Der Bundestagswahlkampf hat begonnen. Was liegt da näher für Kandidaten, als sich die Unterstützung von Spitzenpolitikern ihrer Partei zu sichern? Emmi Zeulner (CSU), seit vier Jahren gewählte Abgeordnete im Wahlkreis Kulmbach (zu dem neben dem Landkreis Lichtenfels auch der Nordwesten des Landkreises Bamberg gehört), nutzte die Gelegenheit der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten in Kloster Banz und entführte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in die nahe Benediktinerinnenabtei Maria Frieden in Kirchschletten.
Im Saal des Gästehauses Edeltraud referierte und diskutierte der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zum Thema "Globalisierung gerecht gestalten - Deutschlands Zukunft in der Welt". Ein Thema, das sperrig klingt und nicht gerade nach Wahlkampfschlager. Dabei berührt es doch in entscheidenden Punkten den Bereich Flüchtlinge.

Aber, um es vorwegzunehmen: Ein Wahlkampfauftritt der Bundestagskandidaten, war es auch gar nicht, sondern ein interessanter Vortrag eines zu Unrecht weitgehend unbekannten Ministers, zu dem immerhin gut 50 Interessierte den Weg nach Kirchschletten gefunden hatten. Die Begrüßung übernahm Äbtissin Mechthild Thürmer, die unter anderem auf die Gründung des Klosters 1953 verwies, die ohne die philippinischen Ordensschwestern nicht möglich gewesen wäre. "Hier hat die Zusammenarbeit weit über Grenzen hinweg Tradition", merkte sie an, bevor sie sich zur Feier des 50. Professjubiläums einer Mitschwester verabschiedete, zu der zeitgleich auch Erzbischof Ludwig Schick in Kirchschletten erwartet wurde.

Müller griff den Hinweis, und auch den auf den heiligen Benedikt von Nursia als "Patron Europas" gerne auf. "Wir arbeiten gemeinsam für Gerechtigkeit, für Frieden in der Welt", habe er ins Gästebuch der Abtei geschrieben. Der Minister unterstrich immer wieder, wie wichtig die Hilfe vor Ort ist und warb vehement für fairen Handel. Dies sei nicht nur gerechter, sondern auch effizienter und zudem weitaus kostengünstiger, als etwa die Folgen fehlgeleiteter Globalisierung in Form von Flüchtlingsströmen hierzulande bewältigen zu müssen. "Wir werden die Zäune gar nicht so hoch bauen können, dass alle draußen bleiben", sagte Müller.

Als konkretes Beispiel, wie sich wirkungsvolle Hilfe mit einfachsten Mitteln und geringem finanziellen Aufwand verwirklichen ließe, nannte er die Textilindustrie. Wenn für jede Jeans, die in Bangladesch für fünf Dollar produziert und dann im Westen für 100 Dollar verkauft werde, nur ein Dollar mehr an die Näherin in Bangladesch gehen würde, bekäme diese einen Lohn der zum Leben dort reichte. Wer auf den einen Dollar aus der 95-Dollar- Gewinnspanne verzichte sollte, sagte der Minister allerdings nicht. Müller gab sich dennoch geradezu kämpferisch optimistisch: "Eine Welt ohne Hunger ist möglich!"

Emmi Zeulner hielt sich während der gesamten gut einstündigen Veranstaltung im Seminarhaus der Benediktinerinnen zurück. Nach seinem Vortrag dankte sie dem Minister, moderierte die Diskussion mit den Zuhörern und begleitete Müller, der auf dem Sprung zum nächsten Termin war, nach draußen.

Auch so kann Wahlkampf sein. Härtere Bandagen braucht CSU-Kandidatin Zeulner in ihrem Stammland wohl gar nicht anzulegen, um gewählt zu werden. Und der Minister? Gerd Müller, dessen Thesen so oft so gar nicht nach seiner Partei klingen, wird wohl noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen. "Entwicklungshilfe? Die sollen arbeiten!", sagte ein Zuhörer im Hinausgehen, der die Argumentation offenbar nicht nachvollziehen konnte oder wollte.