Zwei Jahre nach dem U15-Länderspiel wieder internationale Atmosphäre im Fuchs-Park-Stadion: An den 6:0-Kantersieg am Freitag gegen die Schweiz in Schweinfurt konnten die deutschen U17-Fußballerinnen am gestrigen späten Nachmittag vor 1200 meist jugendlichen Fans nicht anknüpfen und mussten sich mit einem 0:0 gegen die Auswahl der Niederlande begnügen. So kommt es am Mittwoch (11 Uhr) in Großbardorf zu einem Endspiel in der Qualifikationsgruppe 6 um die begehrten EM-Tickets gegen die Belgierinnen, die gestern über ein 1:1 gegen die Schweiz nicht hinauskamen.
Eine volle Haupttribüne, "Indian Summer"-Gefühl, beste Bedingungen; was fehlte, waren letztlich nur Tore. Nahezu Einbahnstraßen-Fußball 80 Minuten lang Richtung Niederländer-Tor, 13:0 Schüsse auf den Kasten und 8:0 Ecken sprechen Bände.
"Ob die nicht alle mal zum Augenarzt müssen?", fragte sich Bundestrainerin Anouschka Bernhard nach Spielende und meinte damit sicher nicht die vergebenen Torchancen, sondern viel mehr die sehr hohe Fehlerquote im Spielaufbau.
"Natürlich hatten wir mehr vom Spiel, die Niederländerinnen haben diszipliniert gespielt und nur auf Konter gelauert. Dies war auch ein wesentlich gefährlicherer Gegner als die Schweiz." Bernhard versprach, aus diesem Spiel die richtigen Lehren zu ziehen, um bei der Europameisterschaft in England dabei zu sein.
Stadionsprecher Günter Blenk hatte sich an seinem 71. Geburtstag wohl einen arbeitsreicheren Nachmittag gewünscht, als nach den Aufstellungen nur noch Auswechslungen und die Zuschauerzahl zu vermelden. Dabei war er von der UEFA-Dame aus Weißrussland so gut "gebrieft" worden. Alles perfekt vorbereitet: "Spielminute, dann Deutschland geht mit 1:0 in Führung, die Torschützin mit Nummer, zuerst in Deutsch, dann Englisch." Letztlich alles umsonst. Dennoch freuten sich nicht nur die Bamberger Verantwortlichen mit FC-Vorstand Mathias Zeck an der Spitze ("mit dem Verband und der Stadt verlief alles unkompliziert, auch wenn wir erst Anfang September Bescheid bekamen"), sondern auch Bezirksvorsitzender Karl-Heinz Bram (Marktzeuln). "Mit der gesamten Veranstaltung bin ich sehr zufrieden. Ich sehe die Länderspiele als Auszeichnung für den Bezirk und den Verein. Das tut schon gut, wenn damit eine gewisse Anerkennung der Arbeit geleistet wird." Sein Vorgänger im Amt, der Hallstadter Karl Fleischer, freute sich über die rasante Entwicklung des Mädchenfußballs und war trotz des 0:0 vom Spielniveau angetan.
So ging es sicherlich den meisten Zuschauern, die ebenfalls die "Power" im Spiel sahen, aber doch immer lautstark aufseufzten, wenn die Gastgeberinnen wieder einmal den Ball vertändelten und so die Strafraumgrenze oft die Endstation war. Torhüterin Vivien Brandt verbrachte einen geruhsamen Nachmittag, hatte aber auch das notwendige Quäntchen Glück, als zwei Konter der "Oranjes" nur knapp das Ziel verfehlten.
Jeweils drei größere Möglichkeiten pro Halbzeit besaßen die Favoritinnen, es begann mit einem satten Schuss im Fünfmeter-Raum, abgefeuert von Jasmin Sehan, die jedoch in Paulina Quaye ihre Meisterin fand. Die Spielführerin sorgte mit Abstand für die größte Gefahr, aber auch Leonie Stenzel hatte das erlösende 1:0 auf dem Fuß.
Sehr zufrieden zeigten sich die Bundestrainerin ("gute Kulisse") und alle Verantwortlichen ob der Kulisse. Im wahrsten Sinne des Wortes eitel Sonnenschein nach dem regnerischen Auftakt in Schweinfurt. Etwas Neid kam da schon bei Zeck und Blenk auf. "Da wären wir mehr als froh", und meinten die gestrige Juniorinnen-Kulisse beim Regionalliga-Derby des FC Eintracht Bamberg 2010 gegen die Kickers aus Würzburg am Dienstag (18.30 Uhr).
Deutschland: Brandt - Brandenburg, Karl, Felhauer, Matheis (41.Özkanca), Meier, Widak (41. Beuter), Sehan, Stenzel, Walking, Ott
EM-Qualifikationsgruppe 6, in Schweinfurt: Belgien - Niederlande 1:0, Deutschland - Schweiz 6:0; in Bamberg: Deutschland - Niederlande 0:0, Schweiz - Belgien 1:1; Mittwoch, 11 Uhr: Belgien - Deutschland (in Großbardorf), Niederlande - Schweiz (in Schweinfurt)