Seine Schlamperei wäre einem 66-jährigen Mann aus dem Landkreis Bamberg beinahe zum Verhängnis geworden. Er hatte die Pachtgelder für Fischereirechte nicht rechtzeitig an die Uferanlieger eines Baches ausbezahlt. Vor das Amtsgericht Bamberg kam der Fall, weil einer der Grundstückseigentümer pensionierter Polizeibeamter ist, der auf seine zehn Euro pro Jahr nicht noch einmal sechs Jahre warten wollte.

40 Jahre lang geht alles gut. Ein reicher Arzt aus Bamberg zahlt 1350 Euro im Jahr. Dafür darf er in dem Gewässer "Fische, Neunaugen und Krebse sowie Fluss-, Teich- und Perlmuscheln hegen, fangen und sich aneignen". So steht es im Bayerischen Fischereigesetz. Die rund zwei Dutzend Eigentümer der Ufergrundstücke erhalten je nach Größe ihres Abschnittes einen Anteil am "Fischwasser-Geld".

Das Problem ist nur, dass innerhalb dieser Verpächter-Gruppe überhaupt nichts schriftlich geregelt ist. Es gibt weder einen Vertrag noch eine Satzung. Es existiert kein Verein und schon gar kein Konto. Alles wird mit Bargeld in Umschlägen etwas hemdsärmelig gehandhabt.

"Wie man das früher auf dem Dorf eben geregelt hat", so Rechtsanwalt Horst Müller aus Goldkronach. Der Jurist konnte weder eine Unterschlagung, noch eine Untreue erkennen. Keinem sei ein Vermögensschaden entstanden.

Sein Mandant sei nur in Verzug geraten. Das Geld habe der nicht für sich behalten wollen, sondern nur verschlampt.

Nur knapp vorbei

Diese unklaren Regelungen wurden nun beinahe demjenigen zum Verhängnis, der die Pacht eintreibt und an die Uferanlieger verteilt.

Keine Vereinbarung

Das Problem: Nirgends ist festgehalten, wann die Gelder fließen sollen. Jährlich, alle zwei Jahre oder in noch größeren Abständen? So entstand seit 2013 ein Stau, den der Angeklagte mit einer schwerkranken Ehefrau und einem pflegebedürftigen Vater sowie mit den beruflichen Belastungen als Landwirt erklärte.

"Sie können doch nicht erwarten, dass die Leute sechs oder 16 Jahre auf ihr Geld warten", ärgerte sich Staatsanwalt Patrick Keller.

Seit vier Jahren hatte einer dieser zahlreichen Uferanlieger, ausgerechnet ein pensionierter Polizeibeamter, immer wieder vergeblich darum gebeten, das "Fischwasser-Geld" endlich weiterzuleiten. Als er vom Angeklagten, mit dem er als Nachbar nicht das beste Verhältnis hatte, immer wieder zum Teil frech abgewiesen worden war, platzte dem 65-jährigen Mann der Kragen.

"Er hatte ständig Ausreden. Es zog sich immer länger hin." Kurzerhand zeigte er den Geldverwalter, mit dem er zusammen zur Schule gegangen war, wegen Untreue an. Staatsanwalt Keller sah sehr wohl einen Vermögensnachteil, da die Uferanlieger nicht über das Geld verfügen konnten, etwa um es gewinnbringend anzulegen. "Auch wenn es sich im Einzelnen um Pimperles-Beträge handelt."

Am Ende stellte Strafrichter Fahr das Verfahren gegen eine Geldauflage von 5000 Euro zugunsten des Vereins "Lifeline" Bamberg ein. "Wir reden hier ja nicht davon, dass Sie ein großer Betrüger sind", so der Richter am Amtsgericht.

Keine Verurteilung

Aber einfach das Geld behalten, das gehe eben auch nicht. Damit ersparte man dem bislang unbescholtenen Angeklagten eine Verurteilung, die wohl bei über einem Jahr zur Bewährung gelegen hätte.

Zumal die seit sechs Jahren ausstehenden Summen inzwischen alle bei ihren rechtmäßigen Empfängern angekommen sind und der Angeklagte angekündigt hat, sein Ehrenamt nicht weiter ausüben zu wollen. Dass er etwas falsch gemacht haben könnte, daran verschwendete er im Laufe des Prozesses freilich keinen Gedanken.