Nach vielen Jahren als Bürgermeisterstellvertreter konnte sich Roland Kauper (CSU) vor sechs Jahren gegen Pius Schmelzer (CWG) behaupten und auf den Chefsessel des langjährigen Stadtoberhauptes Franz Zenk wechseln. Der 65-Jährige findet daran wohl so großen Gefallen, dass er gerne in eine zweite Amtszeit gehen würde. Doch Ansprüche auf das Chefzimmer im städtischen Rathaus machen auch Michael Lindner von der Freien Liste und Michael Zeck von der Interessen-Gemeinschaft Giech (IGG) geltend.

Es wird nicht leicht für die Wähler der Flächengemeinde, den Stadtrat mit seinen 20 Plätzen zu bestücken. Denn dafür bewerben sich insgesamt 160 Kandidaten (45 Frauen, 115 Männer) auf neun Listen. Neu dabei Junge Ideen Scheßlitz und Umgebung (JISU). Erstmals dabei ist zudem in der einzigen von 36 Landkreisgemeinden die AfD.

Im aktuellen Stadtparlament hält die CSU acht Sitze, die Christliche Wählergemeinschaft Scheßlitz-Umland vier, die SPD zwei ebenso wie Freie Liste und Vereinigte Junge Wähler, die IGG und Grüne jeweils einen.

Als den größten Erfolg seiner ersten Amtszeit betrachtet Roland Kauper den Anschluss aller Stadtteile an die zentrale Wasserversorgung (FWO). Dabei wurden Straßen saniert und Infrastruktur verbessert. Weitere wichtige Erfolge seien neben anderen Gewerbeansiedlungen und Erweiterungsmöglichkeiten für heimische Betriebe.

Verschiedene Ansätze

Als Bürgermeister würde Herausforderer Lindner transparente Entscheidungen treffen und alle in einem Prozess Beteiligten frühzeitig informieren. Michael Zeck würde seinerseits Aufgaben proaktiv angehen, größere Aufgaben durch gezielte Projektplanung mit klaren Terminvorgaben und deren Verfolgung umsetzen. Handlungsbedarf sieht er beim Umbau der Verwaltung, die moderner und mehr an den Bürgern orientiert sein und eigenen Nachwuchs ausbilden solle. Mindestens zwei öffentliche Einrichtungen sollen umgebaut oder renoviert, städtische Liegenschaften energetisch saniert werden. Zudem möchte er ein Verkehrskonzept umsetzen. Für Michael Lindner ist es wichtig, den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt zu verlagern, zudem den ÖPNV mit besserer Taktung und Vernetzungen zu verbessern und Bauland bedarfsgerechter auszuweisen. Dazu gehört für ihn die Schließung von Baulücken insbesondere in den Ortsteilen.

Roland Kauper wiederum sieht dringenden Sanierungsbedarf bei Grund- und Mittelschule. Auch sei die Rathaussanierung mit barrierefreiem Zugang längst überfällig. Für Sanierungen seien Fördergelder zu beantragen, bereits in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudien abzuarbeiten. Vorantreiben will er Maßnahmen der Städtebauprogramme. Mit der Planung für die Sanierung des Kirchenumfeldes sei bereits ein Büro beauftragt, merkt er dazu an.

Auch wenn sie nun nicht Stadtoberhaupt würden, haben die Konkurrenten Ideen, wie sie sich zum Wohl der Stadt einbringen. Da er auch auf der CSU-Stadtratsliste kandidiert, würde Roland Kauper als Stadtrat sein Wissen und seine Erfahrung einbringen. Auch Michael Lindner hofft für den Fall, dass er nicht Bürgermeister wird, als Stadtrat weiter seinen Beitrag leisten zu können.

Michael Zeck würde versuchen, Scheßlitz durch die Fortführung seines ehrenamtlichen Engagements auf örtlicher und überörtlicher Ebene zu helfen.

