Zwischen Landeskonferenzen der Grünen und der SPD schaute der Bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder geschwind herein: Der Energiepark Hirschaid gab am Donnerstag den Rahmen für eine Regionalkonferenz der Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim ("WiR").

Statt eines Taschentuchs mit Knoten drin erhielt der Gast einen roten, kantigen Staffelstab, zugesteckt aus den Reihen von rund 150 Konferenzteilnehmern. Die sind bewegt von der Sorge um die Außenwirkung der tüchtigen und erfolgreichen heimischen Wirtschaft. Der Staffelstab soll den Minister an einen positiven Förderbescheid erinnern, derweil die Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim das "Instrument des Regionalmanagements" (Landrat Hans Kalb) weiterhin zur Stärkung der Region einsetzen will.


Unbestätigten Gerüchten zufolge verfügt Bayerns Heimatminister über hellseherische Qualitäten - oder er ist ganz einfach gut vernetzt? Er kam jedenfalls schon mit der Zusage, die Förderquote von 70 auf 90 Prozent zu erhöhen. Darauf hätten alle im Saal gerne eine Halbe mit dem Minister gezischt. Aber der hatte es mal wieder eilig, nahm strahlend ein Tragel Bierproben aus der Genussregion entgegen und einen Bierkrug dazu.

So kann er in einer ruhigen Stunde nochmals auf die Deutsche Meisterschaft der Bamberger Basketballer anstoßen, ein Ereignis, das den Franken in Söder "richtig glücklich" gemacht hat. Artig gratulierte er dazu, dass die Bamberger "Bayern München weggeputzt" haben. Auch der eine oder andere Sponsor im Saal durfte sich geehrt fühlen: Die Brose Baskets sind bis zu einem gewissen Grad ja auch die Botschafter und das Produkt eines erfolgreichen Wirtschaftsraumes.

Eine ebenfalls höchst erfreuliche Nachricht stand am Beginn der Regionalkonferenz: Landrat Johann Kalb plauderte aus, dass kurz zuvor eine Zehn-Millionen-Euro-Investition des Michelin-Werkes vereinbart worden war. "So was machen wir hier fast jeden Tag", flunkerte der Landrat in Richtung Finanzminister. Nicht übertrieben waren Kalbs Zahlen von der niedrigsten Arbeitslosenquote in Oberfranken (Kreis Bamberg 2,5 Prozent), von der Steigerung der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen um 16 000 auf 113 354 innerhalb von sieben Jahren.

Und gegen den Trend nimmt im Raum Bamberg-Forchheim sogar die Bevölkerung zu, auf 329016, berichtete der Landrat. Gleichzeitig bedankte er sich für die Unterstützung der Wirtschaftsregion durch den Freistaat: 1,7 Millionen Euro Fördermittel in zehn Jahren und 290 000 Euro für die Stärkung des Regionalmanagements haben sich positiv ausgewirkt.

Der Betreiber des Energieparks, Frank Seuling, äußerte den Wunsch, sein Konzept für eine "Green City Hirschaid" einmal in aller Ausführlichkeit den Spitzenpolitikern vortragen zu dürfen. Er hat die Pläne dafür in der Schublade.

Markus Söder redete den Bedenkenträgern ins Gewissen und forderte dazu auf, das Selbstbewusstsein zu stärken: "Wir sind hier nicht am Rande Bayerns, sondern mitten in Europa!" Als Heimatminister sieht er seine Aufgabe darin, die unterschiedlichen Geschwindigkeiten Bayern auszugleichen. "Ein bisschen weniger München und dafür ein bisschen mehr Franken" sei seine Devise.

Ansatzpunkte sieht er im kommunalen Finanzausgleich, bei der Stärkung der flächendeckenden Digitalisierung sowie beim Ausbau der Hochschulen und Universitäten. Oberfranken sei dabei besonders berücksichtigt worden. Mit Blick auf die Fortschreibung des Landesentwicklungsprogramms will sich Markus Söder für eine höhere Gewichtung der Ökonomie und die örtliche Perspektive stark machen.

Und dann hat er sich noch einen Feldzug gegen die Bürokratie vorgenommen. Gute Geschäfte wünschte der Finanz- und Heimatminister am Ende seines Festvortrags den Repräsentanten der heimischen Wirtschaft, und dies - im Sinne steigender Steuereinnahmen - durchaus nicht ohne Hintergedanken.