Gibt es dieses Jahr wirklich mehr Wespen als die Jahre zuvor?

Dr. Benedikt Polaczek (Ausbilder für Tierwirte an der FU Berlin mit dem Schwerpunkt Bienen, Wespen und Hornissen) sagt: Nein! Allerdings war der letzte Winter relativ mild und deshalb haben die Tiere den Winter gut überstanden. Sie haben früher angefangen zu brüten und dafür benötigen sie viel Zucker und tierische Eiweiße, was sie sich von unserem Picknick oder Grillbuffet holen.

Warum kommen uns die Wespen dieses Jahr so viel vor?

Es gibt zwar in diesem Jahr nicht mehr Wespen, aber es stimmt, dass die Tiere vermehrt auf unser Essen fliegen. Dr. Polaczek erklärt das damit, dass die Wespen im Moment nur wenig Nahrung in der Natur finden und auch sichtlich unterernährt sind. Noch vor einigen Wochen konnten sie ihren Zuckerbedarf mit dem Honigtau der Blattläuse decken, doch nach dem starken Regen werden sie auch den Blättern nicht mehr fündig. Das bedeutet, dass die Wespen jetzt um so mehr auf unser Essen fliegen, um sich an ihm zu bedienen.

Worauf sollte man allgemein achten?

Speisen und Getränke sollten draußen immer abgedeckt werden, außerdem wird empfohlen süße Getränke nur durch einen Strohhalm zu trinken, um das Verschlucken von Wespen zu vermeiden. Besonders vorsichtig sollten Sie beim Barfußlaufen sein, am Besten mähen Sie den Rasen in ihrem Garten regelmäßig und räumen Fallobst an eine Stelle ,an der Sie sich selten aufhalten. Wespen werden von süßem Geruch angezogen, deswegen sollte man auch beim Pflücken und Ernten von Blumen und Obst aufpassen.

Wespen verirren sich - angelockt durch süßliche Gerüche - auch ins Haus. Decken sie auch hier Mülleimer und Kompost ab und räumen Sie Essensreste weg. Kindern sollte man nach dem Essen Gesicht und Hände abwaschen.

Wie halte ich Wespen fern?

Damit die Tiere gar nicht erst ins Haus kommen, empfiehlt es sich Fliegengitter mit einer Maschenweite von weniger als 3 Millimetern an den Fenstern zu befestigen. Beim Essen im Freien können Sie einen Teller mit reifem Obst oder Trauben etwas entfernt von ihrem Tisch aufstellen. Damit locken Sie die Wespen von sich weg.

Was tun bei einem Stich?

Im Normalfall bildet sich eine schmerzhafte, juckende Rötung und Schwellung um die Einstichstelle, die meist innerhalb eines Tages deutlich abschwillt. In solchen Fällen reicht es den Stachel schnell zu entfernen, die Schwellung zu kühlen und eine entsprechende Salbe (zum Beispiel Fenistil) aus der Apotheke aufzutragen.
Bei Stichen im Mund- oder Rachenbereich sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen, da die Schwellung die Atemwege behindern könnte.

Treten nach einem Stich heftige Reaktionen auf, rufen sie sofort einen Notarzt. Ein allergischer Schock kann zur Lebensgefahr werden.

Was viele Menschen nicht wissen: Wespen sind Allesfresser und benötigen für ihre Brut auch tierische Eiweiße. Aus diesem Grund bedienen sie sich an den Kadavern toter Tiere. An sich ist das eine nützliche Eigenschaft, die aber folgendes Problem mit sich bringt. Polaczek warnt davor, dass die Bakterien der Tierkadaver durch einen Wespenstich auf den Menschen übertragen werden können. Damit sich die kleine Wunde nicht entzündet, empfiehlt es sich den Stich zu desinfizieren.

Ruhe bewahren. Ist das wirklich die richtige Methode?

Ja! Heftiges Um-sich-Schlagen macht die Tiere aggressiv. Auch pusten sollten Sie nicht. Das dadurch ausgeatmete Kohlendioxid ist ein Alarmsignal für Wespen. Zwar sind Wespen außerhalb ihres Nestbereichs nicht aggressiv, doch stechen sie, wenn sie in die Enge getrieben oder gedrückt werden. Anders als Bienen sterben sie nicht nach einem Stich. Wenn sich eine Wespe unter ihre Kleidung verirrt hat und sie bereits gestochen wurden, empfiehlt Dr. Polaczek das Tier zu töten. Bis Sie es schaffen würden die Wespe zu befreien, sticht sie vermutlich aus Panik noch mehrmals zu, was besonders für Allergiker gefährlich werden kann.

Was lockt Wespen an?

Nicht nur der süßliche Geruch von Kuchen und Obst zieht Wespen an. Da Wespen Allesfresser sind, fliegen sie auch besonders gern auf Grillfleisch. Aber auch Parfüm und sogar der Geruch von Körperschweiß reizt die Tiere. Bevorzugt fliegen sie auf bunte und geblümte Kleidung. Mit gedeckten Farben sind sie also im Zweifelsfall besser dran.

Woher weiß ich, ob ich allergisch auf Wespen-Gift reagiere und was kann ich dagegen tun?

Mindestens 2 Prozent der Bevölkerung reagieren allergisch auf Wespen- und Bienenstiche. Wenn Sie gestochen werden und der Stich übermäßig stark anschwillt, wird empfohlen sich bei einem Facharzt testen zu lassen. Auch Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Herzrasen bis hin zu Ohnmacht können Reaktionen eines Allergikers auf einen Insektenstich sein. Treten bei Ihnen eines oder mehrere dieser Symptome auf, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen oder den Notruf betätigen.

Bei einer Wespen- und Bienenstichallergie kann eine spezielle Immuntherapie oder Allergie-Impfung helfen. Dabei wird dem Patienten über mehrere Jahre hinweg eine immer stärkere Dosis des Insektengifts gespritzt. Diese Therapie soll den Körper gegen das Gift abhärten und die Reaktion auf einen Stich abschwächen.

Was sollten Insektengiftallergiker besonders beachten?

Sollte ein Allergietest bei Ihnen positiv ausgefallen sein, bekommen Sie von Ihrem Arzt ein Notfallset, welches sie immer bei sich tragen sollten! Die Notfall-Medizin ist allerdings nur eine Erstmaßnahme und ersetzt nicht den anschließenden Arztbesuch. Verbessern sich die Symptome nicht umgehend, rufen Sie einen Notarzt.
Bis dahin sollten die üblichen Erste-Hilfe-Maßnahmen angewendet werden. Legen sie bei Schwindel oder Herzrasen sie Beine hoch. Wenn Sie Atemnot verspüren, sollte der Oberkörper aufgerichtet werden.

Was tun, wenn sich ein Wespennest in Hausnähe befindet?

Wespen sind geschützte Tieren und ihre Nester dürfen ohne Genehmigung nicht entfernt werden. Kommen Sie dem Nest nicht zu nah. In Nestnähe verhalten sich Wespen aggressiver als sonst. Sie fühlen sich bedroht und wollen ihre Brut schützen, deswegen stechen sie schneller zu. Rufen Sie bei dem Fund eines Wespennestes einen Spezialisten zur Hilfe. In Bayern hilft Ihnen zum Beispiel der Wespen-Notdienst bei der Entfernung eines Nestes und berät Sie umfassend über die Tiere.