Eigentlich war die Debatte beendet. Es ist ein Satz von Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg. Politisch und in der Verwaltung sei die Sperrzeitregelung in Bamberg eigentlich kein Thema mehr gewesen. Doch plötzlich taucht es wieder auf.

Der Stadtrat hatte 2011 beschlossen: Werktags greift im Innenstadtbereich um zwei Uhr nachts die Sperrstunde, am Wochenende um vier Uhr morgens. Eine Tatsache, mit der sich die Beteiligen laut Siebenhaar eigentlich "vorsichtig abgefunden" hatten.

Sabine Sauer, Vorsitzende des Bürgervereins Bamberg-Mitte, spricht von einem "Kompromiss". Einer, bei dem zwar beide Seiten "Federn gelassen", sich aber arrangiert hätten. "Ich bin entsetzt, dass das Thema nun wieder auf der Tagesordnung steht", sagte Sauer auf FT-Anfrage. Für sie ein Zeichen dafür, dass der mühsam gefundene Kompromiss nun doch wieder in Frage gestellt wird.

Konkret durch die Online-Petition "Aufhebung der Sperrstunde in Bamberg", die von zwei Discjockeys und Veranstaltern vor wenigen Tagen ins Netz gestellt wurde. Die Kultur müsse leiden, heißt es dort, auch seien "weder die nächtlichen Kriminalitätsraten, noch die Lärmbeschwerden zurückgegangen". Clubgänger, Clubbetreiber und Veranstalter würden unter der Sperrstunde leiden. Etwa 1800 Menschen haben bisher online unterschrieben (Stand: 14. Juli).


Podiumsdiskussion im "Morph"

Am 2. Juli hatte eine Podiumsdiskussion zum Thema Sperrstunde im ehemaligen Morph Club stattgefunden. Fünf Jahre nach deren Einführung habe man Bilanz ziehen wollen, wie es in der Veranstaltungsankündigung der Jusos dazu hieß. Geladen waren Vertreter aus Politik, der Clubszene und studentischen Kreisen. Der Bürgerverein habe aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen können, wie Vorsitzende Sabine Sauer sagte. Sie merkte an, dass sie von einer Online-Petition nichts halte - sofern diese aus einer "einseitigen Diskussionsrunde" heraus entstanden sein sollte.

Florian Müller, Inhaber der "Fruchtbar" und des "Ahörnla" sowie Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, interpretiert dagegen: "Die Petition zeigt, dass viele mit dem Thema noch nicht abgeschlossen haben." Man müsse darüber reden, "ob die gewünschten Effekte eingetreten sind".
Für ihn ist nicht nachvollziehbar, warum man nicht die alte Regelung mit individuellen Ausnahmegenehmigungen beibehalten habe. Ihm fehlt nicht nur die Flexibilität, bei vollem Haus beispielsweise länger offen haben zu können. Einige seiner Kollegen müssten finanzielle Einbußen hinnehmen. "Für die Clubbetreiber hat sich die Situation verschlechtert." Trotzdem appelliert Müller, das Thema jetzt nicht zu sehr hochzukochen, gleichwohl müsse eine Bilanz gezogen werden.

Wie sieht diese aus Sicht der Polizei aus? Eine solche Einsatzauswertung ist laut Silke Gahn, Sprecherin der Bamberger Polizei, über das Polizeipräsidium Oberfranken zu bekommen. Doch das dauert. Vorab gibt Gahn eine Einschätzung ab: "Unter der Woche kehrt auf jeden Fall früher Ruhe ein." Es komme zu weniger Körperverletzungsdelikten, Sachbeschädigungen und weniger Beschwerden wegen Ruhestörung.

Der Status am Wochenende sei schwieriger auszuwerten, da es durchaus noch Lokalitäten mit Ausnahmegenehmigungen bis fünf Uhr morgens gebe. Generell gelte: Wird die Sperrzeitregelung häufiger verletzt, gibt es eine Anzeige. Vor allem kurz nach der Einführung sei diese häufiger nicht eingehalten worden. Doch zwischenzeitlich habe es sich eingespielt.

Auch in der Stadtverwaltung zieht Ulrike Siebenhaar eine positive Bilanz. Weniger Ausnahmegenehmigungen, und "die Stadt kommt früher zur Ruhe. Die Nachtruhe wird gesichert, ohne das Nachtleben einzuschränken". Siebenhaar erinnert an den "Runden Tisch Jugendkultur", der nach der Demonstration "Kultur braucht Zeit" im Jahr 2013 ins Leben gerufen worden war. Sechs "Runde Tische" habe es seitdem gegeben, mit Vertretern von Studierenden, der Interessengemeinschaft Aktive Mitte, des Kontakt-Kulturfestivals, der Gastronomie, des Stadtmarktetingvereins, der Fraktionen im Stadtrat, der Polizei, des Kultur- und Ordnungsamtes und der Universitätsleitung. "Es gab sehr viel Bewegung in Richtung Raum für Jugendkultur", sagt Siebenhaar. In Bezug auf die Sperrzeit habe sich mit den Studierendenvertretern kein hundertprozentiger Konsens erzielen lassen.


Nie beiden Seiten recht zu machen

Vollkommen klar, glaubt Sabine Sauer. "Wir als Bürgerverein vertreten beide Seiten. Und dieses Thema wird nie beiden Seiten gefallen." So sei es durchaus vorgekommen, dass Studenten, einst Sperrzeit-Gegner, mit Beruf und Kind nun froh über ihre Nachtruhe seien.

Auf Studierendenseite zeichnet Stefan Wolf ein relativ realistisches Bild. Der Vorsitzende des Arbeitskreises "Kommunales" des Studentischen Konvents merkt zwar an, dass es von Studierenden viel Zuspruch für die Aufhebung der Sperrzeit gebe. Aber: "Das Thema ist in der Bevölkerung eigentlich durch. Druck, die Sperrstunde abzuschaffen, gibt es nicht wirklich."

Sein Ziel: Man möge sich zusammensetzen und eine flexiblere Regelung erörtern, dass etwa am Anfang des Semesters länger geöffnet bleibt und in der Prüfungszeit kürzer. Zur Online-Petition sagt Wolf: "Ich begrüße sie, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Stadtrat beeinflussen lässt."

Der Initiator der Petition schreibt auf der entsprechenden Internetseite übrigens auch Folgendes: Eine Investition in die Clubkultur würde "zusätzlich neue Einkunftsmöglichkeiten im Tourismusbereich eröffnen, indem ganz neue Touristengruppen generiert werden."