Die Kandidaten im Interview:

Auch in dieser Wahl setzt die CSU auf Roland Kauper als ihren Bürgermeisterkandidaten. Der 65-Jährige war Kürschnermeister, ist verheiratet, Vater dreier Töchter und seit 1984 Stadtrat. Von 1991 bis 2014 war er Zweiter Bürgermeister, seine Vorbilder sind K.T. zu Guttenberg und außerpolitisch Albert Schweitzer. Kauper nennt das Fahren mit seinem Pedelec und Zeit mit seinen Enkeln zu verbringen als Hobbys. Was motiviert Sie, sich in der Politik zu engagieren? Roland Kauper: Um eine gute Entwicklung voranzutreiben, muss man Ideen auch umsetzen können. Dazu bedarf es das Interesse und die Bereitschaft, sich politisch und insbesondre kommunalpolitisch zu engagieren. Was hat Sie im vergangenen Jahr im Bezug auf Ihre Gemeinde am meisten geärgert und wieso? Der "Fluch des Geldes". Es gibt sehr viele Fördermöglichkeiten, die aber in einem sehr kurzen Zeitraum abgearbeitet werden sollen. Dies ist oftmals in den Verwaltungen, auch an übergeordneten Stellen, nicht möglich. Sollte man es verwaltungstechnisch geschafft haben, gibt es immer weniger Firmen, die dann Arbeiten ausführen können. Warum sind Sie der richtige Bürgermeister für Scheßlitz? Das wird der Wähler entscheiden. Ich habe meine Arbeit mit viel Begeisterung und Freude ausgeübt und viele lang anstehende Maßnahmen vollendet. Es wird nicht weniger und einfacher. Ich möchte an guter Weiterentwicklung arbeiten, bin kommunalpolitisch erfahren, bürgernah und zielstrebig.

Für die Freie Liste tritt Michael Lindner als Bürgermeisterkandidat an. Der 45-jährige Diplom-Braumeister und Projektleiter ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Dem Scheßlitzer Stadtrat gehört er seit 2008 an, politische Vorbilder hat Lindner nicht. Zu seinen Hobbys zählen Sport, Reisen und Kochen. Was motiviert Sie, sich in der Politik zu engagieren? Michael Lindner: Ich sehe in der Kommunalpolitik die beste Möglichkeit, etwas zu bewegen und direkten Einfluss auf Lebensumstände vor Ort zu nehmen. Was hat Sie im vergangenen Jahr im Bezug auf Ihre Gemeinde am meisten geärgert und wieso? Die Zeit, bis Ideen oder Chancen angenommen und umgesetzt werden, dauert mir zu lange. Ich möchte hier schnelleres Handeln sehen, um Entwicklungsmöglichkeiten rasch wahrnehmen zu können. Warum sind Sie der richtige Bürgermeister für Scheßlitz? Ich habe seit Jahren beruflich Erfahrung in der Projektleitung und bin es gewohnt, Entscheidungen unter Berücksichtigung vieler unterschiedlicher Gesichtspunkte in einem Team zu treffen. So können wir gemeinsam das beste Ergebnis für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Scheßlitz erreichen.

Für die Interessen-Gemeinschaft Giech ist Michael Zeck der Bürgermeisterkandidat. Der verheiratete 50-jährige Sachbearbeiter hat zwei Kinder und ist seit 30 Jahren politisch engagiert, wobei er keine Vorbilder nennt. Bergwandern ist sein Hobby. Was motiviert Sie, sich in der Politik zu engagieren? Michael Zeck: Politisches Engagement bietet für mich eine Möglichkeit, mich aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft zu beteiligen. In der Kommunalpolitik bietet sich die Möglichkeit, das Lebensumfeld aktiv mitzugestalten. Was hat Sie im vergangenen Jahr im Bezug auf Ihre Gemeinde am meisten geärgert und wieso? Der seit Jahrzehnten anstehende Investitionsstau und, dass weiterhin nur das absolut Notwendigste gemacht wird. Hierdurch sind fast alle öffentlichen Einrichtungen der Stadt Scheßlitz in einem desolaten Zustand und dringend renovierungsbedürftig. Die Kommune wird verwaltet, aber nicht gestaltet. Warum sind Sie der richtige Bürgermeister für Scheßlitz? Als parteiloser Bürgermeister habe ich die Freiheit, mit den Bürgern und allen politischen Akteuren die besten Lösungen für Scheßlitz zu entwickeln. Dabei zählt für mich Bürgernähe und ein sehr breiter Blick auf die sich stellenden Fragestellungen und Entwicklungen.