TTL ist keine Familie elektronischer Komponenten (Transistor-Transistor-Logik), kein Header-Feld des Internet-Protokolls (Time to Live) und auch keine Methode der Belichtungsmessung (Through the Lens) wie man im weltweiten Netz vermutet, im süddeutschen und ganz besonders im fränkischen Raum ist TTL als Tapeten-Teppichbodenland seit fast vier Jahrzehnten ein Begriff.

In Bamberg beinhaltet TTL noch eine sportliche Note, denn die Profi-Basketballer trugen zehn Jahre lang diese Initialen im Vereinsnamen mit dem "Sahnehäubchen" 1992 Deutscher Pokalsieger. Noch heute gibt es eine TTL-Basketball-Abteilung, die dem Jugend- und Breitensport verschrieben ist und erst vor kurzem am ersten Juni-Sonntag bundesweit für nationale Schlagzeilen gesorgt hat. Die TTL U14-Mannschaft wurde Deutscher Meister.

Dass dieser Titel exakt 25 Jahre gelang nachdem einer der bedeutendsten Unterstützer und Gönner des Bamberger Basketballs, Hauptgesellschafter Heinz Fuchs als "Macher im Hintergrund", Flagge zeigte, als der FC Bamberg in große finanzielle Nöte geriet und das Bundesliga-Geschäft vor dem Aus stand, ist eine besondere Note.

Neben dem damals sehr erfolgreichen Bayer Leverkusen war der TTL Bamberg der einzige Verein im Profisport, bei dem der Firmenname im Vereinsnamen auftauchte. "Das war schon eine Riesengeschichte", blickt Fuchs zurück.

Bleibt die Frage: Was brachte ihm das jahrzehntelange, großzügige Engagement als Sponsor und Mäzen? "Vom Endverbraucher her hat es sich nicht spürbar ausgewirkt. Doch die Reputation bei der Industrie und Geschäftsfreunden war im immens." Untern Strich: Ein erheblicher Image-Gewinn für das Unternehmen, das heute noch in Bamberg mit dem Basketballsport sehr positiv in Verbindung gebracht wird.

Das TTL-Kerngeschäft startete schon lange vor dem "Basketball-Kontakt" Mitte der 70er-Jahre in der Unteren Königsstraße, dann bereits nach sechs Jahren der Umzug ins Hallstadter Gewerbegebiet. Wer in der Emil-Kemmer-Straße unterwegs ist, dem sticht nicht nur das neue Verwaltungsgebäude, sondern die zwischen diesem Neubau und der bekannten Verkaufsstätte gelegene neue Halle mit über 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche ins Auge.

Fünf Monate Bauzeit
Die Neubaugedanken gab es über 15 Jahre lang - nun wurden Nägel mit Köpfen gemacht. In gerade mal fünf Monaten schoss das Verwaltungszentrum, zuständig für 90 Filialen mit 1400 Beschäftigten (darunter unter anderem 250 Verleger, 300 Näherinnen und 150 Azubis), aus dem Hallstadter Boden. An diesem Expansionsstandort schlagen nun die Herzen von TTL und der Partner-Firma TTM (Tapeten-Teppichboden-Markt): Einkauf, Marketing, Buchhaltung wurden zentralisiert, um die Arbeit der GmbH effektiver zu gestalten.

Neben dem "Klassiker" Bodenbeläge Form rückte in den letzten Jahre die Fenstergestaltung, sprich: Gardinen und Sonnenschutz, in den Fokus. "Wir wollen nicht um jeden Preis expandieren. Da wird je nach Standort spezifisch analysiert. Erfreulich ist, dass 70 Prozent der Objekte Eigenbestand sind", gibt Verwaltungs-Geschäftsführer Heinz Fuchs die Richtung vor.

Entgegen vieler anderer Sparten trifft TTL das Internet kaum, auch wenn es eine neu gestaltete Homepage gibt. "Das ist nicht so das Thema, unser Sortiment ist nicht besonders internetfähig. Da unsere Kunden 80 Prozent Maßarbeit wünschen, setzen wir auf Fachpersonal und Service", bestätigt Matthias Loewel (18 Jahre bei TTL), Marketingleiter und Einkäufer Gardinen und Sonnenschutz alles in einer Person, die Synthese Fachmarkt und Beratungsintensität.

Wer bei Gardinenherstellung an Niedriglohnländer denkt, muss sich belehren lassen, denn 70 Prozent werden in Bayreuth und Hof, um nur zwei deutsche Standorte zu nennen, mit sehr hohem Automatisierungsgrad produziert. Fernost spielt auch beim Teppichboden keine herausragende Stellung, hier nennt Loewel insbesondere die Beneluxstaaten und die Türkei.

Prospekte kommen per Post
Einen Extra-Weg hat TTL im Marketingbereich eingeschlagen: Hohe Effektivität verspricht die allmonatliche Verteilung des TTL-Prospekts mit einem Boten, sprich: Briefträger. Eine kostenintensive, aber wirkungsvolle Variante.

Da Handel mit Wandel einhergeht, hat das Duo Fuchs/Loewel zusammen mit Thomas Huppertsberg (Geschäftsführer TTL-Nord GmbH) alles unternommen, die gesamte Atmosphäre im neuen Verkaufszentrum zu verbessern. Mit Umzug und dem Neustart am 1. August wird das Team weiter verstärkt. Derzeitiger Höchststand: 40 Beschäftigte in Hallstadt.