Puuuh, schwitzt Ihr auch so gewaltig, in diesen Ferientagen? Was machen da erst Leute, die jetzt noch arbeiten müssen, womöglich an Maschinen, an denen es über 40 Grad oder noch heißer ist? Oder die, die draußen beschäftigt sind? Für die ist es heftig - aber meistens sind sie an die Hitze gewöhnt. Und sie können selbst entscheiden, wann und womit sie sich Abkühlung verschaffen.


Fell lässt sich nicht ausziehen

Aber was ist, wenn man in einem Pelz steckt, den man nicht ausziehen kann, und es nicht immer selbst in der Hand (beziehungsweise der Pfote) hat, wo man hingehen oder bleiben will? Wenn man ein Hund ist?

Die Natur hat das schon gut eingerichtet, dass ein Hund sowohl im eisigen Winter als auch an warmen Sommertagen mit seinem Fell klarkommt. An warmen Tagen. Nicht aber in der höllischen Hitze, die zum Beispiel im Innenraum eines in der Sonne abgestellten Fahrzeugs herrscht.

Bestimmt habt Ihr auch schon mal eine Meldung gelesen, dass Hunde oder gar kleine Kinder aus völlig überhitzten Autos gerettet werden mussten. Die allermeisten Hundebesitzer und erst recht fast alle Eltern sind so fürsorglich und lassen an heißen Tagen niemanden im Auto warten - auch nicht für ganz kurze Zeit. "Aber das Fenster war ein großes Stück offen!", verteidigen sich diejenigen, die es eben doch machen.

Es reicht nicht. Es reicht ganz und gar nicht! Das darf unter keinen Umständen vorkommen, an Tagen, die so heiß sind wie die in dieser Woche. Das zeigt ein kleiner Test.


Kein Parkplatz im Schatten frei

Die Bedingungen sollen so echt wie möglich sein. Also nicht etwa in ein Auto setzen, das schon drei Stunden in der prallen Sonne gestanden hat. Deshalb führt mein Weg zu einem Supermarktparkplatz. Abstellflächen im Schatten sind dort keine frei, kurz vor 16 Uhr.

Genau wie es jeden Tag hunderttausendfach vorkommt, wird die Situation sein: jemand geht "mal kurz einkaufen", jemand anderes soll im Wagen warten. Es ist ein weißes Auto - keines, das sich aufgrund seiner dunklen Lackfarbe extrem aufheizt.


Nicht auf einem "Platz an der Sonne"

Ich habe die aktuelle Zeitung mitgenommen, damit mir nicht langweilig wird, und mache es mir dort gemütlich, wo auch ein Hund oder ein kleines Kind sitzen würde: auf der Rückbank. Auf den Platz hinter dem Fahrersitz kommt die Sonne nicht hin. Das Fenster der Beifahrertür ist einen etwa zehn Zentimeter breiten Spalt offen.
Vorher, während der Fahrt, war die Klimanlage an. Das Thermometer "sitzt" auch mit hinten. Auf einem kleinen Podest aus Klorollen-Pappkern, denn es soll nicht direkt mit dem warmen Polster Kontakt haben.

Die Zeitung ist interessant, das Lesen macht Spaß. Bis zur Minute 5 bewegt sich die Nadel des Messgeräts nur langsam in Richtung 40-Grad-Marke. Obwohl draußen ein leichter Wind weht, kommt durch den Fensterspalt davon auf dem Rücksitz nichts an.

In Minute 10 ist mein Gesicht tropfnass. Die dicksten Schweißperlen kommen von der Stirn, rinnen durch die Augenbrauen, bleiben an den Wimpern hängen und platschen von dort auf die Wangen. Der Körper versucht, sich Kühlung zu verschaffen. Flüssigkeit, die auf der Haut verdunstet, hat diesen Effekt. Ohne Luftzug und ohne Bewegung funktioniert das aber nicht so richtig.

Wenn ich ein Hund wäre, könnte ich nicht schwitzen. Hunde hecheln nur. Das heißt, sie ziehen mit offenen Maul stoßweise Luft in den Rachenraum. Über ihre Zunge können sie dann doch etwas Verdunstungskälte erzeugen. Die Thermometernadel marschiert zügig auf die 50 zu.


Konzentrieren? Gar nicht einfach!

Warum komme ich mit dem Zeitungsartikel eigentlich nicht so richtig voran? Immer wieder fange ich neu an. Die Konzentration lässt nach, in Minute 15. Interessanter ist es stattdessen, das Wachsen der Schweißtropfen auf meinem Unterarm zu beobachten. Die Kleidung ist patschnass geschwitzt.

Schluss, keine Lust mehr zum Lesen! Die Zeitung fliegt auf den Beifahrersitz. Das Herz klopft schon seit einer ganzen Weile schneller und angestrengter. Es ist, als ob man es in den Ohren pochen hört. Ob es nun 52 Grad oder mehr sind, in Minute 20, ist mir egal. Ich fühle mich mies.

Die Erkenntnis, dass durch die Nase atmen nicht mehr reicht, stellt sich spätestens in Minute 25 ein. Oder war das schon früher? Angestrengt nachdenken mag ich jetzt nicht. In den Ohren rauscht es, im Kopf stellt sich ein Schwindelgefühl ein, der Kreislauf rebelliert.

Wie lange dauert wohl "mal kurz einkaufen gehen" (die Test-Ausgangssituation)? Eine knappe halbe Stunde etwa. Und deshalb reicht's jetzt auch. Es reicht wirklich!


Was wäre wenn ...

Ich habe nicht auf einem Platz im Auto sitzen müssen, auf den die Sonne scheint. Ich bin kein Hund. Ich bin kein kleines Kind. Ich kann die Tür aufmachen (die 33 Grad Außentemperatur sind herrlich erfrischend) und zum in der Kühltasche mitgebrachten, nassen Handtuch greifen. Was wäre wenn...

Nach Hause kommen, was trinken, duschen, ausruhen. Das war der Plan. Doch aus dieser Reihenfolge wird nichts. Aus dem Auto, durch den kühlen Keller, hoch zur Wohnung. Uii. Auf der Treppe erstmal: festhalten am Geländer und Pause machen.

Statt an den Kühlschrank geht's auf die Couch. Schnurstracks! Auch im Liegen scheint sich für ein paar Minuten die Umgebung zu drehen. Nach einer Viertelstunde ist alles wieder in Ordnung - für einen erwachsenen, kräftigen Menschen. Ich bin froh darüber, überlege aber auch: Wäre ich ein älterer Hund mit schwachem Herzen, wäre ich möglicherweise jetzt tot.

Dieser Text ist in unserer Print-Ausgabe auf der Kinderseite erschienen. Sonst würden wir unserer Leser natürlich nie duzen.