Sieben Frauen aus sechs Nationen - voller Enthusiasmus, der den berühmten Funken aufs Publikum überspringen lässt: "Sisters in Jazz" nennt sich das Grenzen und Genre überschreitende Projekt, das Musikerinnen aus Dänemark, Polen, Schweden, Italien, Japan und Deutschland verbindet. Im Jazzkeller stehen die "Schwestern" am 19. Februar ab 21 Uhr im Rampenlicht. Wir stellen vorab Izabella Effenberg als Vibrafonistin und Nicole Johänntgen als Saxofonistin vor, die die Idee zu der länderübergreifenden Initiative hatte.


Karate und Musik

Zunächst zu Izabella Effenberg, die aus Polen stammt und sich mit improvisierter Musik auf dem Vibrafon profiliert. Viele Talente vereint die Wahlfränkin, die sich sogar als Karatekämpferin auszeichnete. An den Musikhochschulen in Posen und Danzig studierte Effenberg vor Jahren klassisches Schlagzeug. Orientierte sich nach dem Abschluss aber anderweitig und kam nach Deutschland, um sich "künstlerisch weiterzuentwickeln". Ein Jazz-Studium beim amerikanischen Vibrafonisten Bill Molenhof folgte. "Ich entdeckte das Vibrafon als Instrument, das äußert vielseitig ist, vor Publikum leider aber nur selten zum Einsatz kommt." Was Effenberg motivierte, gemeinsam mit dem Vibrafonisten Volker Heuken das Festival "Vibraphonissimo" ins Leben zu rufen, das in Nürnberg gerade wieder über die Bühne ging. Zum dritten Mal, wobei neben Jazz auch andere Stilrichtungen wie Latin und Klassik im Blickpunkt standen.

Jetzt geht's für die Musikerin mit "Sisters in Jazz" weiter, einem anderen Herzensprojekt. Auch beim renommierten Ystad Jazz Festival war Effenberg schon mit den Jazzerinnen zu erleben, die in der Oberen Sandstraße das Bamberger Publikum erwarten. Wie ist das Zusammenspiel von sieben Frauen aus sechs Nationen, wollten wir von der Vibrafonistin wissen. "Sehr interessant, weil wir eben so bunt zusammengewürfelt sind. Es ist auch sehr angenehm, ausschließlich mit Musikerinnen zu spielen - du wirst viel schneller miteinander vertraut."


Mehr Aufmerksamkeit

Haben's Frauen im männlich dominierten Musikbusiness denn noch immer schwerer, sich zu behaupten? "Als Frau bekommst du mehr Aufmerksamkeit. Allerdings müssen Newcomerinnen um Auftrittsmöglichkeiten kämpfen", meint die Vibrafonistin, die sich auch als Bandleaderin und Komponistin einen Namen macht. Ja, durchzusetzen weiß sich Effenberg - mit sportlichem Ehrgeiz: Schließlich übte sie sich während ihres Studiums über Jahre hinweg auch in Karate und erwarb den 2. Dan (schwarzer Gurt). Achtmalige polnische Meisterin wurde die Jazzerin, errang eine Silbermedaille bei der Europameisterschaft 1999 und eine Goldmedaille beim Europa Cup in Ungarn, wie auf ihrer Homepage nachzulesen ist. "Und bis heute gibt mir Sport die Energie, die ich für meine Musik brauche."


Musikerinnen vernetzen

Zu verdanken hat das Publikum "Sisters in Jazz" aber vor allem Nicole Johänntgen. Um Jazz-Musikerinnen besser zu vernetzen und internationale Erfahrungen sammeln zu lassen, gründete sie 2014 schon das Vorläuferprojekt "Sofia". Und "Sofia" entwickelte eine Dynamik, die die "Sisters in Jazz" seit vergangenem Jahr unter neuem Namen weitertragen. Gerade erschien auch die gleichnamige CD, mit der die Musikerinnen durch Deutschland und die Schweiz touren: mit Johänntgen als Saxofonistin, die sich ebenfalls in einem Bereich auszeichnet, in dem normalerweise Männer den Ton angeben.

"Improvisiert habe ich schon als kleines Mädchen - zunächst allerdings am Klavier", erinnerte sich die 34-Jährige mit einem Schmunzeln. Über Candy Dulfer als niederländische Saxofonistin, die Johänntgen in einer Musiksendung erlebte, kam die Saarländerin zu ihrer Passion. Die Liebe zur Musik hatte ihr der Posaune und Gitarre spielende Vater in die Wiege gelegt, während sich Nicoles Bruder am Klavier auslebte.

Jazz war das, was Nicole Johänntgen von jeher faszinierte. "Du nimmst eine Melodie und machst daraus, was dir gefällt. Wie ein Maler, der Bilder malt - ohne dass ihm Grenzen gesetzt sind." Jazz sei die Sprache, mit der Menschen in aller Welt kommunizieren könnten - ultraspannend und inspirierend.
Apropos: Was inspiriert die Saxofonistin und Komponistin, die wie Izabella Effenberg diverse Preise gewann? "Kontakte mit anderen Menschen inspirieren mich. Songs wie ,Come Together' von den Beatles." Vor allem aber dient die Natur als Quelle, aus der die Musikerin schöpft. "Ich bin auf dem Land aufgewachsen und höre bis heute ganz bewusst das Vogelzwitschern und andere Geräusche, aus denen später vielleicht ein eigenes Stück entsteht." Als Musiklehrerin gibt Johänntgen ihre Passion mittlerweile an die nächste Generation weiter: "Eine meiner jüngsten Schülerinnen ist eine Sechsjährige, meine älteste Schülerin eine 70-Jährige: Und beide improvisieren auf dem Saxofon ebenso gerne wie ich."