Der Tag beginnt mit Betten machen. Das gilt für die Bundeswehr und das gilt auch für das Seniorenzentrum St. Elisabeth. Allerdings macht Maximilian Schreiter dort nicht sein eigenes Bett, sondern die Betten hochbetagter Heimbewohner. Es ist eine besondere Zeit, für ihn wie für sie.

Der 24-jährige Feldwebel wird sonst im Panzerbataillon 104 in Pfreimd in der Oberpfalz eingesetzt. Nun hat er sich freiwillig gemeldet, angesichts der Corona-Krise in der Pflege unterstützend einzugreifen. "Ich konnte mir vorstellen, dass wir den Pflegern einige allgemeine Tätigkeiten abnehmen können - und die fehlenden Angehörigen vielleicht ein klein wenig ersetzen." Er trifft auf Heimbewohner, die wegen besagter Krise seit Wochen keinen persönlichen Kontakt mit ihren Familien haben können.

Dass gut 30 junge Soldaten den Bewohnern von elf Einrichtungen in Stadt und Landkreis ein wenig über die schwere Corona-Zeit hinweghelfen, ist einem Antrag des Landrats zu verdanken. Der hatte als Leiter des Krisenstabs die Bundeswehr um Amtshilfe gebeten, nachdem es im Landkreis auch coronabedingte Pflegeengpässe gab. "Unsere Pflegekräfte leisten Unglaubliches und gehen an die Grenze - aber es reicht dann manchmal trotzdem nicht aus", sagt Johann Kalb.

Seit dem Osterwochenende lesen nun Panzerkommandant Schreiter und seine Kameraden den Senioren morgens aus der Zeitung vor, sie decken Tische, reichen Getränke, helfen beim Telefonat mit den Verwandten - und hören viel zu. "Ich habe noch nie soviel Schokolade geschenkt bekommen", sagt Schreiter schmunzelnd.

Der Sohn einer Krankenschwester musste nicht erst in Scheßlitz lernen, was in der Pflege geleistet wird: "Das ist kein einfacher, aber ein sehr wichtiger Beruf." In kürzester Zeit ist Schreiter zum begehrten Gesprächspartner vieler Heimbewohner geworden. "Ich kann mich nicht zerteilen, aber ich versuche, mit möglichst vielen zu reden."

Und so ergibt sich aus dieser außergewöhnlichen Konstellation eine besondere Form des Miteinanders, von der Heimbewohner, Pflegende und auch die Soldaten profitieren. Schreiter betont, dass er nicht pflegerisch tätig sein könne, weil er dafür nicht ausgebildet ist. Und doch erfüllt er eine wichtige Aufgabe, für die er mehr Zeit zur Verfügung hat als das stark eingespannte Pflegepersonal. "Man merkt schon, dass sich die Stimmung der Bewohner in den vergangenen Tagen deutlich gehoben hat." Dazu habe auch ein Kamerad beigetragen, der gelegentlich für die Senioren Klavier spielt. Nahezu alle Bewohner reagieren positiv auf die jungen Helfer. "Viele freuen sich so sehr, auch wenn ich nur einmal am Tag vorbeischauen kann. Das geht mir schon ein bisschen nah", sagt Schreiter.

Dass in den Heimen nur Soldaten eingesetzt werden, die sich freiwillig dafür gemeldet haben, betont Oberstleutnant Christian Gogolla, dessen zehnte Panzerdivision Veitshöchheim die Einsätze in sechs Bundesländern, vom Saarland bis nach Sachsen, koordiniert. Die Unterstützung für die Pflegenden im Landkreis Bamberg gehört dazu. Voraussichtlich bis zum 15. Mai werden die Soldaten auch in Scheßlitz eingesetzt sein.

Etwas zurückgeben

Hätte Gogolla sich träumen lassen, dass seine Panzerkommandanten einmal als Pflegehelfer einspringen? "Die ganze Situation, die wir derzeit haben, hätte sich vor zwei Monaten kaum einer vorstellen können. Aber wir haben die Möglichkeiten, die Manpower und die Strukturen - und deshalb machen wir das hier."

Für Maximilian Schreiter wird es ein Engagement auf Zeit bleiben. Sein Beruf als Panzerkommandant mache ihm sehr viel Spaß. Aber in Scheßlitz könne er helfen, die Tätigkeit sei eine gute Abwechslung und er bekomme einmal einen ganz anderen Blickwinkel.

"Die älteren Menschen haben unser Land mit aufgebaut und lange genug gearbeitet", sagt der 24-Jährige. "Deshalb sollten wir ihnen auch etwas zurückgeben." Auch heute wird er wieder viele Betten machen - und für zahlreiche Senioren ein offenes Ohr haben.