Sie alle waren da - Politiker, Vertreter des Bürgervereins, Anwohner aus dem Stadtteil Bug und die an der Sanierung beteiligten Firmen. Zwischen Baggern und Bauschutt hing fast eine festliche Stimmung in der Luft, ging es doch um die Wolfsschlucht, ein Idyll im Hain, und darum, was aus ihr nun wird.
Wie forderte einst Stadtrat Norbert Tscherner (BBB) in seinem Bürgerbegehren zum Erhalt des Anwesens: Ein Haus für die Jugend müsse die ehemalige Jugendherberge bleiben. Auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) sagte gleich zu Beginn seiner Rede: "Wir stehen heute am Endpunkt einer langjährigen, politischen Diskussion um ein Kleinod im Herzen der grünen Lunge Bambergs."

1925 als Bootshaus der Bamber Rudergesellschaft gegründet, wurde das Haus nach dem Krieg zur Jugendherberge umgebaut. Generationen von Schulklassen verbrachten dort gesellige Tage, 60 Jahre lang war das Gästehaus eine beliebte Anlaufstelle. Doch dann wurde es ein Sanierungsfall und es folgte 2013 der Leerstand - nach einer kurzen Zwischennutzung als Unterkunft für Asylbewerber. Dann die großen Fragen: Was wird aus dem Haus? Welche Nutzung ist realistisch und finanzierbar? Die Bamberger forderten durch ihre Unterschriften unter das Bürgerbegehren eindeutig: als Jugendhaus erhalten.

Der Oberbürgermeister sprach gestern von einer "schlussendlich genialen Lösung". Wie diese aussieht, erläuterte Anne Jahn vom Don-Bosco-Jugendwerk, dem Träger des sogenannten Erlebnispädagogischen Kompetenzzentrums, das hier verwirklicht wird. "Es entsteht eine Heimat für 22 junge Menschen."
Es handle sich um stationäre Plätze, sprich eine Betreuung rund um die Uhr. Die jungen Männer zwischen 15 und 18 Jahren sollen in Einzel- und Doppelzimmern leben, sich in der Wohnküche oder im Multifunktionsraum begegnen. "Dieser steht auch Jugendlichen aus der Stadt offen", betont Jahn, Bereichsleitung Hilfen zur Erziehung. Und: "Wir arbeiten sprachneutral, mit Hilfe von Musik, Sport, Kultur oder Theater." Schließlich wird die Gruppe zu einer Hälfte aus deutschen Jugendlichen bestehen, zur anderen aus unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UM). Das Ziel: Lernen, wie man ein selbstständiges Leben führt, wie es der Gesamtleiter des Don-Bosco-Jugendwerks Bamberg, Emil Hartmann, einmal formuliert hatte.


"Unüblich hoher Zuschuss"

Staatssekretär Florian Pronold (SPD) merkte als Vertreter des Bundesumweltamtes an: "Es handelt sich um ein Programm nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle." Er glaube an die Akzeptanz vor Ort und sprach den "unüblichen Zuschuss" von 3,6 Millionen Euro an. Insgesamt kostet die Sanierung des Jugendhauses 4,1 Millionen Euro. Im Dezember 2018 soll alles fertig sein. Mit den Schützlingen sollen dann auch fünf Mitarbeiter des Don-Bosco-Jugendwerks einziehen, Stellen, die neu geschaffen wurden.

Doch wird der Platz kommendes Jahr überhaupt noch gebraucht? Im Frühjahr 2017 war bekannt geworden, dass Bamberg keine unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge mehr zugewiesen bekommt. Hauptgrund ist, dass die Stadt ihre Quote von 54 UM mit derzeit über 90 jungen Menschen mehr als erfüllt.
Doch Steffen Schützwohl aus der städtischen Pressestelle und Anne Jahn von Don Bosco geben Entwarnung. Zum Einen würden immer wieder junge Flüchtlinge aufgegriffen, sei es am Bahnhof oder in der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) in Bamberg Ost, die zudem bekanntlich ausgebaut werden soll.
Zum Anderen: Werden tatsächlich Kapazitäten in der Wolfsschlucht frei, könne man die Plätze anderen oberfränkischen Kommunen anbieten. "Wir kooperieren bereits jetzt mit anderen Jugendämtern, zum Beispiel Kronach", sagt Anne Jahn. "Ich habe keinerlei Sorge, dass wir zu wenige Flüchtlinge oder einheimische Jugendliche bekommen."
Sie geht von vorne herein davon aus, dass beide Gruppen sich aus Jugendlichen aus ganz Franken zusammensetzen. "Oft ist eine zu große räumliche Nähe zur Familie gar nicht gesund, wenn etwa der Vater gewalttätig ist", deutet sie an.
Wer tatsächlich einzieht, wird sich Ende kommenden Jahres zeigen. Laut Stadt liege man voll im Zeit- und Kostenplan.

Doch gerade bei der Wolfsschlucht geht es um mehr als Zahlen. "Dieser Spatenstich heute bedeutet uns viel. Das Haus soll nicht mehr leer stehen", sagen Karla und Hans Schumm. 35 Jahre lang waren die beiden die Herbergseltern, "wir haben jeden Backstein hier gepflegt", erzählt Hans Schumm. Seine Ehefrau bezeichnet sich gar als "Herbergskind", war doch die Wolfsschlucht vorher in der Obhut ihrer Eltern.
Das Konzept eines erlebnispädagogischen Kompetenzzentrums finden die beiden in Ordnung. Sie wissen gleichwohl: "Viele Lehrer mit Grundschulklassen haben es sehr bedauert, dass die Jugendherberge geschlossen wurde."