Klar, das Weltkulturerbe ist ein einziges Museum, öffentlich gut sichtbar und im Fokus der Denkmalpflege. Doch "nur wenige nehmen das versteckte Erbe hinter den historischen Fassaden wahr, nämlich das in den Museen und ihren Depots", meint Dombergkoordinatorin Birgit Kastner. Umso motivierter sind sie und die Museumsleitungen, ihre Schätze, Sammlungen und Schauräume einmal geballt zu präsentieren: und zwar am kommenden Sonntag, 17. Mai, der als 38. Internationaler Museumstag weltweit unter dem Motto steht "Museum. Gesellschaft. Zukunft."

Bei freiem Eintritt kann jeder Interessierte die Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen: "Die Besucher lernen, nicht nur die Schönheit der Kunstwerke zu bewundern, sondern auch geschichtliche Zusammenhänge und eigene kulturelle Wurzeln zu verstehen", erklärt Birgit Kastner den Sinn dieses Museumstages.

Schon Kinder bekommen die Chance, sich Kunst unbefangen zu nähern: spezielle Kinderführungen, Bastelaktionen, Museumsrallyes und mehr versprechen eine spannende Spurensuche nach dem kulturellen Erbe. Überhaupt eignet sich der Museumstag für einen Ausflug mit der ganzen Familie. Selbst an ausländische Bürger oder Menschen mit Migrationshintergrund ist gedacht, um sie für die Museen sowie die Stadt- und Kunstgeschichte Bambergs zu begeistern: Erstmals werden Führungen in arabischer und russischer Sprache angeboten.

Die große Besonderheit und Ausnahme ist die Erlaubnis für "Selfie"- und Videoaufnahmen mit dem Smartphone in den Dombergmuseen. Für 14- bis 21-Jährige lockt ein Video-Wettbewerb, der dazu anregen soll, ganz persönliche Eindrücke zu filmen. Auch das Naturkundemuseum in der Fleischstraße setzt auf gesunde Konkurrenz und lobt einen Fotowettbewerb mit attraktiven Preisen aus.

Auch für Bamberger, die meinen, die Museen schon gut zu kennen, gibt es Neues zu erkunden. In der Sammlung Ludwig im Alten Rathaus zum Beispiel werden Museumschefin Regina Hanemann, Bürgermeister Christian Lange (CSU) und Kuratorin Eva Schurr um 11 Uhr die Sonderausstellung "Paradiesvogel - Vogeltraum" eröffnen. In dieser Präsentation werden Porzellan und Fayence mit Vogelmotiven den Messerschnitten von Hans Lankes gegenüber gestellt. Der Künstler, der mit dem Messer "zeichnet", tritt mit seinen Werken nicht als Ornithologe auf, sondern als fantasiereicher Schaffer von außergewöhnlichen Vogelbildern.

Neuland betreten können die Besucher auch im Historischen Museum in der Alten Hofhaltung: Die dritte Etage, die bisher leer stand, ist nun mit der Dauerausstellung "Jüdisches in Bamberg" bestückt. Direktorin Hanemann zeigt sich "sehr glücklich über diese Belebung". Zumal es eine Herausforderung gewesen sei, die Ausstellungsarchitektur in den niedrigen Räumen zu gestalten und ein "wichtiges Kapitel aus der Bamberger Stadtgeschichte ansprechend aufzuschlagen".

Die Ausstellung "Jüdisches in Bamberg" war bereits 2013/14 in der Stadtgalerie Villa Dessauer zu sehen. Allerdings ist die jetzige Schau im Historischen Museum etwas verkleinert, einige Leihgaben aus Privatbesitz fehlen. Dafür kann der "Schönbornsche Löwenpokal" bewundert werden, ein Prunkstück großbürgerlicher Sammelkultur, aber auch ein Zeichen des verantwortungsvollen Umgangs mit dem während der Zeit des Nationalsozialismus begangenen Unrechts an jüdischen Bürgern. Der Silberpokal "ist ein starkes Symbol der Wiedergutmachung und offensiven Auseinandersetzung mit der dunklen Geschichte" betont Museumsvolontär und Historiker Tobias Schmid, der für die handwerkliche Umsetzung der neuen Dauerausstellung verantwortlich zeichnet.

Übrigens: Dombergbesteiger werden sich an diesem Museumstag kaum zwischen Diözesanmuseum, Historischem Museum und der Neuen Residenz mit Staatsgalerie und Staatsbibliothek verlaufen können: Auch in diesem Jahr verbindet der fast zwei Kilometer lange "rote Faden", den fleißige Bamberger 2014 gehäkelt und gestrickt haben, die Kultureinrichtungen.

Das Programm des Museumstages finden Sie unter:
www.domberg.bamberg.de
www.museum.bamberg.de
www.naturkundemuseum-bamberg.de
www.etahg.de/de/etahaus (E.T.A.-Hoffmann-Haus, Schillerplatz 26)
www.uni-bamberg.de/islamart/universitaetsmuseum-fuer-islamische-kunst/ (Austraße 29)