Christoph Kaiser hängt seine Fußball-Schuhe am Mittwochabend an den Nagel. Mit dem 33-Jährigen beendet ein Bamberger Urgestein seine fast 16 Jahre andauernde Karriere, die in der F-Jugend des VfL Jahn ihren Ursprung hatte. Mit Ausnahme einer Saison in Frohnlach lief der Mittelfeldspieler ausnahmslos für die Bamberger Vereine 1. FC 01, FC Eintracht und DJK Don Bosco in der Landes-, Bayern- und Regionalliga auf. Als Anerkennung seiner Verdienste um den Fußball in der Domstadt hat die DJK, mit der Kaiser im vergangenen Jahr noch einmal der Aufstieg in die Bayernliga gelang, ein Abschiedsspiel organisiert. Am Mittwochabend (19 Uhr) tritt die erste Mannschaft der DJK auf der vereinseigenen Anlage in Wildensorg gegen eine von Kaiser zusammengestellte Auswahl auf. Diese besteht aus ehemaligen Weggefährten des Mittelfeldspielers. "Ich war überrascht, wie viele von ihnen spontan zugesagt haben", sagte Kaiser im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wie finden Sie es, dass Sie ein Abschiedsspiel erhalten?
Christoph Kaiser: Für mich ist das eine Riesensache. Eigentlich stehe ich nicht so gerne im Mittelpunkt, aber als ich länger darüber nachgedacht habe, fand ich die Idee ganz cool, wieder einmal alte Weggefährten auf einem Haufen zu haben. Darauf freue ich mich riesig. Und es ist auch eine große Ehre, denn ich kann mich an kein Abschiedsspiel im Bamberger Raum erinnern. Viele Verwandte und Bekannte wollen vorbeischauen, und ich würde mich freuen, wenn viele Zuschauer kommen. Der Eintritt ist frei, für Spenden für die Lebenshilfe werden wir eine Büchse aufstellen (Kaiser ist beruflich als Gruppenleiter für die Lebenshilfe Bamberg tätig, Anm. d. Red.).

Ein Muskelfasserriss hat Sie in den letzten Wochen außer Gefecht gesetzt. Können Sie bei Ihrem Abschied überhaupt mitspielen?
Zum Glück ging es in der Bayernliga in den letzten Spielen um nichts mehr, da konnte ich mich schonen. Ich war in den letzten Tagen ständig beim Physio und ließ mich behandeln, damit es geht. Das kriegen wir schon hin.

Wird es ein fröhlicher oder sentimentaler Abschied werden?
Das kann ich noch nicht sagen, da lass' ich mich selbst überraschen. Einerseits freue mich auf den Abschied, weil es jetzt einfach der richtige Zeitpunkt dafür ist. Ich habe noch regelmäßig gespielt und war Leistungsträger, das war mir wichtig. Jetzt sagen die Leute: Schade, dass er aufhört. Wenn ich noch ein paar Jahre weitergemacht hätte, würden sie vielleicht sagen: Wann hört er denn endlich auf? Anderseits fällt der Abschied auch schwer, weil 15 Jahre eine lange Zeit sind und ich mein Leben nicht anders kenne. Seitdem ich laufen kann, spiele ich Fußball. Ich freue mich aber darauf, die Wochenenden frei zu haben und generell zeitlich etwas flexibler zu sein, und dass wir gemeinsam in den Urlaub fahren können. Meine Frau ist Lehrerin, wenn sie Ferien hat, ist bei uns entweder noch Spielbetrieb oder schon wieder Saisonvorbereitung.

Wie hat sich der Fußballsport in den Jahren Ihrer aktiven Karriere verändert?
Es kommt immer mehr auf Athletik an, weil das Spiel immer schneller wird. Der Schnellste war ich ja noch nie, aber mit der Zeit fand ich immer eine Lösung. Zu meiner Anfangszeit gab es noch den Libero, dann haben die ersten Vereine langsam auf Viererkette umgestellt. Das war damals eine Riesenveränderung.

