Wer derzeit in der Flur zwischen Rattelsdorf und Unterbrunn (Landkreis Lichtenfels) unterwegs ist, sieht keine ausgehobenen Bombentrichter mehr und auch keine Männer mit Metalldetektoren. Er wird höchstens noch Zeuge, wie Feldwege erneuert werden. Viel mehr ist von der gigantischen Buddel-Aktion, die hier seit 2018 stattgefunden hat, nicht mehr zu sehen.

Auf insgesamt 180 Hektar Fläche wurden 306 Tonnen Metall, davon allein die Hälfte Kampfmittel, Hunderte Splitterbomben und Granaten, sowie 50 Tonnen Munitionsteile, aus den Böden geholt. Die Amerikaner hatten hier nach dem Zweiten Weltkrieg Wehrmachtsmunition mit kontrollierten Sprengungen unbrauchbar machen wollen. Doch längst nicht alle Bomben sind detoniert. Und so hat die auf Kampfmittelräumung spezialisierte Gesellschaft für Liegenschaftskonversion (GfLK) immer wieder auch scharfe Munition ausgegraben, an 48 Tagen musste vor Ort gesprengt werden, der Rest wurde abtransportiert.

GfLK-Geschäftsführer Andreas Butzke berichtet von bis zu zehn Meter tiefen Bombentrichtern. "Ich bin aber mit dem Verlauf zufrieden, das ganze Projekt ist super gelaufen." Weil so viel Munition gefunden wurde, dauerte auch die Räumaktion ungewöhnlich lang. "Und dass wir so vor Ort sprengen, war für uns auch eine Besonderheit." So dauerte dieses Vorhaben mehr als zwei Jahre, während bei niedrigerer Kampfmittel-Dichte schon mal 100 Hektar in vier Monaten bearbeitet werden.

"Die Räumung wurde im Juli abgeschlossen, das war wirklich auch für mich eine Mammutaufgabe", sagt der Rattelsdorfer Bürgermeister Bruno Kellner (VU). Die Zusammenarbeit mit den Landwirten sei trotz aller Emotionen und der mit der Aktion verbundenen Einschränkungen gut gelaufen. "Das waren immer sehr konstruktive Gespräche, auch wenn sich die Begeisterung natürlich in Grenzen hielt. Aber wo es ging, wurde auch auf die Belange der Grundstückeigentümer Rücksicht genommen."

Bund und Freistaat übernehmen Millionen-Rechnung

Einen Kampf hat man bereits in der Frühphase des Projekts gemeinsam gewinnen können: Lange Zeit mussten zunächst die zehn Eigentümer der 20 Hektar großen Kernfläche bangen, dass sie die zunächst mit 3,5 Millionen Euro bezifferten Räumungskosten zu tragen hätten. Die Landwirte setzten sich juristisch zur Wehr, Marktgemeinde, Landkreis und lokale Abgeordnete arbeiteten auf der politischen Ebene so lange, bis schließlich Bund und Freistaat die Räumungskosten von mittlerweile vier Millionen Euro übernahmen.

"Ich bin sehr dankbar, dass das gelungen ist, und dass auch die Bauern alle diesen Schritt mitgegangen sind", sagt Kellner. Die Befürchtung, in ein paar Jahren alles selbst zahlen zu müssen, war am Ende auch bei den Skeptikern größer als der durch die Räumung entstandene Schaden.

"Bis die Böden wieder voll ertragsfähig sind, werden sechs bis sieben Jahre vergehen", sagt der Landwirt Jürgen Finkel aus Ummersberg (Markt Ebensfeld), der Sprecher der Interessengemeinschaft ist. Der aufgewühlte und kontaminierte Boden wurde schichtweise mit Kompost aufgefüllt, speichert entsprechend weniger Wasser und wird sich in den kommenden Jahren sicher auch noch setzen. "Schon jetzt sieht man genau, wo früher die Trichter waren." Insgesamt ist aber auch Finkel zufrieden damit, wie hier Eigentümer und Kommune zusammengearbeitet haben. Doch auch wenn die Grundstücke nun offiziell als kampfmittelbereinigt gelten, bleibt für ihn ein Stück weit Ungewissheit: "Ich hoffe, dass das auch noch in 20 Jahren gilt. Schon bei der Flurbereinigung hat es ja geheißen, das ist gutes Ackerland."

Geht es nach Kellner, wird in naher Zukunft zumindest eine Informationstafel auf diesen Ort der jüngeren Rattelsdorfer Geschichte, die gigantische Räumaktion und die explosiven Funde hinweisen. Davor aber will der Bürgermeister noch mit allen Beteiligten Bilanz am ehemaligen Sprengplatz ziehen. Dort, wo nun auch die Äcker von der schweren Last des Krieges befreit sind.