Für Uta von Hasselbach hat die Bamberger Kita-Offensive den Namen nicht verdient. Die Vorsitzende des Familienbeirats führt als Beispiel den seit mehreren Jahren geplanten Neu- oder Umbau von St. Anna an. "Die Verantwortlichen verfolgen die Planungen weiter. Und dies Jahr um Jahr, ohne dass etwas konkreter wird", sagt von Hasselbach.

Der Familienbeirat kritisiert schon länger, dass die Stadt Bamberg ihrer Pflicht, für Kinderbetreuungsplätze in ausreichender Anzahl zu sorgen, nicht nachkomme. Denn seit dem 1. August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz. "Und sieben Jahre später kann die Stadt Bamberg dies immer noch nicht gewährleisten. Das bisher Erreichte als Offensive zu bezeichnen, ist ein Hohn." So seien seit Beginn der Kita-Offensive vor drei Jahren gerade einmal 36 Krippenplätze und 73 Kindergartenplätze (das entspricht jeweils drei Gruppen) sowie 50 Hortplätze geschaffen worden.

Von Plänen und Fördertöpfen

Dass die Stadt Bamberg es mit ihrer Kita-Offensive durchaus sehr ernst meine, unterstreicht hingegen Zweiter Bürgermeister und Sozialreferent Jonas Glüsenkamp (Grünes Bamberg): "Wir wollen auch in der jetzigen Situation noch zehn Millionen Euro für die nächsten Jahre in den Haushalt stellen, um viele zusätzliche Kita-Plätze zu schaffen. Das Thema ist uns wichtig, im Stadtrat wie in der gesamten Verwaltung." Glüsenkamp wisse als Vater zweier Kinder gut, wie es ist, wenn man auf Wartelisten für einen Kita-Platz steht.

Nach jüngsten Zahlen sollen bis September 2021 insgesamt 96 Krippen- und 150 Kindergartenplätze hinzukommen. Doch auch das wird die Nachfrage nach Einschätzung des Familienbeirats längst nicht befriedigen können. Seit Jahren beklagen sich auch dort viele Eltern, die keinen Betreuungsplatz bekommen haben. "Wenn man bedenkt, dass einem Kind durch einen fehlenden Platz Bildungschancen vorenthalten werden, macht dies fassungslos und wütend", sagt von Hasselbach.

Das Beispiel St. Anna sei exemplarisch für viele: "Es werden große Ziele verkündet. Dann wird der Bedarf festgestellt, die zuständigen Mitarbeiter engagieren sich sehr, Ideen werden gesammelt, Pläne entwickelt, Konzepte erstellt. Und dann greift der Stadtkämmerer ein und verzögert die Entwicklung, weil er auf der Suche nach einem Zuschussprogramm ist", sagt die Familienbeiratsvorsitzende. Doch Kita-Plätze müssten geschaffen werden - mit oder ohne Förderung.

Das bewertet Glüsenkamp anders: "Ohne Fördermittel können wir solche Projekte noch schwerer realisieren." Tatsächlich sei aber viel in Bewegung. So befinde sich das Vorhaben am Gaustadter Ochsenanger "auf der finalen Spur". Von einer zwischenzeitlich dort vorgesehenen städtischen Trägerschaft sei man jedoch wieder abgekommen, da diese zusätzliches Personal binden würde.

Freilich hat sich der Zeitplan für einzelne Vorhaben immer wieder verändert. So verschiebt sich beim Offizierscasino die Bauzeit wegen "statischer Probleme" oder für St. Johannes werden "aktuell Verzögerungen" gemeldet. Für Uta von Hasselbach "könnte man in Bamberg den Eindruck gewinnen, dass man hier froh über jede Hürde ist, weil durch die Verzögerung Folgekosten im laufenden Betrieb gespart werden können."

Wie viele Plätze werden fehlen?

Für Glüsenkamp ein nicht nachvollziehbarer Vorwurf: "Weil es einen Rechtsanspruch auf Kita-Plätze gibt, ist es unser ureigenstes Interesse, diese Plätze zu schaffen." Und wenn viele Eltern ihrem Beruf nachgehen können, profitiere auch die Stadt davon. Im Familiensenat hat der Zweite Bürgermeister kürzlich von einer zehnprozentigen Unterdeckung an Krippenplätzen bis 2023 gesprochen. Ende 2021 würden nach städtischen Prognosen noch 65 Kindergarten- und 183 Krippenplätze fehlen. Von Hasselbach geht von größeren Lücken aus, da die Nachfrage deutlich gestiegen sei. Sie fürchtet, dass sich die Kita-Situation trotz vieler Absichtserklärungen so schnell nicht verbessern wird. Es fehle an neuen Akzenten und vor allem Durchsetzungsvermögen.

Glüsenkamp zeigt sich da optimistischer. Es liege in der Natur der Sache, dass zu Beginn der Kita-Offensive Zeit für Abstimmung und Planung gebraucht wurde. Doch in den kommenden Jahren würden 437 neue Plätze geschaffen. "Es wäre schön, wenn diese Geschwindigkeit auch in anderen Bereichen möglich wäre."