Der Mann, der im Februar 2008 in Zapfendorf (Landkreis Bamberg) eine Frau überfallen und vergewaltigt hat, muss für neun Jahre hinter Gitter. Mehr als acht Jahre nach dem Verbrechen ereilte den Täter (52) jetzt die Strafe: Die Große Strafkammer des Landgerichts Aschaffenburg sprach ihn unter anderem der zweifachen Vergewaltigung und sexuellen Nötigung schuldig.

Wie der Pressesprecher des Landgerichts Aschaffenburg, Günter Will, auf Anfrage der Lokalredaktion weiter mitteilte, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.


Es war der Faschingsdienstag

Der heute 52-Jährige hat Anfang des Jahres 2008 kurz hintereinander drei Frauen überfallen. Die schlimme Serie hatte im Januar in einem Wald bei Stockstadt (Landkreis Aschaffenburg) begonnen: Dort war eine 18-jährige Joggerin sein erstes Opfer.
Am 5. Februar 2008 - es war der Faschingsdienstag - verging er sich an einer Spaziergängerin (42) in Zapfendorf (Landkreis Bamberg). Fünf Tage später wollte er im hessischen Kiedrich eine ebenfalls 42 Jahre alte Joggerin vergewaltigen. Der Mann war jedoch an der Gegenwehr dieser Frau gescheitert.

In den beiden ersten Fällen war der unbekannte Täter jeweils mit einem Fahrrad unterwegs und hatte sein Opfer am helllichten Tag in ein Gebüsch gezerrt und missbraucht. Anschließend suchte er mit seinem Rad das Weite.

Die Fahndung nach dem Sexualstraftäter war schwierig und langwierig. Den Ermittlern - federführend waren Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Aschaffenburg - gelang beim Abgleich der DNA-Spuren von Stockstadt und Zapfendorf zunächst der Nachweis, dass es sich in beiden Fällen um denselben Täter handelte. Bei den weiteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass auch die Kripo in Hessen nach einem Mann suchte, der Ähnlichkeiten mit dem Täter aus Stockstadt und Zapfendorf aufwies.

Es sollte schließlich fast acht Jahre dauern, bis der Gesuchte gefasst wurde. Ende 2015 gingen das Polizeipräsidium Unterfranken und der Leitende Oberstaatsanwalt in Aschaffenburg mit der Erfolgsmeldung an die Öffentlichkeit: Die DNA des gesuchten Vergewaltigers stimmte mit der eines Mannes überein, der nach einem Wohnungseinbruch in Rheinland-Pfalz festgenommen worden war. Sein letzter Wohnsitz war Köln.

Erst im Prozess vor dem Landgericht Aschaffenburg gab der 52-Jährige die Übergriffe auf die Frauen zu. Wie das "Main-Echo" berichtete, zeigte der Angeklagte aber nicht die geringste Reue. Im Gegenteil: Er soll die Schilderungen einer Zeugin mit spöttischem Lachen quittiert und sich insgesamt sehr uneinsichtig, ja renitent gezeigt haben.

Der mehrtägige Prozess war von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Laut Gerichtssprecher Will war der Angeklagte zu Prozessbeginn "sehr ausfallend". Weil er noch im Gerichtssaal laut war und tobte, sei er von mehreren Polizeibeamten niedergerungen und stärker als üblich gefesselt worden. Ein Polizist wurde von dem 52-Jährigen durch einen Kopfstoß sogar so schwer verletzt, dass er nicht mehr dienstfähig war. Einen anderen
Beamten hatte der Angeklagte nur knapp verfehlt.

Die Staatsanwaltschaft und die juristischen Vertreter zweier Opfer hatten für den Mann über die Freiheitsstrafe hinaus die Sicherungsverwahrung gefordert. Sie glauben, die Öffentlichkeit müsse vor ihm geschützt werden.