"Vor zwei Jahren konnte sich keiner vorstellen, dass alles innerhalb von einem Jahr zusammenbricht", sagt Olena Roshkova und schaut dabei ganz traurig. Die zierliche junge Dame bedauert außerordentlich, dass die Basketball-Europameisterschaft in diesem Jahr nicht wie vor zwei Jahren geplant in ihrem Heimatland, der Ukraine, stattfindet. "Damals habe ich geschrien vor Glück, dass wir die Eurobasket erhalten haben. Meine Familie hätte endlich einmal sehen können, was eine Europameisterschaft für unser Team bedeutet." Roshkova ist die Chefin der Tanzgruppe Red-Foxes, die während der Spielunterbrechungen auf dem Spielfeld die Zuschauer entzückt.

Nun bedauert die resolute Direktorin, dass die instabile politische Situation in der Ukraine dazu geführt hat, dass die EM auf vier verschiedene Länder aufgeteilt wurde. Auch NBA-Trainerlegende Mike Fratello, 2013 noch Coach der Nationalmannschaft, war nicht mehr zu halten. "Der Verband hatte nicht mehr das Geld, um ihn zu zahlen", weiß Roshkova. Die Mannschaft schied in der Vorrunde aus.


Drei Olympioniken im Team

Die Red-Foxes sind seit 2001 weltweit unterwegs. Als Profis treten sie bei den verschiedensten Veranstaltungen auf, vorwiegend bei Sport-Events. Denn vom Sport kommen die meisten Mädchen. "Einige kommen vom Volkstanz oder klassischem Ballett, der überwiegende Teil aber aus der rhythmischen Sportgymnastik", erzählt Roshkova. Drei aus der Gruppe waren 2012 noch bei den Olympischen Spielen in London für die Ukraine am Start.


Den Marktwert steigern

"Nach ihrer Sportlerkarriere wollen viele zu uns. Natürlich können sie bei uns etwas Geld verdienen, die größte Motivation der Mädchen ist es aber, viel zu reisen und von der Welt etwas zu sehen." Als Direktorin ist Rushkova aber auch Geschäftsfrau. Vor wenigen Jahren tanzte sie noch selbst mit, nun gibt sie den Ton an, kreiert neue Tänze und gibt die Choreographie vor. In einem eleganten Hosenanzug schreitet die resolute Managerin während einer längeren Pause zwischen zwei Spielen übers Parkett des Pierre-Mauroy-Stadions und gibt ihren "Girls" Anweisungen, greift auch schon mal selbst zum Gymnastikband oder den anderen Utensilien, die für die Vorstellung benötigt werden.

"Wir steigern mit den Auftritten hier unseren Marktwert in Europa, wollen aber auch in den USA in der NBA Fuß fassen", sagt die Managerin. Nur in Deutschland sei sie mit ihren "Füchsinnen" noch nie aufgetreten. "Ich weiß auch nicht warum." Für die Vorrunde hatten sie schon für das Ausrichterland Frankreich in Montpellier unterschrieben und waren damit in Berlin nicht zu sehen. "Gerne wollen sie mal in Germany ihr Können zeigen", sagt Rushkova und fragt interessiert, welche Gruppen denn in Berlin aufgetreten sind.


Über 400 Routinen

Über 400 Routinen haben die Red-Foxes im Repertoire, 25 werden für eine Basketball-Europameisterschaft verwendet, plus speziell auf die teilnehmenden Länder gemünzte Vorstellungen. "Unsere speziell auf die Nationen einstudierten Darbietungen kommen beim Publikum besonders gut an", weiß Rushkova. Beim Achtelfinale zwischen Israel und Italien kommt dann etwa ein Hava-Nagila-Tanz zur Aufführung.

In den Katakomben ziehen sich die jungen Damen blitzschnell ein anderes ihrer über 20 Kostüme zum nächsten Tanz an, denn die nächste Auszeit oder Viertelpause kann bald kommen. "Wir müssen flexibel planen, denn für eine Auszeit haben wir 40 Sekunden Auftritt, in einer Viertelpause etwa eineinhalb Minuten. Wir haben also für einen Tanz zwei Varianten."


Ziel: Das Herz der Zuschauer zu erreichen

Die Herausforderungen sind groß: "Die Mädchen müssen hart arbeiten, sich entwickeln wollen und basketballaffin sein", zählt die Direktorin auf. "Die ultimative Aufgabe ist es aber, das Herz der Zuschauer zu erreichen." Dieses Ziel haben die Red-Foxes bei Thomas aus Gießen offenbar erreicht: "Bei langweiligen Spielen kann man nur darauf hoffen, dass die Trainer viele Auszeiten nehmen."