250 Jahre Marienstatue am Marktplatz! Das wurde gebührend gefeiert. Höhepunkt war die Festansprache von Domkapitular Norbert Jung. Sein Thema "Pfarrer Jakob Christoph Jäger und die Rattelsdorfer Marienstatue am Vorabend von Mariä Himmelfahrt", gefolgt von einer Andacht.

Der Domkapitular erinnerte zunächst an Rattelsdorfs 1000-jährige Zugehörigkeit zum Kloster Michelsberg, die den Ort geprägt habe. Mit der Pieta aus der Pfarrkirche beteilige sich Rattelsdorf auch an der Ausstellung im Diözesanmuseum. Zum Dank überreichte Jung den druckfrischen Ausstellungskatalog "Im Schutz des Engels - 1000 Jahre Kloster Michaelsberg Bamberg" an die Urlaubsvertretung - Pfarrer Thomas aus Ghana. Jung führte aus, dass der Stifter der Skulptur 45 Jahre die Geschicke der Pfarrgemeinde gelenkt habe.

Sein Nachfolger, Pfarrer und Geschichtsschreiber Georg Raab habe ihn 100 Jahre später so charakterisiert: "Er war von allen hiesigen Pfarrern der vorzüglichste,... sein Andenken lebt noch immer fort im Andenken seiner Gemeinde und seiner Wohltaten erfreuen sich noch immer die Armen. Auch geistiger Weise wollte er noch nach seinem Tode für seine lieben Pfarrkinder nachwirken."


In Ebern geboren

1706 in Ebern geboren stammte Jakob Christoph Jäger aus ärmlichen Verhältnissen. Seine Eltern konnten die Neigung ihres Sohnes zum Studium nicht unterstützen. Durch Studieneifer, Fleiß und Lebenswandel gelang es dem jungen Jakob Christoph dann allerdings Gönner zu finden, die seine Ausbildung finanzierten. Nach dem Abschluss der philosophischen Studienjahre errang er im Examen einen vier ersten Plätze was wohl ausschlaggebend dafür war, dass er mit dem Beginn des Theologiestudiums einen der begehrten Plätze im Würzburger Priesterseminar erhielt. Was für die damaligen Verhältnisse einem Stipendium gleichkam.1730 wurde er zum Priester geweiht. Als Kaplan wirkte er in Mechenried, Haßfurth, Döringstadt und schließlich im Dom zu Würzburg. Nach neun Jahren als Kaplan wurde er vom Michelsberger Anselm Geisen dörfer für die Pfarrei Rattelsdorf vorgeschlagen. Jäger trat seine erste und einzige Pfarrstelle 1739 an.

Ein bedeutendes Denkmal nicht nur für den Ort Rattelsdorf, sondern auch für die Geisteshaltung Jägers stellt die auf seine Initiative auf dem Marktplatz aufgestellte Statue der Gottesmutter dar. Angeblich war der Stein 1752 beim Bau der Sees brücke in Bamberg übrig. Jäger entdeckte ihn im Burgershof und ließ von Ferdinand Tietz - dem bekannten Bildhauer des Rokoko - daraus eine Statue meißeln. Am Vorabend des Festes Mariä Himmelfahrt 1764 wurde sie nach Rattelsdorf gebracht, wo zuvor der Marktplatz eingeebnet worden war, um einen würdigen Standort zu schaffen.

Genau ein Jahr später wurde das Standbild von Pfarrer Jäger feierlich eingeweiht. Den Überlieferungen zufolge hielt er eine ergreifende Ansprache, in der er der Gottesmutter besonders die Bekehrung des protestantischen Itzgrunds ans Herz legte. Weshalb die Marienstaue auch ihren Blick in Richtung Itzgrund richtet. Jäger war auch einer der größten Sponsoren des Projektes, dessen Gesamtkosten sich auf 255 Gulden beliefen,Hand- und Spanndienste der Gemeinde und die Verschönerungsarbeiten am Platz nicht eingerechnet.


Ein großer Wohltäter

Der Pfarrer war ein großer Wohltäter. Als er 1784 starb bedachte er in seinem Testament neben diversen frommen Stiftungen vor allem die Armen. Beigesetzt ist er im Chor der Pfarrkirche auf der Evangelienseite. Auf Wunsch des Verstorbenen machte der Leichenzug vor dem Marienbild Station, wobei die Geistlichen drei Mal den marianischen Hymnus "Ave maris stella" anstimmten.

Den Bezug dazu stellte nun bei der abschließenden Marienbesinnung zwischen den Gebeten von Pfarrer Thomas das dreimalige "Ave maris stella" mit der Schola unter Leitung von Gerhard Jäger, dem Gesangverein "Liederkranz" mit Chorleiter Wolfgang Reh und einer Bläsergruppe des Musikvereins mit ihrem Dirigenten Stefan Pechmann her.
Vorher hatte in der Pfarrkirche unter dem Motto "Mit Maria durch das Kirchenjahr" ein beeindruckendes Konzert stattgefunden. Neben der Schola, der Bläsergruppe und dem Gesangverein "Liederkranz" sang der Frauenchor "Moments" unter Leitung von Susanne Stößel. Die Orgel spielte Rita Wiesheier. Solo-Auftritte hatten Theresa Stößel und Wolfgang Reh.
Die "Liebe der Rattelsdorfer zu ihrem 'Mariabild'" thematisierten Pfarrgemeinderatsvorsitzender Lorenz Mai und Bürgermeister Bruno Kellner. Mai sprach von einer Herzenssache. Während der Bürgermeister das Engagement der Gemeinde bei den Restaurierungen und der Einhausung herausstellte.


Klares Bekenntnis

Anerkennend sprach er von der Leistung des Obst- und Gartenbauvereins bei der Pflege des Umfelds und der jahrzehntelangen Ausstattung mit Leuchten durch die Familien Meth und Salb. "Als Markt Rattelsdorf bekennen wir uns zum Mariabild, genau wie unsere Vorfahren", betonte Kellner. Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltungen sprach er ein Kompliment aus. Kellner lobte die vorzügliche Organisation des großen Jubiläums und den Hauptinitiator der Feierlichkeiten, Altbürgermeister Gerhard Jäger..