Emsiges Treiben herrscht im Gemeindehaus der Ukrainischen griechisch-katholischen Pfarrei St. Nikolaus in Bamberg. Junge Leute - Studenten aus der Ukraine, aus Polen und Bulgarien - wühlen sich durch Kleiderberge. Jedes Stück nehmen sie in die Hand, begutachten es sorgfältig und sortieren Unbrauchbares aus. "Schrott können wir nicht schicken", betont Pfarrer Bogdan Puszkar, der immer wieder sein herzliches Lächeln zu den fleißigen Helfern schickt.

Ende Oktober will Puszkar einen dreizehn Meter langen, vollgepackten Lkw einer Spedition aus Neunkirchen am Sand in die Ukraine schicken. Wenn "der Westen die Ukraine auch allein lässt", wie der Pfarrer etwas bitter sagt, so wolle er mit seiner Gemeinde etwas für seine Landsleute in Not tun. Und zwar für "alle Bedürftigen unabhängig von Religion und Kirche", die von dem militärischen Konflikt betroffen seien.

Schließlich seien derzeit rund 500 000 Menschen aus der Ost-Ukraine auf der Flucht: "Sie sind in Behelfsunterkünften untergebracht und haben oft den Großteil ihrer Habe verloren", weiß Pfarrer Puszkar aus zahllosen Telefonaten mit Ukrainern und aus einem regen Austausch in sozialen Netzwerken wie Facebook.

Von Besteck über Zahnpasta bis Decken
Er ist in großer Sorge: Frost und Schnee stehen vor der Tür. So sammelt Puszkar "alles, was warm macht": Winterkleidung und Schuhe für Erwachsene und Kinder, warme Unterwäsche, Decken, Schlafsäcke, Matratzen, Wasserkocher, Töpfe, Geschirr und Besteck. Auch Hygieneartikel wie Seife, Zahnpasta, Shampoo, Feuchttücher sind gefragt. Und haltbare Lebensmittel.

Auf keinen Fall will der Pfarrer "Luxusgüter wie Deko-Artikel oder Spielsachen", die wertvollen Platz im Lkw rauben würden.

Denn neben den wärmenden Sachen sollen vor allem medizinische Güter geschickt werden: "Die schon vor dem Krieg marode medizinische Versorgung ist nun vollständig zusammengebrochen", so Puszkar. Er hat in diesen Tagen allein 83 Kliniken in Franken angeschrieben mit der dringenden Bitte um Medikamente, Verbandsmaterial, chirurgische Instrumente, OP-Wäsche und überhaupt ausgemusterte, aber noch verwendbare medizinischen Geräte.

Erst im September hat ein mit Pflegebetten, Nachtkästen, Rollstühlen, Toilettenstühlen und Kleidung beladener Transporter Bamberg Richtung Ukraine verlassen.

"Ich bin schon fast ein Profi im Organisieren", lacht Pfarrer Puszkar, für den Zollformalitäten, Frachtpapiere und verplombte Lkws nach insgesamt acht Lieferungen in den letzten Jahren nichts Fremdes mehr sind. Dass die Güter auch tatsächlich bei denen ankommen, die sie brauchen, belegt er mit Fotos auf seinem Laptop.

Caritas sorgen für Transport in die Ost-Ukraine
Auch der jetzt anstehende Transport wird zunächst nach Kiew gehen, wo ihn die dortige Caritas der griechisch-katholischen Erzdiözese in Empfang nimmt. Caritas-Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Lieferung in das Zentrallager nach Krematorsk in der Ost-Ukraine gelangt, wo Organisationspartner für die Verteilung sorgen.

Und wenn alles gut geht, soll noch vor Weihnachten der nächste Lastwagen aus Bamberg in den Osten rollen.

Pfarrer Puszkar baut auf die Unterstützung aller Bamberger und ruft dazu auf, ihm und damit den Menschen in Not zu helfen. "Ich sammle praktische Dinge", betont er noch einmal. Bisher erreichte sein Hilferuf die eigene Gemeinde und die Nachbarn sowie den "Verein der Ukrainer in Franken e. V." mit Sitz in Nürnberg. Jetzt hofft Puszkar, dass auch Bamberg insgesamt ihn nicht im Stich lässt.

Dass er seine Aktion nicht als ein politisches Zeichen, sondern ausschließlich als humanitäre Hilfe versteht, unterstreicht auch sein weiteres handfestes Tun: Bogdan Puszkar nimmt in seinem Pfarrhaus einen traumatisierten Flüchtling aus der Ukraine auf, der Asyl beantragt hat und nach ärztlicher Behandlung in Ansbach mit offizieller Genehmigung der Behörden nach Bamberg kommen darf.

Adresse Wer Winterkleidung usw. für die Ukraine abgeben möchte, kann dies im Gemeindehaus und in der St. Johannis-Kirche der Ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde tun (der Eingangsbereich des Gemeindehauses ist überdacht, da kann auch etwas abgestellt werden), Andreas Hofer Str. 21, 96049 Bamberg (Gaustadt).

Spenden Jeder Lkw-Transport kostet 2500 Euro. So ist Pfarrer Puszkar auch über Spenden dankbar: Liga Bank, Kontoinhaber: Ukrainische Pfarrei St. Nikolaus, IBAN DE50 7509 0300 0209 0283 07, BIC GENODEF1M05. Verwendungszweck: Hilfe für die Ukraine. Spendenquittungen werden ausgestellt.

Kontakt Für Rückfragen an Pfarrer Puszkar: E-Mail: bamberg@ukrainische-kirche.de, Telefon 0951/ 700 23 56 und mobil 0175 164 31 53.