den Innenraum fortgesetzt. Auch der umlaufende Sockel war durch Feuchtigkeit schwer beschädigt.

Die alarmierte Stadt handelte rasch und setzte in Absprache mit der Unteren Denkmalbehörde statische Voruntersuchungen an. Es stellten sich dabei gravierende Mängel im Dachstuhl und in den Deckenbalken heraus. So gingen örtliche Baufirmen an die Sanierung, gruben die Kapelle seitlich aus und isolierten die Fundamente.
Der Dachstuhl bekam eine statische Sicherung, indem eine Schalung auf den Deckenbalken eingebracht, und er durch zug- und druckfestes Verbinden der Mauerlatten gesichert wurde. Anschließend konnten die Risse vollständig geschlossen werden. Danach folgte die Innenraumsanierung: Der Deckenspiegel wurde dabei abgepaust und rekonstruiert.

"Wir sind dem Bürgerverein sehr dankbar für die richtige Entscheidung, sofort anzupacken, bevor noch größere Schäden repariert werden müssten", erklärt Felix. Im Vergleich zu notwendigen Arbeiten an anderen Bamberger Gotteshäusern sei die Maßnahme an der Wildensorger Kapelle "letzten Endes nur eine kleine" gewesen. Die Kosten für die Renovierung belaufen sich insgesamt auf rund 25 000 Euro.

Trotz dieser überschaubaren Summe ist der Finanzreferent froh über einen wesentlichen Beitrag von 8000 Euro: Bürgervereins-Vorsitzende Hoh überreichte ihm unlängst in der neu erstrahlten Kapelle den symbolischen Scheck. "Ganz Wildensorg hat nach einem Aufruf gespendet", so Monika Hoh dankbar. Bei dieser Aktion seien 3660 Euro zusammen gekommen, der Bürgerverein mit seinen 310 Mitgliedern - Ehrenmitglied ist Erzbischof emeritus Karl Braun - habe aus dem Überschuss von Veranstaltungen wie dem Johannisfeuer auf 8000 Euro aufgestockt.

Für Bertram Felix ist die große Spendenbereitschaft ein sprechendes Zeichen für den "hohen Identifikationsgrad der Wildensorger mit ihrer Kapelle" am Saum des Michaelsberger Waldes.

Tatsächlich nutzen die Stadtteilbewohner ihr besonderes Kleinod nicht nur zum Anschauen, sondern auch für die Feier von Maiandachten oder das Gedenken an die Wildensorger Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege am Volkstrauertag. Eine entsprechende Gedenktafel mit den Namen der Soldaten gehört zur Innenausstattung der Kapelle ohne Sitzplätze. Der Landwirt Johann Hohl hatte das Kapellchen aus Dankbarkeit für glückliche Heimkehr aus den Kriegen 1866 und 1870/71 erbaut.