Die kleinen, bunten Holzhäuschen sind typisch für Finnland - außerhalb der Ortschaften. "In Helsinki wird unglaublich viel gebaut: vor allem moderne Bürogebäude", sagt Heinz-Dieter Wenzel. "Finnen haben Sinn für eine moderne Bauweise. Architektur, Kunst und Design ist ihnen ganz wichtig." Der Bamberger Professor, der seit einem Jahr mit seiner Frau, Botschafterin Dorothee Janetzke-Wenzel, in der deutschen Residenz in Helsinki lebt, ist beeindruckt von der schnörkellosen Eleganz finnischer Gebäude. "Wenn man in die Residenz kommt, ist das wie eine moderne Katedrale: zwar alles eckig, aber hoch und lichtdurchflutet. Mit viel Glas."


Moderne, funktionale Architektur

Die Residenz ist ein Werk des weltberühmten Baumeisters Alvar Aalto, der auch in Deutschland Gebäude entworfen hat und den Modernismus an vielen Stellen Helsinkis prägt: Die Finlandia-Halle, das Aalto-Haus und die Akademische Buchhandlung sind nur ein paar Beispiele. Auffällige zeitgenössische Architektur gibt es überall in der finnischen Hauptstadt: etwa das runde Haus Ympyrätalo im Stadtteil Kallio oder die vollständig aus Holz erbaute Kamppi-Kapelle mit ihrer kühnen, gerundeten Form. Diese "Kapelle der Stille" ist nicht für religiöse Zeremonien gedacht, sondern ist mitten im turbulenten Stadtzentrum ein Ort der Ruhe und von innen wie von außen sehenswert. Einen Überblick über die Geschichte der Architektur vom Mittelalter bis in die Gegenwart liefert das "Museum für finnische Architektur", das auch als bedeutendes Zentrum für moderne Bauweise gilt.


Spaziergang im Designerviertel

Design ist in Helsinki Bestandteil des Alltagslebens. In jedem Stadtteil, in jeder Straße gibt es etwas zu sehen: besonders im Marktviertel, im Viertel Kallio und im Viertel Arabianranta, wo Formgebung und Architektur allgegenwärtig sind. "Design geht hier von Architektur bis zum Haushaltsgerät", sagt Wenzel. Der Professor und die Botschafterin empfehlen einen Abstecher ins Viertel Design-District. "Zum Spazierengehen toll und auch mal, um ein Mitbringsel zu finden." Es gibt Läden mit Antiquitäten, Mode, Möbeln, Leuchten, Haushaltswaren, Schmuck, außerdem Galerien und Museen. Das Designmuseum zeigt Entwicklung und Gegenwart der finnischen Designbranche, die sich im Wesentlichen auf reduzierte, funktionelle und reine Formen beschränkt. Minimalismus als Maxime. Den Mittelpunkt des "Design District" bilden die Ausstellungen im "Design Forum Finland". Große Veranstaltungen zum Thema sind die "Helsinki Design Week" im Herbst und der "Design Christmas Market". Helsinki ist so etwas wie ein Schaufenster für finnisches Design. Aber es ist überall im Land - auf jedem Tisch: Wer darauf achtet, wird feststellen, dass der schlichte Teller, von dem er im Ferienhaus isst, vielleicht ein Arabia-Design ist und das Kissen, an dem er lehnt, von Marimekko.


Spaziergang in der Parkgarage

Auch der Architektur wird überall in Finnland großer Stellenwert beigemessen. Anfang Oktober waren die deutsche Botschafterin Dorothee Janetzke-Wenzel und ihr Mann Heinz-Dieter Wenzel beim deutschen Honorarkonsul in Oulu zu Besuch. Die nördlichste Großstadt der Europäischen Union ist vor allem als Zentrum der finnischen IT-Wirtschaft bekannt - und vielleicht noch für die jährlich dort stattfindende Luftgitarren-Weltmeisterschaft (neben Ehefrauentragen und Gummistiefelweitwurf einer dieser seltsamen Wettbewerbe, die die Finnen so lieben). Aber von dem riesigen unterirdischen Bauwerk, das in Oulu gerade gebaut wurde, weiß kaum einer. "Es ist ja auch nichts anderes als eine Parkgarage", erklärt Wenzel. Mit einem deutschen Parkhaus habe es aber kaum etwas gemein. "In Deutschland würde man so bauen, dass die Autos reinpassen. In Oulu ist alles riesig. Es geht eine Straße durch, und du kannst trockenen Fußes unter der halben Stadt durchlaufen. So was ist typisch finnisch!"

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