Wieder geht ein ereignisreiches Jahr beim ASV Hollfeld zu Ende. Zum Leidwesen der Fans, der Mannschaft und der Verantwortlichen war es wieder einmal ein Jahr, das man zu den weniger erfreulichen zählen muss. Dabei war 2014 aber vor allem von sportlichen Negativschlagzeilen geprägt, denn dem Abstieg aus der Fußball-Bayernliga folgte zur Winterpause eine Klasse tiefer die Rote Laterne in der Landesliga. In wirtschaftlicher Hinsicht musste zu Jahresbeginn, nach dem Rücktritt der kompletten Vorstandschaft einiges aufgearbeitet werden - mit großem Erfolg, wie sich jüngst bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung herausstellte.

Neuwahlen im März oder April

Seit Ende 2013 leiten die beiden kommissarischen Vorstände Norbert Helfer für den wirtschaftlichen und Jürgen Fürst für den sportlichen Bereich die Vereinsgeschicke.
Neuwahlen sind für den März oder April 2015 anberaumt, bis dahin soll ein neues Vorstandsgremium gefunden sein. Da waren sie auch schon wieder, die dringlichsten Probleme des ehemals beschaulichen Vereins aus der Fränkischen Schweiz.
Denn trotz geordneter finanzieller Verhältnisse fehlt es noch an Mitgliedern, die ehrenamtlich die Vorstandsposten besetzen wollen oder können, denn auch die beiden Interimsmanager Fürst und Helfer konnten sich für diese Aufgabenstellung noch nicht richtig begeistern, zumal sie in den letzten 15 Monaten ebenfalls leidvoll erfahren mussten, warum unter anderem auch die alten Vorstände das Handtuch geworfen haben. Fußball mit Teams, die auf Verbandsebene agieren, ist scheinbar mit ehrenamtlichem Engagement nur dann zu meistern, wenn viele Personen mitziehen. Genau daran krankt es aber in Hollfeld immer mehr - wie übrigens auch vielerorts. Das Führungsvakuum beim ASV zu lösen, wird so im nächsten Jahr wohl die spannendste Aufgabe werden, die es im Verein zu lösen gilt.
Dabei steht der ASV trotz vieler Gerüchte und Unkenrufe in finanzieller Hinsicht besser da, als möglicherweise manch anderer Verein auf Landesebene. Neben zwei Langfristdarlehen für eine Photovoltaikanlage, die sich selbst trägt, und dem Bau eines Kleinspielfeldes vor einigen Jahren, konnten auch die kurzfristigen Verbindlichkeiten quasi vollständig getilgt werden. Letztlich zeigt sich Ende 2014 diesbezüglich eine Situation, wie sie der ASV in den letzten 15 Jahren nicht vorweisen konnte. Denn mit dem Abbau von ca. 70 000 Euro kurzfristiger Schulden, wurde auch die Hälfte der Altlasten - wenn man dies überhaupt so beschreiben kann - aus Zeiten weg gefegt, als man Anfang der Jahrtausendwende noch in der Kreisklasse dem Leder nachjagte. Insofern hat sich des aktuelle Führungsgremium den Applaus bei der vergangenen Mitgliederversammlung redlich verdient.

Strategiewechsel

Die Kehrseite der Medaille waren in dieser Zeit natürlich enorme Sparmaßnahmen in allen Bereichen. Dies hat sich zwangsläufig aber auch auf den sportlichen Werdegang der ersten Herrenmannschaft ausgewirkt. Mit einem Strategiewechsel hin zu einer sehr jungen Mannschaft, die sich sehr stark mit Akteuren aus dem Nachwuchsbereich rekrutiert hat, und vielen einheimischen Akteuren, wagte man ein Experiment, das zumindest bis dato noch nicht die erhofften Früchte trägt. Dennoch herrscht in Hollfeld überwiegend Einigkeit, dass dies genau der richtige Weg ist.

Glück und Selbstvertrauen fehlen

Musste man sich nach dem Abstieg mit neuem Trainer - Michael Taschner übernahm beim ASV das Ruder - und vielen neuen Spielern erst einmal in der neuen Klasse orientieren, fehlten vor allem in den letzten Wochen auch das nötige Glück und Selbstvertrauen, um eine sportliche Wende herbeizuführen. Mit 13 Punkten und damit neun Punkten Rückstand auf den ersten Relegationsrang liegt man derzeit abermals abgeschlagen auf dem letzten Platz.
Mittlerweile übernahm Co-Trainer Thomas Bornschlegel das Traineramt von Michael Taschner, der vorzeitig kapitulierte. In der Winterpause geht die Suche nun erneut los, da sich der ehemalige Hollfelder Landesligakeeper von Beginn an nur als Interimslösung sah.
Viele Verletzungen und studienbedingte Trainingsabsenzen machte es den Übungsleitern in diesem Jahr aber auch alles andere als einfach. Das größte Defizit zeigte sich im Laufe der Hinrunde der neuen Saison aber in der offensiven Durchschlagskraft. Abgänge wie Timo Jahrsdörfer (TSV Neudrossenfeld) oder Dominik Schorn (SSV Kasendorf) waren, so hat es sich gezeigt, einfach nicht zu kompensieren. Das Torverhältnis von 14:37 spricht dabei Bände. Mit weitem Abstand die geringste Trefferquote ließen einfach kein besseres Abschneiden zu. Auf der anderen Seite könnte man gemessen an den Gegentreffern mit dem fünftplatzierten SV Friesen (36 Gegentreffer) oder der SG Quelle Fürth (35), die auf dem sechsten Rang überwintert, konkurrieren. So gibt es logischerweise Bemühungen, dass man zumindest in der Offensive auf der Suche nach geeigneten Verstärkungen ist.

Zwei Neuzugänge stehen fest

Ein erfahrener Abwehrspieler und ein ehrgeiziger junger Angreifer wurden bereits verpflichtet. Zum einen handelt es sich um den Stürmer Marco Konradi, der vom TSV Neudrossenfeld zum Tabellenletzten wechselt. Der 24-Jährige brachte es in dieser Saison auf 14 Einsätze beim Bayernligisten. In der letzten Saison erzielte er in 26 Landesliga-Partien immerhin sieben Treffer.
Zudem schließt sich der ehemalige polnische Nationalspieler Bartosz Partyka dem ASV an. Auch der 33-jährige Defensivspezialist kommt vom Bayernligisten TSV Neudrossenfeld. "Beide Spieler waren schon im Sommer Wunschspieler, doch erst jetzt hat es endlich geklappt. Sie passen hervorragend in das bestehende Mannschaftsgefüge und werden echte Verstärkungen sein, die bereit sind, in der Rückrunde das Unmögliche möglich zu machen", hofft ASV-Beiratsmitglied Thomas Schindler.
Vielleicht gelingt mit den beiden Zugängen und einem neuen Trainer dann 2015 das kleine Wunder, doch noch einen Relegationsrang und darüber hinaus sogar noch den Klassenerhalt zu erreichen. Würde dann auch noch eine neue Vorstandschaft gefunden werden, könnte beim ASV nach gut drei Jahren auch einmal wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen sein. hh