Abdo Raad klingt müde am Telefon, erschöpft von den Anstrengungen nach der verheerenden Explosion in Beirut. Der libanesische Priester, der mit Stegaurachs Pfarrer Walter Ries eng befreundet ist, setzt alle Hebel in Bewegung, um mit seinen Ehrenamtlichen Überlebenshilfen in dem Chaos zu organisieren.

"Es sind viele Freiwillige unterwegs, um Elektrizität herzustellen, um Wasser und Nahrung zu bringen", berichtet Abdo Raad. Vor allem für die Verletzten, die Schlange stehen müssen vor den Krankenhäusern, die nicht völlig zerstört sind "von der kleinen Atombombe" oder nicht "mit Corona-Patienten belegt sind", sagt der 55-Jährige sarkastisch. Und nennt die neuesten Zahlen: Durch die Detonation am Hafen starben mindestens 137 Menschen, 5000 wurden verletzt. In den von der Druckwelle zerstörten Häusern wurden etwa 300 000 Einwohner obdachlos.

Nach der Explosion in Beirut: Libanesischer Priester berichtet von der Lage vor Ort

Noch unklar ist, wie viele Menschen ihren Arbeitsplatz am Hafen - dem Umschlagplatz für den Warenaustausch zwischen dem Orient und Okzident - verloren haben. Fest steht, dass ein Großteil der libanesischen Getreidevorräte vernichtet ist.

"Der Hafen liegt in Trümmern, direkt ein Symbol für den gegenwärtigen Zustand des ganzen Landes", sorgt sich Pfarrer Ries um den Libanon, den er wiederholt und zuletzt vor den Corona-Beschränkungen Ende Februar besucht hat.

Sein Freund Abdo liefert ihm aktuelle Informationen, Videos, Fotos: "Erschütternd, als ob die gegenwärtige Wirtschafts- und Corona-Krise nicht schon schlimm genug wären. Jetzt kommt diese Katastrophe auch noch hinzu", sagt Ries fassungslos.

Pfarrer Walter Ries aus Stegaurach und Priester Abdo Raad kennen sich aus Studienzeiten

Bei aller Betroffenheit bleibt der Pfarrer nicht tatenlos. Schon vor zwei Tagen kümmerte er sich darum, dass die Spendengelder der Stegauracher für den Libanon umgehend überwiesen werden: 4500 Euro Soforthilfe an den Verein "Annas Linnas", den Abdo Raad gegründet hat. Und der Menschen in Not unterstützt - unabhängig von Herkunft oder Religion. Auf fränkischer Seite findet der Verein mit seinen verschiedenen Projekten besonderen Beistand durch Andreas Höllein und Konrad Gottschall, die mit Pfarrer Ries mehrfach im Libanon waren.

Pfarrer Ries weiß, dass mit diesen 4.500 Euro nicht die verwüsteten Häuser aufgebaut werden können. Doch mit dem Geld könnten Lebensmittel, Benzin oder Telefonkarten bezahlt werden.

Für seinen Freund Abdo ist diese Hilfsbereitschaft ein wertvolles Zeichen der Solidarität: "Hoffnung geben ist wichtig wie Essen", betont er. Über das rein Materielle hinaus bittet Abdo Raad um das Gebet für sein Land, "das noch nie so viel Leid erfahren hat wie in diesem Jahr". Das Gebet sei "ein positiver Akt der Solidarität, eine große Kraft und bedeutet Liebe", fügt der melkitische griechisch-katholische Priester hinzu.

Auch Erzbischof Ludwig Schick, zutiefst getroffen von der Katastrophe in einem Land, das er gut kennt, belässt es nicht bei frommen Wünschen, sondern wird konkret: "Wenn Menschen in Not sind, müssen wir helfen, dazu kann jeder und jede beitragen." Das Erzbistum Bamberg geht mit gutem Beispiel voran und stellt aus seinem Katastrophenfonds 50.000 Euro bereit, die an die Caritas Libanon überwiesen werden.

Erzbischof Ludwig Schick unterstützt die Forderungen nach Aufklärung

Als "Außenminister" der Deutschen Bischofskonferenz verbindet Schick mit Gebet und Tat auch politische Forderungen: Zum einen müsse die internationale Staatengemeinschaft dazu beitragen, dass der Libanon ("Das Herz des Nahen Ostens") politisch stabilisiert werde.

Wenn das nicht geschehe, "wird es gefährlich für die ganze Region", so Weltkirche-Bischof Schick. Zum anderen unterstütze er Forderungen nach einer Klärung der Katastrophe nicht nur innerlibanesisch, sondern durch eine internationale Expertenkommission, "um einen Wall gegen Gerüchte zu bauen". Denn noch müsse offen gelassen werden, "ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handelt", so der Erzbischof.

Beunruhigt zeigt sich Schick über die Lage der rund zwei Millionen Flüchtlinge. Schon vor der Explosion sei deren Lage mehr als prekär gewesen: "Jetzt wird die Hilfe für sie noch spärlicher", sagt der Erzbischof.

So können Sie Beirut helfen

Spenden für den Verein "Annas Linnas" von Abdo Raad werden ohne einen Cent Abzug überwiesen. Das Konto der Katholischen Kirchenstiftung Stegaurach: IBAN DE29 7706 2014 0002 5170 94, Verwendungszweck: Libanon. Spendenbescheinigungen für das Finanzamt werden ausgestellt.