Gibt es ein Spiel, das Sie in besonders in Erinnerung haben?
Ja, mein erstes Spiel bei den Herren. Ich war noch in der A-Jugend beim FC. Trainer Uli Pechtold hat mich in der Wintervorbereitung aber hochgeholt. Mein erstes Spiel war dann in Großbardorf. Es war das Spitzenspiel, sie waren Erster, wir Zweiter. Ich durfte als Manndecker von Beginn an spielen und musste gegen Knüttel, ihren Besten, ran. In der 90. Minute habe ich einen Elfmeter verschuldet, und wir haben 0:1 verloren. Es war aber definitiv kein Elfer. Es ist zwar eine blöde Szene, aber die fällt mir immer wieder ein. Heiner Dumpert war damals Libero, da hab' ich gedacht, das wird schon gut gehen. Aber der Heiner war die ganze Zeit vorne im Sturm.

Wer war Ihr Lieblingstrainer?
Ich hatte das Glück, dass ich viele gute Trainer hatte. In der Jugend hat mir Gerd Schimmer das Fußball-Abc beigebracht. Davon zehre ich heute noch, denn es ist wichtig, dass man die Basics lernt. Im Herrenbereich hatte ich mit Christoph Starke jahrelang einen Trainer, der die Kunst beherrschte, einerseits Kumpel, andererseits aber auch Respektsperson zu sein. Er hat diesen Spagat zwischen Menschlichem und Sportlichem sehr gut hinbekommen.

Sie waren in der vergangenen Saison bei der DJK auch Co-Trainer. Wollen Sie irgendwann die Trainerlaufbahn einschlagen?
Man darf niemals nie sagen. Co-Trainer zu sein, hat mir riesig Spaß gemacht. Ich will nichts ausschließen, aber im Moment will ich erst einmal meine Freizeit genießen. Als Trainer musst du ja noch mehr Zeit investieren als als Spieler.

Sie sind in ihrer Laufbahn fünfmal aufgestiegen. Welcher Aufstieg war der schönste?
Der im vergangenen Jahr. Das war insofern besonders, weil wir uns mit den Sandern ein tolles Duell geliefert haben. Sie haben kaum ein Spiel verloren, wir auch nicht. Wenn wir vorgelegt haben, mussten sie nachziehen - und umgekehrt. Das war schon der Wahnsinn. Ich hatte damals ja auch meinen Kreuzbandriss und bin dann nochmal zurückgekommen. Es war auch deshalb eine besondere Saison, weil mit uns keiner gerechnet hatte. Aber wir hatten einfach eine geile Mannschaft. Andere waren von den Namen her definitiv stärker besetzt, aber wir haben als Team den Aufstieg geschafft.

Sind Sie im Herzen FCler oder DJKler?
Grundsätzlich bin ich schon ein FCler, weil ich die komplette Jugendzeit dort war und auch die meiste Zeit im Herrenbereich. Aber mit der Situation dort in den letzten Jahren konnte ich mich nicht mehr identifizieren, das war nicht mehr der FC. Bei der DJK hat sich im Vergleich zu meiner ersten Zeit dort etliches zum Positiven verändert. Und mittlerweile wohne ich fast direkt neben dem Vereinsgelände. Zu Fuß brauche ich vielleicht fünf Minuten. Bei der DJK ist es etwas familiärer, beim FC war alles leistungsorientierter. Die DJK war bisher mehr ein Breitensportverein, wobei sie davon auch schon ein wenig weggekommen ist. Ich habe jetzt auch bei der DJK eine Heimat gefunden, alleine schon von der räumlichen Nähe her.


Christophs "Kaisers-Elf" für sein Abschiedsspiel

Spieler Marco Hillemeier, Alexander Deptalla, Tobias Dalke, Dennis Pflaum, Thomas Dotterweich, Stephan Essig, Nicolas Görtler, Roland Kropf, Markus Grasser, Markus Fischer,
Josef Pickel, Marco Müller, Florian Pickel, Tobias Mehler, Michael Ludwig, Sebastian Thomann, Victor Gradl; auch mit dabei, allerdings nicht auf dem Platz: Christian Kaiser, Peter Heyer
Trainer Christoph Starke und Bernd Eigner
SR Sebastian Linz


Vereine als Aktiver

2000 bis 2005 1. FC Bamberg/ 1. FC Eintracht Bamberg

2005/2006 VfL Frohnlach

2006 bis 2010 1. FC Eintracht Bamberg

2010 DJK Don Bosco Bamberg

2010 bis 2014 FC Eintracht Bamberg 2010

2014 bis 2016 DJK Don
Bosco Bamberg