Laden...
Bamberg
Prozess

Gewaltexzess in fränkischer Disco: Richter von Brutalität entsetzt

In Bamberg wurde der Gewaltexzess in einer Disco aus dem Oktober 2019 vor dem Amtsgericht verhandelt. Nicht alles konnte geklärt werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bei der Tat im Oktober in einer Bamberger Discothek kam durch einen der nun Verurteilten auch ein Messer zum Einsatz. Christopher Schulz
Bei der Tat im Oktober in einer Bamberger Discothek kam durch einen der nun Verurteilten auch ein Messer zum Einsatz. Symbolfoto: Christopher Schulz

Mit vergleichsweise milden Urteilen kam ein Quartett aus Syrern und einem Ägypter vor dem Amtsgericht Bamberg davon. Die jungen Männer zwischen 20 und 28 Jahren hatten Mitte Oktober 2019 in einer Discothek in Bamberg für reichlich Unruhe und mehrere Verletzte gesorgt.

Es gab Haftstrafen bis zu fünf Jahren, in einem Fall eine Geldstrafe von 1050 Euro. Nur für den Auslöser, die sexuelle Nötigung einer jungen Frau auf der Tanzfläche, konnte keiner der Angeklagten aus Bamberg und Würzburg verurteilt werden.

Gewaltexzess in Bamberg: Schnitt quer durchs Gesicht

Das Erschrecken ist Staatsanwalt Christoph Wedekind deutlich anzumerken, als er in seinem Plädoyer auf den Angeklagten Hassan K. (Name geändert) zu sprechen kommt. "Das ist das Abgefahrenste, was ich seit langem gehört habe." Der hatte einem unbeteiligten Discobesucher, mit dem er noch dazu befreundet war, mit einem Klappmesser einmal quer durchs Gesicht geschnitten. "Wir können alle von Glück sagen, dass das nicht ins Auge gegangen ist."

Der Disco-Chef, dem er gedroht hatte, ihn abzustechen, entging der Klinge nur, weil ihn jemand zur Seite riss. Freilich waren Hassan K. und seine Begleiter an diesem Abend auch gegen andere tätlich geworden - mit Fäusten und Füßen.

Ausgangspunkt war die sexuelle Nötigung einer 21-jährigen Frau aus Bamberg auf der Tanzfläche, die so heftig "angetanzt" und begrabscht worden war, dass sich tags darauf an ihren Brüsten zahlreiche blaue Flecken zeigten. Als der Sicherheitsdienst den mutmaßlichen Täter Baschar D. aus dem Tanzschuppen verweisen wollte, kamen ihm seine Kumpane zur Hilfe. Dann verlagerte sich die Verprügelungsaktion in die Garderobe und vor den Eingang. Es fiel ein Hagel an Schlägen gegen mehrere Türsteher, die die Situation beruhigen wollten. Draußen geschah das, was Staatsanwalt Wedekind die "zweite Welle" nannte: Die Gruppe entfernte sich erst, kam dann aber wieder zurück und machte "mit äußerster Brutalität" weiter.

Drei der Angeklagten standen zum Zeitpunkt des Gewaltexzesses unter offener Bewährung. Zum einen hatte Hassan K. im März 2017 gemeinsam mit Omar F. und einem dritten Mann einem Passanten seine E-Zigarette und die Geldbörse mit 95 Euro geraubt und ihn dabei am Boden liegend mit Fußtritten und Faustschlägen so getroffen, dass er nicht nur Schürfwunden, Blutergüsse und Prellungen, sondern auch einen Unterkiefer-Bruch erlitten hatte. Die Folge waren drei Jahre Jugendstrafe wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Omar F. hatte außerdem noch eine versuchte gefährliche Körperverletzung und eine Beleidigung auf dem Kerbholz. Im Oktober 2016 hatte er in der Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Gundelsheim eine Betreuerin gepackt und geschüttelt, sie als "Schlampe" bezeichnet und versucht, sie mit einem Bürostuhl zu treffen.

"Einschlägige" Vergangenheit: Polizei findet Waffe in Unterhose

Eine im wahrsten Sinne des Wortes "einschlägige" Vergangenheit hatte Erkan G. vorzuweisen. Er hatte nicht nur im Oktober 2016 vor einer Disco in Würzburg zwei Menschen provoziert, diese geschlagen und zu Boden gebracht. Im Februar 2017 war es in ebenjenem Etablissement zu einer erneuten Eskalation gekommen. Auch da waren er und seine Kumpane hinausgeworfen worden und hatten dann versucht, die Betreiberin zu verletzen. Draußen trafen sie auf eine Gruppe, die gerade einen Geburtstag feierte. Erkan G. forderte einen zum "Kampf Eins gegen Eins", wurde von dem Amateur-Boxer aber niedergeschlagen, zog dann aber urplötzlich ein Klappmesser und stach drei Mal von hinten auf sein Gegenüber ein. Er traf ihn am Rücken, am Arm und am Hintern. Die Waffe wurde später durch die Polizei in Erkan G.s Unterhose gefunden.

Hassan K. bekam zu seinen drei Jahren noch einmal zwei Jahre Zuschlag. Von den sechseinhalb Jahren, die Wedekind gefordert hatte, wichen der Vorsitzende Richter Martin Waschner und seine beiden Schöffen deutlich ab - was angesichts der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nicht allzu sehr ins Gewicht fällt. Dafür hatte sich Verteidiger Alexander Wessel aus Haßfurt starkgemacht. Hassan K. hatte die Taten unter Einfluss von Alkohol, Marihuana, Kokain und einem opiumhaltigen Schmerzmittel begangen.

Omar F., dem man keine Schläge oder Tritte nachweisen konnte, bekam zu seinen drei Jahren noch einmal ein Jahr. Aber nur, weil man ihm rund 300 Gramm Marihuana zurechnen konnte, die man bei einer Hausdurchsuchung hatte auffinden können. Damit wird er nach den Haftanstalten in Bad Reichenhall, Hof, Ebrach und Nürnberg auch die in Bamberg kennenlernen. Erkan G. kam mit zwei Jahren davon. Noch mehr Glück hatte Baschar D., den das Opfer der sexuellen Gewalt nicht eindeutig identifizieren konnte. Er musste sich nur für einen Faustschlag verantworten und als nicht Vorbestrafter eine Geldstrafe von 1050 Euro hinnehmen.